Heilerde Bauchbeschwerden Reizdarm

Dr. med. Annette Jänsch, Fachärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung "Naturheilverfahren", Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Berlin-Wannsee

Heilerde bei Bauchbeschwerden? Wann kann Heilerde helfen und wie?

Zurück zum Thema „Heilerde“, wann raten Sie Ihren Patienten mit Reizmagen, Reizdarm und Sodbrennen zu Heilerde?

Wenn mir ein Patient berichtet, dass er immer nach zu viel Alkoholgenuss an Sodbrennen leidet, würde ich natürlich als erstes empfehlen, weniger zu trinken. Heilerde hilft aber auch sehr wirksam bei einem „Katersodbrennen“.

Heilerde kann jeder einsetzen, sie ist frei verkäuflich. Man sollte jedoch beachten, dass Heilerde auch Medikamente bindet. Man sollte mindestens eine Stunde warten, bis man nach der Einnahme von Heilerde Medikamente einnimmt.

Bestehen die Magenbeschwerden schon seit längerem, sollten mit einer Magenspiegelung zunächst ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen werden.

In welcher Dosierung empfehlen Sie Heilerde und in welcher Form, als Pulver oder Kapseln?

Regulär empfehle ich für Heilerde dreimal täglich und zur Nacht jeweils einen Messlöffel. Viele Patienten leiden insbesondere nachts unter Sodbrennen, denn dann steigt die Magenflüssigkeit durch das Liegen in die Speiseröhre hoch. Eine abendliche Gabe von Heilerde neutralisiert dies sehr gut und ist aus meiner Sicht verträglicher, als die bei Sodbrennen zu oft eingesetzten H2-Blocker.

Grundsätzlich bevorzuge ich die Heilerde in Pulverform, weil dann die eingenommene Menge größer ist. Eine akute Säureblockade ist nur mit Heilerde in Pulverform erreichbar. Manche Patienten mögen diese Form der Darreichung nicht so gerne, weil man dann ja tatsächlich in Wasser aufgelöste Erde schlucken muss. Für diese Patienten sind die Heilerde-Kapseln durchaus sinnvoll, man  muss aber bedenken, dass sie deutlich weniger Material enthalten und so auch weniger wirksam sind, es sei denn, man erhöht die Anzahl der Kapseln entsprechend.

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Nimmt man die Heilerde vor, zu oder nach den Mahlzeiten ein?

Das hängt davon ab, wie die Beschwerden auftreten. Wenn die Beschwerden nach den Mahlzeiten auftreten, empfehle ich den Patienten die Einnahme der Heilerde im Anschluss an die Mahlzeit. Treten die Beschwerden eher vor dem Essen auf, sollte die Heilerde ebenfalls vorher eingenommen werden.

Welche Probleme sehen Sie bei der Anwendung von H2-Blockern gegen Sodbrennen.

Aus meiner Sicht  ist durch die Möglichkeit der Selbstmedikation mit H2-Blockern bei Sodbrennen ein regelrechter Missbrauch entstanden. H2-Blocker blocken die Magensäure sehr effektiv, aber diese Medikamente wurden für eine Kurzzeittherapie entwickelt. H2-Blocker sind bei Magengeschwüren, Zwölffingerdarmgeschwüren, schwerer Gastritis oder Entzündung der Speisröhre sehr effektiv. 

Werden diese Medikamente jedoch als Dauermedikation, d.h. länger als ein halbes Jahr, angewendet, verändert sich der pH-Wert im Darm und es kommt zur Störung der regulären Verdauungsfunktion und schließlich zum Reizdarm. Hinzu kommen eine Reihe von anderen Nebenwirkungen, darunter auch eine verminderte Kalziumresorption. Menschen, die H2-Blocker über Jahre hinweg einnehmen, entwickeln deshalb häufig eine Osteoporose. Aus diesen Gründen setze ich Heilerde alternativ zu H2-Blockern ein, bzw. empfehle es auch den Patienten, die schon lange H2-Blocker einnehmen.

Übrigens ist die Einnahme von H2-Blocken in vielen Fällen nicht einmal indiziert. Bei Patienten mit Reizmagen z.B. ist der Einsatz von H2-Blockern nicht einmal sinnvoll. Sinnvoller sind eine Ernährungsumstellung, Heilerde oder pflanzliche Arzneimittel.

Frau Dr. Jänsch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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