Allergien Soja

Dr. med. Susanne Meinrenken berichtet: Allergien gegen Soja werden weltweit häufiger!

Allergien gegen Soja werden weltweit häufiger

Unter den Nahrungsmittelallergien gewinnt Soja als auslösendes Allergen weltweit an Bedeutung. Dies gilt in gewissem Maß auch für eine ganz besondere Form der Nahrungsmittelallergie: der Nahrungsmittelabhängigen anstrengungsinduzierten Anaphylaxie (food-dependent exercise induced anaphylaxis, FDEIA). Unter FDEIA verstehen Mediziner ein Krankheitsbild, bei dem sich allergische Symptome dann zeigen, wenn die Betroffenen recht kurz nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel sportlich aktiv werden. Beispiele hierfür sind etwa plötzlicher Husten und Atemnot während des Lauftrainings, das 30 Minuten nach einem Mittagessen stattfindet. Wer dann zusätzlich noch an einem Hautausschlag und/oder Benommenheit und Schwindel leidet, hat eine sogenannte Anaphylaxie. Dabei handelt es sich um eine schwere allergische Reaktion, die lebensgefährlich sein kann.

FDEIA: eine spezielle Form der Anaphylaxie

FDEIA als bestimmte Form einer Allergie ist noch nicht so lange als Krankheitsbild bekannt und ist recht selten. Da hier jedoch Lebensgefahr besteht, ist es entscheidend, schnell das auslösende Nahrungsmittel zu identifizieren, damit der Betroffene dies zukünftig meiden kann. Weltweit spielen als Auslöser meist Weizen und in östlichen Ländern eher Krustentiere eine Rolle. Aber auch Soja wird als möglicher Auslöser für diese Form der Anaphylaxie immer bedeutsamer.

 

FDEIA nach Soja: Oft sind auch andere Allergien bekannt

Japanische Wissenschaftler haben nun drei Kinder genauer untersucht, bei denen erstmals eine FDEIA nach Soja aufgetreten war, und ihre Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht. Die zwei Jungen und ein Mädchen waren zwischen 9 und 13 Jahre alt; sie hatten jeweils in der Schule ein sojahaltiges Mittagessen verzehrt und etwa 30 Minuten später am Lauftraining teilgenommen.

Der 9-Jährige litt unter dieser körperlichen Belastung an Husten, einem Juckreiz und Flush (großflächige Hautrötung); bei ihm waren zudem eine Erdnussallergie, Heuschnupfen und ein atopisches Ekzem bekannt. Auch der 10-Jährige hatte eine bereits diagnostizierte Allergie gegen Erdnuss und Walnuss. Bei ihm zeigten sich während des Sports Husten, eine verstopfte Nase und eine Nesselsucht (Urtikaria) am ganzen Körper. Zudem hatte er Kreislaufprobleme. Die 13-jährige Schülerin berichtete über mehrere Episoden mit Atemnot und Urtikaria im Sportunterricht nach dem Verzehr von Sojaprodukten. Diese Patientin litt bereits an Heuschnupfen mit Reaktionen auf mehrere Pollen bzw. Pflanzen.

Sojaallergie und Anaphylaxie: Weltweite Zunahme

Nahrungsmittelallergien werden weltweit immer häufiger diagnostiziert. Insbesondere über Soja als auslösendes Allergen wird zunehmend berichtet; Soja kommt in Form von Tofu, Sojasprossen, Sojamehl oder Sojamilch auf den Tisch. Dabei enthält Sojamilch deutlich mehr Sojaallergene, einschließlich Gly m 4, als beispielsweise Tofu. Auch andere Fälle einer FDEIA nach Sojaverzehr wurden bereits publiziert. Mit dieser Untersuchung beschreiben die Autoren zwei Typen einer FDEIA nach Sojaverzehr: Bei dem einen Typ liegt eine Sensibilisierung gegen bestimmte Soja-Allergene namens Gly m 5 und Gly m 6 vor, den sogenannten Speicherproteinen; der andere Typ tritt eher bei Betroffenen mit einer Allergie gegen Pollen auf und hat als Auslöser das PR-10-ähnliche Protein Gly m 4.

Grundsätzlich gilt: Sobald ein Kind allergische oder anaphylaktische Symptome beim Sport erleidet und kurz zuvor etwas gegessen hat, ist es entscheidend, den möglichen Auslöser so schnell wie möglich zu identifizieren, um zukünftige Ereignisse zu vermeiden. Hat das betroffene Kind eine sojahaltige Mahlzeit verzehrt und ist bei ihm eine Erdnussallergie bekannt, dann fällt der Verdacht schnell auf die Speicherproteine im Soja als Schuldige für die Anaphylaxie. Leidet das Kind jedoch nicht an einer Allergie gegen Erdnüsse, aber an einer pollenbedingten Rhinitis, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Gly m 4 handelt.

 

Unsere Expertin:

dr susanne meinrenken aerztinDr. med. Susanne Meinrenken, Bremen, ist seit mehr als 20 Jahren freiberuflich für verschiedene medizinische Verlage tätig. Während und nach dem Medizinstudium und der Promotion in Göttingen und Freiburg sammelte sie Erfahrungen als Praktikantin und Mitarbeiterin der Deutschen Ärztezeitung und der Süddeutschen Zeitung. Seit 1999 arbeitet sie freiberuflich für den Thieme Verlag, Springer Medizin Verlag, Hogrefe, die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und andere. Hier geht es um das Lektorat von medizinischen Büchern für Fachärzte oder interessierte Laien, die redaktionelle Arbeit für ein Journal sowie das Schreiben von Kurzfassungen von Originalarbeiten für Fachzeitschriften sowie eigener Texte für Laien aus dem Bereich der Medizin. Innere Medizin, Neurologie, Pädiatrie und Allergologie bilden dabei den inhaltlichen Schwerpunkt – aber auch fast alle anderen medizinischen Fachbereiche stehen als Themen immer wieder zur Bearbeitung an.

 

Quelle:

Hayashi M et al. Food-dependent exercise-induced anaphylaxis to soybean: Gly m 5 and Gly m 6 as causative allergen components. World Allergy Organization Journal 2020; 13: 100439

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7352078/

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