Phytopharmaka Reizdarm

Prof. Karen Nieber, ehem. Leiterin des Lehrstuhls Pharmakologie am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig

Pflanzliche Arzneimittel: Wie helfen Phytopharmaka bei Reizdarm und Durchfall?

Welche Arzneipflanzen empfehlen Sie bei Reizdarm und Durchfall?

Neben den bereits erwähnten Arzneipflanzen haben sich bei Reizdarm noch Kombinationen bewährt, die Pfefferminz- und Melissenblätter und Kümmel- sowie Mariendistelfrüchte enthalten. Bei Durchfall können auch getrocknete Heidelbeeren zur Linderung der Beschwerden beitragen. Wissenswertes zum Thema "Pflanzliche Hilfe beim Reizdarmsyndrom" finden Patienten in der gleichnamigen Broschüre, die von der Deutschen Reizdarmhilfe e.V. empfohlen wird.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie Menschen mit Reizdarm sonst noch?

Das Führen eines Symptom- und Ernährungstagebuchs kann helfen herauszufinden, welche Nahrungsmittel gut und welche schlecht sind. Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und häufige kleinere Mahlzeiten können helfen, dass der Darm besser funktioniert. Alkohol, scharfe Gewürze und Nikotin sollten vermieden werden. Wichtig ist auch Stress abzubauen und sich viel bewegen, z. B. Walking oder Jogging.

Spezielle mikrobiologische Untersuchungen des Stuhls können dazu beitragen Ursachen herauszufinden, die die Symptome des Reizdarms verschlimmern. Es können z. B. Enzyme oder Botenstoffe (z.B. Histamin) vermehrt nachgewiesen werden, die typisch für Entzündungen der Darmschleimhaut sind. Wenn eine unausgewogen zusammengesetzte Bakterienbesiedlung im Darm zu den Symptomen beiträgt, dann können Probiotika helfen, indem sie das natürliche Gleichgewicht der Darmflora wiederherstellen.

Advertorial

 

Wo liegen die Vorteile pflanzlicher Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden? Und wo die Grenzen?

Die Anwendung von pflanzlichen Kombinationen bei Verdauungsbeschwerden hat eine lange Tradition und hat in dieser Zeit ein hohes Sicherheitsprofil bewiesen, d. h. die Nebenwirkungen sind gering oder zu vernachlässigen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Darmschleimhaut durch pflanzliche Kombinationspräparate nicht angegriffen wird.

Ganz wesentlich ist, dass ein Pflanzenextrakt per se ein Vielstoffgemisch mit einer Vielzahl pharmaklogisch aktiver Stoffe ist. Diese lösen unterschiedliche, je nach Wirkort sogar gegensätzliche Wirkungen aus. Das ist bei Krankheitsbildern mit unterschiedlichen Ursachen, wie es beim Reizdarmsyndrom der Fall zu sein scheint, von großem therapeutischem Wert.

 

Pflanzliche Arzneimittel haben große Vorteile bei gastrointestinalen Befindlichkeitsstörungen und leichten Verdauungsbeschwerden. Hier sind sie gut für eine Langzeittherapie geeignet und können chemisch-synthetische Arzneimittel ersetzen oder ergänzen. Bei mittelschweren und schweren Verlaufsformen sollten allerdings Standardmedikamente vom Arzt verschrieben werden.

Frau Prof. Nieber, herzlichen Dank für dieses Interview!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.