Bauchattacken Nahrungsmittelallergie hereditäres Angioödem

Prof. Bettina Wedi zu den möglichen Ursachen von Bauchattacken - Nahrungsmittelallergie oder hereditäres Angioödem!

Bauchattacken: Nahrungsmittelallergie oder hereditäres Angioödem?

Wäre dann die Nahrungsmittelallergie auch eine Differenzialdiagnose zu HAE?

Ja, die Nahrungsmittelallergie ist durchaus auch eine Differenzialdiagnose zum hereditären Angioödem. Bei Nahrungsmittelallergien fangen gastrointestinale Beschwerden meist im Mundbereich, mit einem oralen Allergiesyndrom an. Das ist nicht bei allen Patienten zwingend so, aber doch häufig der Fall. Beim hereditären Angioödem kommt es eher nicht zu Beschwerden im Mundbereich unmittelbar nach oder noch bei der Nahrungsaufnahme, dafür aber zu plötzlichen, schwersten Bauchschmerzen. Bei Nahrungsmittelallergien wiederum kommt es eher zu Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen und weniger zu Bauchschmerzen solchen Ausmaßes. Bei einer Nahrungsmittelallergie sind in den meisten Fällen auch juckende Quaddeln vorhanden.

Häufig wird HAE jedoch mit akuten Erkrankungen des Bauchraumes verwechselt.

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Bei welchen akuten Erkrankungen des Bauchraumes ähneln die Symptome den Bauchattacken bei HAE?

Oft werden die Bauchattacken beim hereditären Angioödem z.B. für eine Blinddarmentzündung gehalten. Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Erkrankungen.

Ein Merkmal der Bauchattacken beim hereditären Angioödem ist, dass bei einer akuten Sonographie ein Aszites, d.h. eine Bauchwassersucht, zu sehen ist. Man sieht dann die Darmschwellungen und den Flüssigkeitsaustritt aus den großen Gefäßen in die Bauchhöhle. Nicht immer werden Patienten mit schweren Bauchattacken jedoch im akuten Stadium sonographiert, weil man eher an eine Blinddarmentzündung, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Eileiterschwangerschaft denkt.

Außerdem kann es manchmal auch bei einer ausgeprägten Entzündung zu Aszites kommen. Man muss also bei der Sonographie an das Krankheitsbild HAE denken, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Eine Differenzierung wäre hier, dass bei Entzündungen auch die Entzündungsparameter im Blut erhöht sein müssten und es kann zu Fieber kommen, bei HAE ist das jedoch nicht der Fall.

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Welche Konsequenzen hat es für die Patienten, dass durch HAE verursachte Bauchattacken oft nicht als solche erkannt werden?

Manchmal sind die Beschwerden am nächsten Tag verschwunden, man sieht die Flüssigkeit im Bauchraum nicht mehr und die Ursache wird nicht weiter untersucht.

Viele HAE-Patienten werden aber auch fälschlicherweise operiert, und man findet dann eben keine Entzündung. Ist die Flüssigkeit im Bauchraum resorbiert und die Bauchattacke vorüber, geht es den Patienten ja nach der Operation auch besser und man forscht nicht weiter nach.

Hat der Patient dann ein Jahr später die gleichen Beschwerden, ist er vielleicht bei einem anderen Arzt oder in einem anderen Krankenhaus und die Ereignisse werden gar nicht in Verbindung gebracht.

Wir haben einige Patienten, bei denen erst nach einem 10-jährigen Leidensweg die nötigen Blutuntersuchungen gemacht wurden, mit denen man ein hereditäres Angioödem diagnostizieren kann.

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