Reizdarm Ernährung Diät

Dr. Sabine Poschwatta-Rupp, Ernährungskonzepte in Gießen

Reizdarm-Diät: Gibt es die richtige Ernährung beim Reizdarm-Syndrom?

Gibt es auch für Getränke spezielle Empfehlungen für Reizdarm-Patienten?

Für manche Reizdarm-Patienten sind zu heiße Getränke problematisch, meist sind es jedoch die zu kalten Getränke, die Probleme bereiten. Oft sind dies die Patienten, die zusätzlich zum Reizdarm-Syndrom an einer Gastritis leiden und oft erschweren Säureblocker die Situation. Sie verändern konsekutiv das Milieu im Dünndarm und fördern so eine mikrobielle Fehlbesiedlung, die wiederum zu intestinalen Beschwerden führen kann. Ist der Magen gereizt, sind auch oft schwarzer Kaffee oder Tee nicht gut verträglich, gleiches gilt für Alkohol. Wird Rotwein nicht gut vertragen, stellt sich die Frage, ob dies am Alkohol liegt oder am Histamingehalt, es könnte auch eine Histaminunverträglichkeit vorliegen. Doch auch hier ist zu berücksichtigen, dass diese meist sekundär auftritt und durchaus eine Folge einer Reizung der Darmschleimhaut sein kann. Zusammenfassend kann man sagen, dass auch für Getränke eine allgemeingültige Empfehlung nicht möglich ist, dies muss man individuell herausfinden, wie bei der Kostform insgesamt.

Sie erwähnten den Begriff „Leitsymptom“ im Zusammenhang mit dem Reizdarm-Syndrom…

Es gibt verschiedene Reizdarm-Typen mit verschiedenen Leitsymptomen. Bei manchen Patienten dominiert der  Schmerz, andere haben sowohl Schmerzen, als auch Verstopfung, manche ausschließlich Verstopfung oder Durchfälle, wieder andere leiden eher unter Meteorismen, d.h. Völlegefühl und Blähungen. Je nachdem, welches Leitsymptom vorherrscht, fällt auch die Therapie sehr unterschiedlich aus. Neigt der Patient z.B. zu Durchfällen, wird man insbesondere auf treibende Lebensmittel verzichten und eher eine leichte Kost zusammenstellen. Patienten mit Obstipation profitieren von einer ballaststoffreichen Kost und ausreichend Flüssigkeit. Geeignet sind Blattgemüse, Karotten, Fenchel, junger Kohlrabi, Zucchini, feinkrumige Brote, Flocken und sowie in kleinen Mengen Nüsse und Saaten, die gut gekaut werden sollten. Sowohl bei Diarrhoe als auch bei Obstipation haben sich Flohsamenschalen bewährt. Auch die Kombination aus Flohsamenschalen, Maisdextrin und Baobab ist eine sinnvolle, glutenfreie Ballaststoffmischung. Empfehlenswert ist es, insgesamt einen Tagesverzehr von mindestens 30 g Ballaststoffen zu erreichen. Dies entspricht auch der DGE-Empfehlung für Gesunde.    

Außerdem gibt es beim Reizdarm-Syndrom bestimmte Triggerfaktoren, die individuell sehr variieren können. Ein möglicher Triggerfaktor für Reizdarm-Symptome ist Stress, auch unter Gesunden relativ verbreitet. Manche neigen dann zu Verstopfung, andere zu Durchfällen.

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Wie gehen Sie vor bei der Entwicklung einer Reizdarm-Diät?

Oft genügt eine Modifikation der Normalkost zu einer leichten Vollkost. Dafür wird man auf besonders belastende Zubereitungsarten, wie Frittieren oder scharfes Anbraten  verzichten und schonenden Zubereitungsarten den Vorzug geben. Ferner ist, wie bereits erwähnt, das Führen eines Symptomtagebuches hilfreich. Schließlich wird der Patient dann sehen, was ihm gut tut und was nicht. Weiter wird man darauf achten, dass die jeweiligen Portionen nicht zu groß ausfallen und dass der Patient bei den Mahlzeiten gut kaut. Auch auf die Esstemperatur wird geachtet, eiskalte Getränke oder Eis als Nachtisch werden z.B. sehr häufig nicht vertragen. Oft hilft es den Reizdarm-Patienten schon, diese ganz allgemeinen Ratschläge zu beachten. Die in der Reizdarm-Leitlinie zum Teil empfohlene FODMAP-arme Kost ist hingegen aus meiner Sicht nicht immer sinnvoll. Sehr effektiv ist oft bereits eine Elimination oder deutliche Reduktion typischer Lebensmittel, die Beschwerden verursachen können wie Zwiebel, Knoblauch und manche Kohlarten sowie Hülsenfrüchte.

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