Reizdarmsyndrom, Medikamente

Prof. Dr. Michael Karaus, Chefarzt der Inneren Medizin am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende

Reizdarmsyndrom – können Medikamente helfen?

Die Therapie eines Reizdarmsyndroms erfordert sehr viel Erfahrung. Es gibt bislang kein Medikament, das allen Patienten gleichermaßen hilft, die Behandlung ist deshalb sehr individuell. Ein Weg der Therapie ist es, die für den jeweiligen Patienten richtige Ernährung zu ermitteln. Mittlerweile gibt es jedoch auch eine Reihe von Medikamenten, die, je nach Beschwerdebild, eingesetzt werden und helfen können. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Michael Karaus, Chefarzt der Inneren Medizin am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende  über die Möglichkeiten, das Reizdarmsyndrom medikamentös zu behandeln.

Herr Prof. Karaus, beim Reizdarmsyndrom gibt es verschiedene Subtypen, sind alle diese Formen gleichermaßen für eine medikamentöse Behandlung geeignet?

Ja, gerade die medikamentöse Therapie richtet sich beim Reizdarmsyndrom nach den Hauptsymptomen. Das heißt, es gibt unterschiedliche medikamentöse Therapien bei den verschiedenen Subtypen. Trotzdem gibt es auch übergeordnete Therapieprinzipien, z.B. mit Probiotika, die bei mehreren Symptomen wirken können, so zum Beispiel bei Schmerzen, Blähungen und Durchfällen. Auch Phytopharmaka, z.B. mit Bestandteilen aus bitterer Schleifenblume, Angelikawurzeln, Kamillenblüten, Kümmelfrüchten, Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Pfefferminzblättern, Schöllkraut, Süßholzwurzeln, etc., haben sich als breit wirksame Substanzen bewährt und können wie die Probiotika besonders bei Schmerz- und Blähungspatienten frühzeitig eingesetzt werden.

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Welche Medikamente sind für welchen Reizdarm-Subtyp einsetzbar?

Für jeden Subtyp gibt es mehrere medikamentöse Therapiestrategien, die immer erst nach der Basistherapie - eingehende Aufklärung über das Krankheitsbild, Beruhigung und Allgemeinmaßnahmen, wie z.B. Ernährungsänderungen - zum tragen kommen. Relativ einfach ist die Medikamentenauswahl bei dem Durchfallsubtyp, da hier mit Loperamid ein sehr wirksames Medikament schon seit Jahrzehnten zur Verfügung steht.

Bei dem Obstipationssubtyp kommen zunächst die üblichen Abführmittel zum Einsatz, sind diese jedoch nicht ausreichend wirksam bzw. führen zu einer Verschlechterung der Bauchbeschwerden, so können neue Medikamente wie das Linaclotid hier eine Alternative sein. Leider ist dieses Medikament vor kurzem wieder aus dem Vertrieb genommen worden, weshalb es derzeit nur über die internationale Apotheke bezogen werden kann.

Bei den Patienten bei denen die Schmerzen im Bauch im Vordergrund stehen, müssen oft die verschiedenen medikamentösen Ansätze ausprobiert werden. Neben den Phytopharmaka und Probiotika kommen hier zum einen Spasmolytika oder auch niedrig dosierte Antidepressiva, besonders die trizyklischen Antidepressiva, zum Einsatz.

 

Am schwierigsten ist die medikamentöse Behandlung des Blähungssubtyps. Auch hier sollten zunächst Probiotika und Phytopharmaka versucht werden. Manchmal hilft nur ein darmselektives Antibiotikum wie Rifaximin.

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