Reizdarm Ernährung Diät

Dr. Sabine Poschwatta-Rupp, Ernährungskonzepte in Gießen

Reizdarm-Diät: Gibt es die richtige Ernährung beim Reizdarm-Syndrom?

Was ist aus Ihrer Sicht bei der FODMAP-armen Kost beim Reizdarm-Syndrom zu beachten?

Bei der FODMAP-armen Kost werden die fermentierbaren Kohlenhydrate, d.h. natürliche  Präbiotika, weitgehend aus der Diät ausgeschlossen. Zu den präbiotischen Inhaltsstoffen gehören z.B. die Galactooligosaccharide, die Fruktane oder die Fructooligosaccharide. Sie dienen gerade den schleimhautschützenden Darmbakterien-Stämmen wie z.B. Akkermansia muciniphila und Faecalibacterium prausnitzii als Nahrung. Durch eine FODMAP-arme Diät hungert man u.a. diese Vertreter des Mikrobioms seines Darmes also regelrecht aus, weshalb diese Kostform unter Experten zum Teil recht kritisch gesehen wird.

Gerade Reizdarm-Patienten haben oft einen sogenannten „Siebdarm“, auch „Leaky Gut Syndrom“ genannt. Deshalb hilft man diesen Patienten mit Maßnahmen, die die Schleimhautintegrität fördern. Eine monatelange FODMAP-arme Kost ist daher eher kontraproduktiv. Zur Entlastung des Darmes bzw. um die Symptomatik zu reduzieren, ist eine FODMAP-arme Diät  vorübergehend möglich, das haben Studien gezeigt. Als Dauerkost würde ich die FODMAP-arme Kost jedoch nicht empfehlen. Die Patienten sollten nach einer Elimination bei einem Kostaufbau zu einer ausgewogenen Dauerkost begleitet werden.

Gibt es denn Langzeitstudien zur FODMAP-armen Kost?

Zur FODMAP-armen Diät gibt es einige  Studien, die teilweise lediglich wenige Wochen durchgeführt wurden. In manchen Studien hat man den Studienteilnehmern aus der Verum-Gruppe zusätzlich Flohsamen-Präparate gegeben, von denen man weiß, dass sie beim Reizdarm-Syndrom sehr hilfreich sein können. Insofern sollte man die Ergebnisse dieser Studien durchaus hinterfragen.

Zwar ist es richtig, dass z.B. Fruktose und Inulin – beides sollte bei einer FODMAP-armen Kost gemieden werden - oft zu Blähungen führen. Dabei spielt aber immer auch die Dosis eine Rolle, d.h. man muss zwar herausfinden, welche Mengen dieser Stoffe noch verträglich sind, aber man muss sie nicht völlig aus dem Speiseplan streichen. Ziel sollte sein, die Verträglichkeit der präbiotisch wirksamen Bestandteile schrittweise zu steigern, indem die betreffenden Lebensmittel zusammen mit eiweiß- bzw. fetthaltigen Lebensmitteln verzehrt werden, also im Rahmen einer Mahlzeit. So kann das intestinale Mikrobiom unterstützt werden.

Interessant ist  – und diese Beobachtung wurde auch in die Leitlinie aufgenommen - dass schon die Beratungssituation an sich den Patienten hilft. Allein die Tatsache, dass man sich gut betreut fühlt, führt oft schon zu einer Besserung der Symptome. Ob es sich dabei um einen  handelt, weiß man nicht. Die psychologische Komponente, das „sich aufgehoben fühlen“, wirkt eventuell auch entlastend und reduziert den Stress.

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Zurück zum Siebdarm bzw. zum „Leaky Gut Syndrom“ der Reizdarm-Patienten: Dient die Präbiotika-reiche Diät dem Zweck, die „Leaks“ zu schließen?

In gewisser Weise schon. Zunächst könnte die FODMAP-arme Diät oder die gezielte Elimination unverträglicher Lebensmittel einer Entlastung des Darmes dienen. In Extremfällen kann es auch sinnvoll und entlastend sein, kurzfristig den Anteil von groben Nahrungs-Ballaststoffen zu reduzieren. Gleichzeitig sollte die Stuhlfrequenz und –Konsistenz mit Hilfe von Flohsamenpräparaten normalisiert werden. Auch der Einsatz von Kombipräparaten aus Flohsamen, resistenter Stärke wie z.B. Maisdextrin, Baobab und Mikronährstoffen wie z.B. Calcium hat sich bewährt. Flohsamen quellen im Darm auf und wirken leicht präbiotisch und Calcium unterstützt darüber hinaus die Verdauung durch Aktivierung der Verdauungsenzyme. Deshalb sind sie sehr gut beim Reizdarm-Typ mit dem Leitsymptom „Verstopfung“ einsetzbar. Aufgrund der Quellung normalisieren Flohsamen jedoch auch die Transitzeit im Darm im Sinne einer Verzögerung. Deshalb wirken sie ebenso gut beim Reizdarm-Leitsymptom „Durchfall“ regulierend. Die S-3-Leitlinie empfiehlt Flohsamen für beide RDS-Typen. Je nach Leitsymptom kann man zusätzlich noch Probiotika-Stämme einsetzen.

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