Sorbitintoleranz

Dr. oec. troph. Astrid H. Gerstemeier, Praxis für bewegte Ernährung in Wiesbaden

Sorbitintoleranz: Was ist wichtig bei der Unverträglichkeit von Sorbit?

Um welche Art von Unverträglichkeit handelt es sich bei der Sorbitintoleranz?

Die Sorbitintoleranz zählt zu den Kohlenhydratmalassimilationen. Dabei handelt es sich um eine Zuckerverwertungsstörung, die häufig – zu 80 bis 90 Prozent - mit einer Fruktosemalabsorption oder gegebenenfalls auch mit einer Laktoseintoleranz vergesellschaftet ist. Die Sorbitintoleranz kann aber auch isoliert auftreten.

Ist die Sorbitintoleranz, ähnlich wie die Fruktosemalabsorption, ein Transporterdefekt?

Während die Pathophysiologie bei der Fruktosemalabsorption bereits ein gutes Stück bekannt ist, ist sie bei der Sorbitintoleranz noch weitestgehend unklar. Es ist zu vermuten, dass der prinzipielle Mechanismus zwar ähnlich ist, wie bei der Fuktosemalabsorption, aber es gibt definitiv Unterschiede. Dies wird dadurch deutlich, dass Menschen, die eine isolierte Sorbitintoleranz haben, fruktosereiche Lebensmittel durchaus gut vertragen. Gleichzeitig hat man beobachtet, dass  Patienten mit Fruktosemalabsorption, die viele sorbithaltige Lebensmittel verzehren, damit die Transporter der Fruktose blockieren. Deshalb meidet man bei einer Fruktosemalabsorption zu Beginn einer  diätetischen Maßnahme auch Sorbit. Bei einer isolierten Sorbitintoleranz ist die Aufnahme von Haushaltszucker und Fruchtzucker aber kein Problem.

Was man weiß: Sorbit wird im Verdauungstrakt durch die Darmwand ins Blut und von dort aus zur Leber transportiert, um dort verstoffwechselt zu werden. Bei der Sorbitintoleranz gelangt der Zuckeralkohol Sorbitol aus dem Dünndarm -  aus noch ungeklärten Gründen -  in tiefere Darmabschnitte, in die er nicht hingehört. Die Betroffenen bekommen in Folge dessen Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen, d.h. Symptome, die denen der Fruktosemalabsorption gleichen.    

Gesichert ist auch, dass der menschliche Körper Sorbit nur in sehr kleinen Mengen bis zu 5 g toleriert. Ein Vergleich: Bei Fruktose sind es ca. 25 g!

Ist die Sorbitintoleranz denn eine „neue“ Erscheinung?

Nein, es ist nichts Neues, dass Menschen bei der Aufnahme von zu viel Sorbit Beschwerden bekommen. Bei der Produktentwicklung für Diabetiker beobachtet man das schon seit langem. Bei Diabetikerprodukten wird der Zucker ja schon seit langem entweder durch Fruchtzucker oder durch Zuckeraustauschstoffe ersetzt, was stets das Problem der abführenden Wirkung mit sich brachte.  
Aber: In den letzten Jahren hat die Lebensmittelindustrie Sorbit zunehmend als hilfreiches und gut einzusetzendes Mittel zur Optimierung der Produkteigenschaften diverser Lebensmittel  entdeckt. Das bedeutet, immer mehr Produkte enthalten Sorbit und wenn man viele dieser Produkte verzehrt, ist die Sorbit-Toleranzgrenze von 5 g schnell überschritten.

Schaut man sich die Ernährungspyramide an, wird deutlich, dass täglich nur eine kleine Portion Süßes vorgesehen ist. Dadurch wird die Sorbit-Toleranzgrenze nicht überschritten.

Wenn ein Patient aber z.B. am Vormittag weiche Kaubonbons nascht, zum Mittagessen eine Portion Fertigfleischsalat isst und hinterher ein Müsli mit vielen Rosinen und Trockenfrüchten, dann überschreitet er die Sorbit-Toleranzgrenze relativ schnell.

Viele Menschen vertragen diese „Überdosierung an Sorbit“ einfach nicht. Es wäre deshalb sicher hilfreich, wenn mehr Menschen dazu übergehen würden, sich frische, unverarbeitete Lebensmittel einzukaufen und sie selbst zuzubereiten. Sorbithaltige Lebensmittel, die Teil einer Hauptmahlzeit sind werden in der Regel besser vertragen als dieselbe Menge isoliert als Zwischenmahlzeit oder auf nüchternen Magen.

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