Kälteurtikaria Symptome Risiken Diagnose Therapie

Prof. Dr. Franziska Ruëff von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zur Kälteurtikaria!

Kälteurtikaria: Symptome, Risiken, Diagnose und Therapiemöglichkeiten!

Was könnte bei einer Kälteurtikaria lebensgefährliche Systemreaktionen auslösen?

Ein plötzlicher sehr starker Kältereiz kann z.B. dazu führen, dass es zu Herz-Kreislauf-Problemen kommt, d.h. zur Bewusstlosigkeit. In offenen Gewässern oder auch nur in einem Tauchbecken könnte man so ertrinken.

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Wie lange halten die Symptome bei der Kälteurtikaria an?

Bei der Kälteurtikaria verschwinden die Symptome nicht sofort wieder, wenn die Patienten ins Warme kommen. Quaddeln, Rötungen und Juckreiz bleiben bei der Kälteurtikaria so lange bestehen, bis die ausgetretene Gewebeflüssigkeit aus den Quaddeln vom Körper wieder resorbiert wurde. Dabei gilt: Je ausgeprägter die Quaddelbildung, desto länger dauert es, bis sie sich wieder zurückbilden, das kann mehrere Stunden dauern.   

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Hat man eine Kälteurtikaria von Geburt an oder kann sie auch im Erwachsenenalter erstmals auftreten?

Die klassische Kälteurtikaria besteht nicht von Geburt an. Allerdings kann sie auch schon bei Kindern und Jugendlichen auftreten.

Kann es bei der Kälteurtikaria auch zu Angioödemen kommen?

Die Beschwerden der Urtikaria-Patienten treten genau dort auf, wo der Kältereiz auf die Haut trifft und zur Histaminfreisetzung der Mastzellen führt, d.h. in den oberen Gewebeschichten der Haut. Tiefere Gewebeschichten erreicht die Kälte meist nicht, weil sie besser geschützt sind. Da Angioödeme jedoch in tieferen Gewebeschichten entstehen, treten sie bei der Kälteurtikaria eher selten auf. Kategorisch ausschließen würde ich Angioödeme aber auch bei Kälteurtikaria-Patienten eher nicht, zumal, wie gesagt, auch verschiedene Urtikariaformen gemeinsam vorkommen können. Ein Patient könnte also an Angioödem plus Kälteurtikaria leiden.

Urtikaria-Patienten berichten häufig, dass ihre Erkrankung sehr spät diagnostiziert werden konnte, trifft dies auch auf die Kälteurtikaria zu?

Klassisch für die chronische spontane Urtikaria generell ist eine gewisse tageszeitliche Rhythmik - häufig treten bei den betroffenen Patienten die Beschwerden in der Früh oder am Abend auf. Oft sieht der Arzt die Quaddeln deshalb nicht mehr, wenn die Patienten zum Arzt kommen. Für Dermatologen wird es jedoch sicher ein Hinweis auf eine Urtikaria sein, wenn der Patient von juckenden Quaddeln berichtet, auch wenn diese nicht mehr zu sehen sind.

Bei der Kälteurtikaria ist der Zusammenhang zwischen Auslöser und Symptomen unmittelbarer und hier lassen sich die Symptome zur Diagnose ja auch leicht reproduzieren.

Wie erfolgt die Diagnose einer Kälteurtikaria?

Zur Diagnose einer Kälteurtikaria benutzen wir in unserer Klinik ein mit Wasser und Eiswürfeln gefülltes Glas. Setzt man dieses auf die Haut auf, entsteht ein Kältereiz von ca. 4° C, was bei manchen Patienten bereits zu den typischen Urtikaria-Quaddeln führt.

Um die genaue Reizschwelle des Patienten zu ermitteln, wird das Glas jeweils unterschiedlich lang in Kontakt mit der Haut gebracht, z.B. für eine, drei oder fünf Minuten. So lassen sich unter anderem auch lindernde Effekte erkennen, die z.B. durch Medikamenteneinnahmen hervorgerufen werden können.

Ein spezielles Gerät zur Diagnose einer Kälteurtikaria bzw. zur Ermittlung der individuellen Reizschwelle des Patienten hat man an der Hautklinik der Charité entwickelt. Mit dem TempTest ©lassen sich Temperaturen zwischen 4 ° C und 44 ° C einstellen und an der Haut testen.  

Bleibt die Kälteurtikaria ein Leben lang bestehen?

Die Kälteurtikaria verschwindet in der Regel irgendwann von selbst. Zwar kann die Kälteurtikaria sehr hartnäckig sein und den Patienten jahrelang Beschwerden verursachen, aber früher oder später bildet sie sich zurück. Man geht bei der Kälteurtikaria von einem Erkrankungszeitraum von ein bis zehn Jahren aus – das Mittel liegt bei vier bis fünf Jahren.

Wenn die Kälteurtikaria sich zurückbildet geschieht dies meist nicht von heute auf morgen, sondern langsam. Die Patienten bemerken dann, dass sich die Reizschwelle positiv verändert. Konkret bedeutet dies, dass die Patienten z.B. plötzlich tiefere Temperaturen an der Haut tolerieren können, ohne dass es zu Symptomen kommt, oder dass sie niedrigen Temperaturen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sein müssen, bis es zu den typischen Quaddeln kommt.

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