Reizdarm, Ursachen, Behandlung

Dr. med. Claus Benz, Internist, Gastroenterologe, Diabetologe DDG und Chefarzt der Inneren Medizin des Evangelischen Krankenhauses Köln-Weyertal.

Reizdarm: Ursachen, Symptome, Diagnose, und Therapie

Welche Symptome sind typisch für den Reizdarm?

Die typischen Symptome sind – wie bereits erwähnt – Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl; Stuhlgangunregelmäßigkeiten können hinzu kommen - sowohl Durchfälle als auch Verstopfung.

Die Symptome sind nicht spezifisch für das Reizdarmsyndrom und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, so z. B. u. a. auch bei Nahrungsmittelintoleranzen. Dies sollte im Einzelfall vorher ausgeschlossen werden, da es sich beim Reizdarmsyndrom definitionsgemäß um eine Ausschlussdiagnose handelt.

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Bleiben die Beschwerden beim Reizdarm immer gleich oder können sie sich im Laufe des Lebens ändern und kann sich ein Reizdarm auch wieder verlieren?

Die Beschwerdesymptomatik kann variieren und sich auch im Verlaufe des Lebens ändern. Insgesamt kann das Reizdarmsyndrom, bei dem es sich um eine chronische Erkrankung handelt, dadurch zu einer u. U. erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen. Die Erkrankung begleitet den Patienten in aller Regel lebenslänglich, die Symptome verlieren sich nur in Ausnahmefällen.

Bei Zöliakie kann es zu Entzündungen des Darms kommen. Wie ist das beim Reizdarm?

Bei der Zöliakie kommt es bei fortgeschrittener Erkrankung bereits zu Veränderungen, die bei der Magen- oder Darmspiegelung erkannt werden können, in frühen Stadien kann man die Erkrankung mikroskopisch nach einer Probenentnahme diagnostizieren.

Beim Reizdarmsyndrom ist das prinzipiell anders, die gerade beschriebenen Veränderungen mit Vermehrung bestimmter Entzündungszellen und einer Störung im Bereich des Darmnervensystems können in aller Regel nur elektronenmikroskopisch nachgewiesen werden und entziehen sich daher einer Routine-Diagnostik.

Wie erfolgt die  Diagnose beim Reizdarm-Syndrom?

Die Diagnose beim Reizdarmsyndrom erfolgt prinzipiell durch Ausschluss anderer, vor allem organischer Erkrankungen, so dass zur sicheren Diagnosestellung beim Reizdarmsyndrom immer eine vorherige Darmspiegelung obligat ist.

Desweiteren sollten auf jeden Fall häufige Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Intoleranzen, z. B. die recht häufig vorkommende Milchzuckerunverträglichkeit, ausgeschlossen werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es beim Reizdarm?

Die Behandlungsmöglichkeiten gliedern sich in die sogenannte Basistherapie und die spezielle Therapie. Die Basistherapie beginnt mit einer ausführlichen Information und einer positiven Diagnosestellung durch ein ausführliches Gespräch mit den Patienten; hier wird er über eine normale Lebenserwartung informiert und ihm mitgeteilt, dass kein erhöhtes Darmkrebs-Risiko durch diese Erkrankung besteht. Eine intensive und empathische Arzt-Patienten-Beziehung ist immer sinnvoll. Allgemeine Maßnahmen wie körperliche Aktivität, Vermeidung von Stress, ausreichend Schlaf sowie gesunde Ernährung sind die Grundpfeiler der Basistherapie.

Die spezielle Therapie ist medikamentös und richtet sich im wesentlichen nach den vorliegenden Symptomen, die unterschiedlich sein können, so kann bei manchen Patienten die  Schmerzsymptomatik im Vordergrund stehen, bei anderen wiederum die Blähungen und das Völlegefühl oder Stuhlgangsunregelmäßigkeiten wie Verstopfung oder Durchfall. Hier kann eine ganze Reihe von Medikamenten Einsatz finden, so z. B. Phyto-Therapeutika, Probiotika, bei im Vordergrund bestehenden Schmerzen auch Spasmolytika oder eine bestimmte Art von Antidepressiva sowie spezielle Gruppen von Abführmitteln bei vorwiegend vorliegender Verstopfung, Ballaststoffe und sog. Prokinetika (peristaltikanregende Medikamente). U. U. kann durch diese Behandlung die Symptomatik im Idealfall ganz verschwinden; zumindest kommt es in aller Regel zu einer Symptombesserung, die dann die Lebensqualität nicht allzu sehr einschränkt.

Was ist bei einem Reizdarm bei der Ernährung zu beachten?

Es gibt keine spezielle Reizdarm-Diät, prinzipiell gibt es daher auch keine verbotenen oder erlaubten Speisen. Es ist auf eine ausgewogene und gesunde Ernährungsweise zu achten, dies beinhaltet insbesondere eine kohlehydratarme, ballaststoffreiche Kost mit ausreichend Flüssigkeitszufuhr.

Ganz wichtig ist auch regelmäßige körperliche Bewegung.

Herr Dr. Benz, herzlichen Dank für dieses Interview!

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