Reizdarmsyndrom, Medikamente

Prof. Dr. Michael Karaus, Chefarzt der Inneren Medizin am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende

Reizdarmsyndrom – können Medikamente helfen?

Kann man sagen, wie erfolgreich diese Reizdarm-Behandlungen in der Regel sind? 

Der Erfolg ist schwer voraus zu sehen. Ca. 40 Prozent beträgt allein der Placeboeffekt, alles was darüber liegt bedeutet Wirksamkeit. Leider kann durch keine Untersuchung bisher heraus gefunden werden, welcher Patient auf welche Behandlung am besten anspricht.

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Nicht alle zur Behandlung des Reizdarms eingesetzten Medikamente sind auch dafür zugelassen, was bedeutet der "off-label"-Einsatz für Arzt und Patient?

"Off-label" bedeutet, dass diese Medikamente zwar zugelassen sind, meistens auch einen Wirksamkeitsnachweis für das Reizdarmsyndrom gezeigt haben, die Zulassungsindikation aber eine andere ist. Dieses gilt z.B. für das darmselektive Antibiotikum Rifaximin. Der Arzt muss dann den Patienten darüber aufklären, dass es eine "Off-label"-Anwendung ist und es gibt dann leider keine Garantie, dass die Krankenkassen diese Verordnung auch vergüten.

 

Manche Menschen befürchten bei der Einnahme von Medikamenten Nebenwirkungen. Zu welchen Nebenwirkungen kann es bei den erwähnten zur Behandlung Reizdarms eingesetzten Medikamenten kommen?  

Nebenwirkungen von Medikamenten sind ein großes Problem bei der Behandlung einer so gutartigen Erkrankung wie dem Reizdarmsyndrom. D.h. ernsthafte Nebenwirkungen, wie z.B. Herzprobleme dürfen diese Substanzen nicht haben. Die Probiotika, Phytopharmaka, die regulären Abführmittel, Loperamid sind alles sehr sichere und nebenwirkungsarme Medikamente, die auch zum Dauergebrauch geeignet sind. Das neue Linaclotid wird auch sehr gut vertragen und hat nach heutigem Kenntnisstand nur wenige Nebenwirkungen.

Psychopharmaka wie die Antidepressiva können hingegen zu Benommenheit und Schwindel führen und müssen daher sehr vorsichtig dosiert werden. Die Abwägung eines möglichen Nutzens von Präparaten gegen die möglichen, wenn auch nur subjektiv empfundenen Nebenwirkungen ist immer auch von dem Leidensdruck der Patienten abhängig. Die wichtigste Anforderung bei der medikamentösen Therapie von Reizdarmsyndrompatienten ist es ohnehin, den Patienten dabei gut zu begleiten und seine Erwartung an eine medikamentöse Therapie nicht zu hoch zu schrauben. Meist lindern die Medikamente nur die Beschwerden, eine Heilung ist dadurch nicht möglich. Von daher sollten Medikamente auch nur vorübergehend in hoch symptomatischen Phasen eingenommen werden.

Herr Prof. Karaus, herzlichen Dank für dieses Interview!

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