Urtikaria Angioödem Symptome Therapie

Privatdozentin Dr. med. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz

Urtikaria und Angioödem: Symptome, Auslöser und Therapien

Heißt das, dass Menschen mit Intoleranzen und Unverträglichkeiten, die Urtikaria Symptome haben, auch für immer auf die auslösenden Nahrungsmittel verzichten müssen?

Oft reagieren Menschen mit Unverträglichkeiten und Intoleranzen auf ganze Nahrungsmittelgruppen. Intolerante müssen dann zunächst für drei bis vier Wochen eine strenge Diät halten und auf diese Nahrungsmittelgruppen, Pseudoallergene oder auf Histamin verzichten. Danach profitieren 2 von 3 Patienten davon, dass sie mindestens 50 Prozent weniger Urtikaria Symptome haben. Hat man eine solche Diät dann sogar mehrere Monate durchgehalten, kann man langsam wieder anfangen, normal zu essen, und es ist möglich, dass man dann auch wieder alles verträgt. Bei einer Allergie ist dies häufig nicht oder erst nach Jahren wieder möglich.

Wie kommt es, dass zuvor unverträgliche Stoffe nach der Diät wieder verträglich sind?

Das weiß man heute noch nicht genau. Man nimmt aber an, dass sich durch die lange "Schonkost", und das ist eine solche Diät ja, die Darmschleimhaut wieder aufbauen kann, und so wieder wesentlich intakter wird. Man vermutet, dass mit ein Grund für die Entstehung von Intoleranzen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten ein Problem der Darmschleimhaut ist. Allerdings gibt es hierzu keine Laborwerte, nichts Greifbares. Ich erkläre das meinen Patienten immer so: Wenn man eine Intoleranz hat, ist die Darmschleimhaut gereizt, entzündet und wird durchlässig. Dadurch können z.B. bestimmte Stoffe in den Körper zurückgelangen, die normalerweise vom Darm nach außen transportiert werden. Diese nicht abtransportierten Stoffe können die Urtikaria zum aufflackern bringen. Wenn die Darmschleimhaut nach der Schonkost wieder intakt ist, kann man auch die zuvor unverträglichen Stoffe langsam wieder vertragen.

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Gibt es einen Zusammenhang zwischen Urtikaria und psychosomatischen Aspekten?

Wenn wir Patienten über die Anfänge ihrer Urtikaria befragt haben, erhielten wir oft die Antwort, dass sie zu dieser Zeit sehr viel Stress hatten. Wir haben dann die Zusammenhänge sehr intensiv untersucht, weil wir dachten, es gäbe vielleicht eine psychogene Urtikaria. Dafür haben wir allerdings keinerlei Anhaltspunkte gefunden. Man kann lediglich sagen, dass sich eine Urtikaria durch Stress oder emotionale Reize verschlimmert. Dies gilt allerdings für alle Hauterkrankungen, insbesondere dann, wenn sie mit Juckreiz verbunden sind. Auch z.B. Neurodermitis oder Psoriasis verschlimmern sich unter Stress und dies ist durch Hautnerven etc. auch leicht erklärbar.

Was ist wichtig bei der Behandlung der Urtikaria?

Man sollte auf keinen Fall die Urtikaria als harmlose Krankheit abtun, die von selbst wieder weg geht. Jeder zweite Patient mit schwerer Urtikaria hat Angststörungen oder Depressionen. Insbesondere Menschen, die von einer chronischen Urtikaria betroffen sind, leiden unter einer sehr schlechten Lebensqualität, vergleichbar mit Menschen, die schwere Herzprobleme haben. Eine Verharmlosung der Urtikaria ist deshalb nicht angebracht, ebensowenig wie ein "Aussitzen" dieser Erkrankung. Bei den chronischen spontanen Formen muss eine Ursachensuche und adäquate Therapie erfolgen.

Frau Privatdozentin Staubach, herzlichen Dank für das Interview! 

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