Familiäre Kälteurtikaria

Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zur familiären Kälteurtikaria!

Familiäre Kälteurtikaria, eine seltene autoinflammatorische Erkrankung!

Eine klassische Kälteurtikaria ist erworben, d.h. sie besteht nicht von Geburt an. Es gibt aber auch eine familiäre Form der Kälteurtikaria, die zu den autoinflammatorischen Erkrankungen zählt. Ursache und Symptome unterscheiden sich deutlich. Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Frau Prof. Ruëff, was ist eine familiäre Kälteurtikaria?

Eine familiäre bzw. autoinflammatorische Kälteurtikaria ist eine sehr, sehr seltene Erkrankung. Im Gegensatz zur regulären Kälteurtikaria beginnt die Erkrankung sehr viel früher im Leben. Die familiäre Kälteurtikaria ist eine autoinflammatorische Erkrankung, was nicht mit einer Autoimmunerkrankung zu verwechseln ist.

Advertorial

Was ist der Unterschied zwischen Autoimmunerkrankungen und autoinflammatorischen Erkrankungen?

Bei Autoimmunerkrankungen kommt es durch zu einer aktiven Fehlleistung des körpereigenen Immunsystems zu einer Schädigung von eigenen Geweben.  Zwar gibt es eine erbliche Veranlagung für bestimmte Autoimmunerkrankungen, z.B. Psoriasis oder Rheuma, aber eigentlich handelt es sich bei der Autoimmunerkrankung typischer Weise um eine erworbene Erkrankung.

Im Gegensatz dazu sind Autoinflammationssyndrome angeboren. Es kann zwar vorkommen, dass sich die autoinflammatorische Erkrankung nicht von Geburt an manifestiert. Dies liegt dann jedoch daran, die auslösenden Kofaktoren erst späterer auf den Organismus einwirken. Die Besonderheit bei autoinflammatorischen Erkrankungen ist, dass es bei Entzündungen, Heilvorgängen oder Abwehrmechanismen nicht zum normalen Abschluss der jeweiligen Entzündungsprozesse kommt. Die normalen An- und Abschaltprozesse funktionieren hier einfach nicht und es kommt zu verstärkten Entzündungsprozessen.

Advertorial

Wie unterscheidet sich die familiäre Kälturtikaria von der klassischen Form der Kälteurtikaria?

Während bei der klassischen Kälteurtikaria ein juckender Nesselausschlag der Haut oder auch der Schleimhäute relativ rasch nach Kältekontakt und vorwiegend an den Kontaktstellen zu Kälte auftritt, kommt es bei der familiären Kälteurtikaria zu einem größeren Spektrum an Beschwerden, für die Kältekontakte – auch der Verzehr kalter Speisen oder Getränke - ein wichtiger Auslöser sind. Zu den Beschwerden gehört ebenfalls ein meist nicht juckender nesselartiger Hautausschlag, weiter Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Bindehautreizung, Gelenk-, Glieder- und Kopfschmerzen. Die betroffenen Patienten fühlen sich richtig krank. Während bei familiärer Kälturtikaria die Symptome in den ersten Lebensmonaten einsetzen, tritt die klassische Kälteurtikaria erst später auf. Auch der Zeitablauf ist unterschiedlich: bei der familiären Kälteurtikaria treten Beschwerden erst Stunden nach der Kälteexposition auf und sie halten auch länger an.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.