Urtikaria Angioödem Symptome Therapie

Privatdozentin Dr. med. Petra Staubach, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz

Urtikaria und Angioödem: Symptome, Auslöser und Therapien

Wie behandelt man die Urtikaria?

Die Symptome der akuten und chronischen Formen der Urtikaria behandelt man mit Antihistaminika, auch Antiallergika genannt, die über Tabletten, Säfte oder Spritzen verabreicht werden können und relativ zügig wirken. Dabei handelt es sich im Grunde um die gleichen Wirkstoffe, die auch zur Behandlung einer Pollenallergie eingesetzt werden. Man weiß allerdings, dass bei einer Urtikaria wesentlich höhere Dosen als bei einer Pollenallergie nötig sind. An Stelle von einer Tablette benötigt man bei der Nesselsucht häufig 2 oder sogar 4 Tabletten über den Tag verteilt, um die Symptome zu unterdrücken.

Bei der akuten Form der Urtikaria, die spontan auftritt, geht man davon aus, dass eine symptomatische Behandlung mit Medikamenten ausreicht. Mit einer Ursachensuche würde man dezidiert erst bei der chronischen Form der Urtikaria beginnen. Wie gesagt, sind die Ursachen bei der akuten Form der Urtikaria häufig Infekte, auch spontane Infekte, oder Allergien gegen Medikamente oder Nahrungsmittel. Hier sollte man die Infekte behandeln, evtl. das auslösende Allergen ermitteln und zusätzlich mit Antihistaminika und Antiallergika behandeln. Sind die Ursachen der akuten Urtikaria beseitigt, verschwindet auch die Urtikaria. In Bezug auf die Antihistaminika ist es wichtig, zu wissen, dass man ausschließlich Antihistaminika der zweiten Generation einsetzen sollte, die im Gegensatz zu den älteren Präparaten nicht mehr bzw. weniger zu Müdigkeit führen. Weitere Therapieoptionen sind Leukotrienantagonisten, die man in Kombination mit Antihistaminika einsetzen kann.

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Bei Menschen, die schwerer betroffen sind und auf Antihistaminika nicht reagieren, kann man immunmodulierende Mittel wie z.B. Kortison einsetzen. Allerdings sollte man bezüglich Nebenwirkungen gut informiert sein und die Therapieoptionen nur kurzzeitig einsetzen.

Eine weitere Möglichkeit zur Therapie der Urtikaria wäre ein neuer Wirkstoff, namens Omalizumab. Dieser Wirkstoff wurde bereits für die Behandlung von Asthma zugelassen. In Studien hat sich bestätigt, dass Patienten mit Nesselsucht auf diesen Wirkstoff sehr gut ansprechen. Nächstes Jahr soll das Medikament auch für die Urtikaria und Angioödeme zugelassen werden - eine neue Option für die Zukunft. Bei Patienten, die auf die aktuell vorhandenen Therapien nicht reagieren, ist es für den behandelnden Arzt aber heute schon möglich, bei der Krankenkasse einen Antrag auf Genehmigung des Off-label-use (Einsatz außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebietes) zu stellen. Hierzu muss jedoch sichergestellt sein, dass alle anderen Therapien durchlaufen wurden oder aus bestimmten Gründen nicht eingesetzt werden können.

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Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Urtikaria und anderen Erkrankungen, z.B. Allergien?

Die Nesselsucht kann ein Symptom einer Allergie z.B. Nahrungsmittelallergie sein, denn Schleimhaut und Haut reagieren gerne gemeinsam, da in beiden Organen Mastzellen vorhanden sind, die durch das Allergen gereizt werden. Es werden dann bestimmte Stoffe, wie z.B. Histamin, freigesetzt. Das Histamin führt dann zu Juckreiz und Quaddeln der Urtikaria oder auch zu Magen-Darm-Symptomen. Der Mechanismus ist immer der Gleiche. Wenn man eine Allergie hat wird man immer wieder diese Symptome bekommen, unabhängig von der Allergen-Dosis.

Allerdings ist die chronische Urtikaria ausgesprochen selten mit einer Allergie verbunden, denn wenn man ein Allergen als die Ursache der akuten Symptome erkannt hat, wird man es ja meiden. Die Patienten können hier auch oft sehr genau beschreiben, in welchem Zusammenhang die Symptome auftreten. Bei der chronischen Form der Urtikaria ist es so, dass oft auch Infekte, manchmal auch versteckte Infekte, bestehen. Auch Magenkeime wie der Helicobacter Pylori, Yersinien oder Autoimmunerkrankungen wie z.B. eine Schilddrüsenentzündung können die Ursachen einer Urtikaria sein. Der Helicobacter Pylori z.B. ist ein sehr häufiger Infekt, der oft selbst keine Beschwerden verursacht, aber wenn man ihn findet und behandelt ist die Urtikaria nach drei bis vier Wochen verschwunden.

Eine weitere große Gruppe bei der chronischen Nesselsucht sind Patienten mit Intoleranzen oder auch Unverträglichkeiten. Patienten mit Nahrungsmittelintoleranzen reagieren mit den gleichen Symtpomen wie bei einer Allergie, aber Intoleranzen sind keine Allergien, denn man kann keine Antikörper gegen relevante Allergene nachweisen. Diese Patienten reagieren häufig z.B. auf Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder zu viel Histamin in der Nahrung. Im Unterschied zur Allergie reagieren die Betroffenen bei Unverträglichkeiten nur dosisabhängig, d.h. nur wenn man zu viel isst oder zu viele Dinge isst, die zwar nicht einzeln, aber in der Summe zu viel des unverträglichen Stoffes ergeben, zeigen sich Symptome. Bei einer reinen Allergie reagiert der Patient immer auf das Allergen, ganz gleich, ob es sich um winzige oder große Mengen handelt.

Häufig reagieren die Betroffenen aber auch auf bestimmte Schmerzmittel-Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure oder ASS, Diclofenac und Iboprofen - wir nennen das Triggerfaktoren. Diese Wirkstoffe dürfen Patienten mit einer Urtikaria nicht einnehmen.

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