Reizdarmsyndrom Intoleranz

Dr. oec. troph. Astrid H. Gerstemeier, Praxis für bewegte Ernährung, Wiesbaden

Reizdarmsyndrom – wo liegt der Unterschied zu Allergien oder Unverträglichkeiten?

Gibt es Faktoren, die die Entstehung des Reizdarm Syndroms (RS) begünstigen?

Zu den begünstigenden Faktoren zählen, wie bereits erwähnt, psychische Faktoren, wie Stress, Hektik, Sorgen und Konflikte. Auch ein Infekt des Darms kann das Reizdarmsyndrom begünstigen. Werden Abführmittel zu häufig und unsachgemäß eingesetzt, kann auch dies ein Reizdarmsyndrom fördern. Und nicht zuletzt spielen auch Faktoren wie ungesunde, ballaststoffarme Ernährung und Bewegungsmangel eine Rolle.

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Einige Patienten mit der Diagnose Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit berichten von einer langen "Odyssee" bis es zur richtigen Diagnose kam. Oft berichten diese Patienten auch, dass sie die Diagnose "Reizdarmsyndrom" erhielten, bevor es zu letztendlichen Diagnose kam. Heißt das, dass sich aus dem Reizdarmsyndrom eine Allergie oder Unverträglichkeit entwickeln kann?  

Beides kann der Fall sein. Häufig haben Patienten tatsächlich eine lange "Odyssee" hinter sich bis eine stoffliche Ursache der Beschwerden gefunden ist, und häufig werden ihre Beschwerden als "psychisch" abgetan, obwohl die oben genannten Untersuchungen zuweilen nie gemacht wurden.

Um gezielt die Lebensumstände und die Ernährung auf die jeweiligen Bedürfnisse des gereizten Darm zu verändern, sollten definitiv die o.g. Unverträglichkeiten und entzündliche Erkrankungen ausgeschlossen, bzw. hinreichend durch ernährungstherapeutische Maßnahmen gemildert bzw. kuriert sein.

Ob ein Reizdarm die Folge einer unerkannten Kohlenhydratverwertungsstörung, also einer  Laktose-, Fruktose-  oder Sorbitmalabsorption, ist oder umgekehrt ist im Nachhinein nicht eindeutig festzustellen. In der Praxis beobachtbar sind jedoch immer wieder Patienten mit einer langjährigen Reizdarmproblematik, die nach einem Hinweis und entsprechender Untersuchung auf Kohlenhydratverwertungsstörung ein positives Ergebnis zeigen und die nach Durchführung einer entsprechenden therapeutischen Diät nahezu beschwerdefrei sind. Es gibt aber genauso Patienten, bei denen o.g. Ursachen ausgeschlossen werden konnten, die individuelle Ernährungsempfehlungen bestmöglich umsetzen, dadurch auch deutliche Besserung verspüren, aber noch eine Rest an Beschwerden bleibt. An dieser Stelle bedarf es dann einer Unterstützung dahingehend das eigene Verhalten im Alltag zu überdenken, um zu mehr Gelassenheit zu finden.

 

Wie unterscheidet sich die Therapie? Welche Tipps oder Empfehlungen aus der Praxis geben Sie Ihren Patienten?

Die Empfehlungen sind sehr individuell anzupassen. Auch je nachdem, ob es sich bei den Symptomen eher um eine Diarrhö  oder eine Obstipation handelt.

In jedem Fall ist es individuell besonders wichtig, auf eine ausreichende und bedarfsgerechte Versorgung mit qualitativ hochwertigen, ausgewählten pflanzlichen  Fetten und hochwertigen Eiweißen zu achten. Einerseits ist ausreichende Ruhe, sowohl hinsichtlich der Zeit für als auch im Hinblick auf die Atmosphäre beim Essen, vor allem beim Kauen, zu beachten. Genügend Bewegung aber auch Entspannung nehmen einen großen Einfluss auf das Darmbefinden. Häufig ist die Zufuhr an wasserunlöslichen Ballaststoffen zu groß, so dass die Betroffenen mit weniger groben Ballaststoffen, eher feingemahlenen als geschroteten Broten, besser klar kommen. Ein wesentlicher Aspekt ist der häufig zu geringe Anteil an wasserlöslichen Ballastsoffen aus Gemüse und Obst. Dabei hat die Art und Weise der Zubereitung ebenfalls entscheidenden Einfluss auf die individuelle Bekömmlichkeit. Für RDS-Patienten ist Gemüse und Obst häufig in gegarter Form sehr viel besser bekömmlich als  in roher Form.

Man hört immer wieder vom sogenannten "Leaky-Gut-Syndrom", d.h. vom "durchlässigen Darm". Gibt es einen Zusammenhang zu Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Das Leaky Gut Syndrom ist eher von Bedeutung beim Reizdarmsyndrom (RDS) als bei einer Nahrungsmittelallergie. Eine Nahrungsmittelallergie ist eine immunologische, mengenunabhängige Reaktion. Verschiedenste Erkrankungen können zu einer Störung der intestinalen Permeabilität führen, woraus sich das sog. Leaky-Gut-Syndrom entwickelt. Beim Leaky-Gut-Syndrom geht man davon aus, dass durch eine Störung der intestinalen Permeabilität, Entzündungen, inadäquate Nährstoffresorption und ähnliches gröbere Nahrungsbestandteile die Darmwand passieren. Bei anhaltenden Darmbeschwerden ist im ersten Schritt als Ursache aber nicht das Leaky-Gut-Syndrom verantwortlich. Vielmehr müssen andere Ursachen wie Zöliakie, Kohlenhydratmalassimilationen, Lactoseintoleranz  primär in Betracht gezogen werden.

Frau Dr. Gerstemeier, ganz herzlichen Dank für das Gespräch!


Quellen:

*S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM), http://www.dgvs.de/media/Leitlinie_Reizdarm_2011.pdf

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