Gastro Liga

Prof. Dr. med. J. F. Erckenbrecht, Medizinische Klinik Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf und stv. Vorsitzender und Geschäftsstellenleiter der Gastro-Liga über den veränderten Informationsbedarf der Patienten

Gastro-Liga: Wissenschaftlich fundierte Informationen für Patienten

Erkrankungen wie Reizdarm, Reizmagen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten rücken zunehmend in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Nehmen diese Erkrankungen zu?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil seriöse Informationen über die Prävalenz von Funktionserkrankungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten/
-allergien des Magen-Darm-Trakts in zeitlich unterschiedlichen Stichproben nicht zur Verfügung stehen. Vielleicht ist es so, dass Reizmagen, Reizdarm oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten zwar an Häufigkeit nicht zunehmen, aber die Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch Magen-Darm-Symptome stärker wahrgenommen und häufiger artikuliert werden als früher.

Welche Rolle spielt aus Sicht der Gastro-Liga die moderne Lebensführung bei der Entwicklung von gastrointestinalen Beschwerden?

Zweifelsohne spielt die „moderne Lebensführung“ bei der Ausbildung von gastrointestinalen Beschwerden eine besondere Rolle. Eine „moderne Lebensführung“ ist u.a. durch die geringe Zeit gekennzeichnet, die wir in unserem Tagesablauf für die Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme reservieren. „Fast food“ hat hier ihre Wurzeln. Diese Nahrung ist durch einen geringen Anteil von Ballaststoffen leicht bekömmlich und darüber hinaus durch kleine Nahrungsvolumina und hohe Kaloriendichte gekennzeichnet. Diese begünstigen ein unzureichendes Sättigungsgefühl und eine zu hohe Kalorienzufuhr. Übergewicht und ihre Folgeerkrankungen wie Diabetes sind die Folge.

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Die rasche Nahrungsaufnahme innerhalb von wenigen Minuten führt zu einer raschen Dehnung der Magen- und Dünndarmwand, die durchaus mit unangenehmen gastrointestinalen Symptomen assoziiert sind. Die in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu beobachtenden Veränderungen bei der Nahrungsauswahl, Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme sind daher durchaus zu bedenken, wenn es um die Einschätzung von unangenehmen Symptomen im Magen-Darm-Kanal geht.

Herr Prof. Erckenbrecht, herzlichen Dank für dieses Interview!

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