DGIM Patiententag Reizdarm

Prof. Dr. Paul Enck, Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen.

DGIM-Patiententag: Großes Interesse am Thema Reizdarm

Welche Therapie hilft beim Reizdarm-Syndrom?

Zur Behandlung des Reizdarm-Syndroms gibt es kein festes Therapieschema. "Wichtig ist", so betont Dr. Schmidtmann, "dass der behandelnde Arzt zusammen mit dem Patienten ein plausibles individuelles Krankheitsmodell entwickelt und dann ein passendes und verständliches Behandlungskonzept vermitteln." Ziel ist es, eine Symptomfreiheit oder zumindest eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Je nach Beschwerdebild kann der Schwerpunkt der Behandlung auf der Ernährung, dem Stressabbau, einer medikamentösen Behandlung, einer psychotherapeutischen Behandlung etc. liegen.

Symptomorientiert stehen zur medikamentösen Behandlung eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, wovon viele wirksame Medikamente "off label" eingesetzt werden müssen, weil sie zwar für andere Erkrankungen, nicht aber zur Behandlung des Reizdarms zugelassen sind. Dazu gehören Spasmolytika bei Schmerz, trizyklische Antidepressiva, die allerdings verstopfend wirken, und selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer bei Schmerzen.

Bei Obstipation haben sich die neuen Wirkstoffe Prucaloprid und Linaclotid bewährt.

Reizdarm-Syndrom – gibt es "die richtige Ernährung"?

dr miriam goebel stengel "Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei 75 Prozent der Reizdarm-Patienten zu einer deutlichen Symptom-Reduktion kommt, wenn sie auf FODMAP-haltige Nahrungsmittel verzichten" erklärte Dr. Miriam Goebel-Stengel, Fachärztin in der Abteilung Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin. FODMAP steht für "Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole" und beschreibt eine Gruppe von Kohlenhydraten, d.h. von Zuckern und Alkoholen.

Das F, für "fermentierbare",  gilt für alle FODMAP-Bestandteile. Sie alle werden im Dünndarm aus den unterschiedlichsten Gründen schlecht resorbiert, was eine Zersetzung durch Darmbakterien und die Entstehung von Gasen begünstigt. Ebenso führt die schlechte Resorption dazu, dass die FODMAP osmotisch aktiv sind, indem sie Wasser ins Darminnere ziehen, was wiederum Durchfälle auslöst.

Bestandteile der FODMAP sind in den unterschiedlichsten Nahrungsmitteln, aber auch in Fertigprodukten, enthalten. So finden sich  z.B. in Hülsenfrüchten und dementsprechend ganz besonders in der indischen und der mexikanischen Küche. Auch Zwiebeln, Knoblauch und Artischocken sind FODMAP-Bestandteile. Die Nahrungsmittelindustrie nutzt Teile der FODMAP gerne als Fettersatz, Nahrungsergänzungsmittel oder zur Ballaststoffanreicherung.

Auch Laktose, Fruktose, Sorbitol und Manitol sind Bestandteile der FODMAP. Milchzucker ist in allen Milchprodukten, aber auch in sehr vielen Industrieprodukten enthalten, während Fruktose in fast allen Obstsorten, Honig und Trockenfrüchten enthalten ist. Sorbitol ist Bestandteil vieler Früchte, z.B. von Pfirsichen, Manitol findet man in Pilzen und beide Stoffe werden häufig in Süßigkeiten sowie in Diät- und Light-Produkten eingesetzt.

Wie hilft MAGDA beim Reizdarm-Syndrom?

Mit MAGDA ist das Patientenforum Magen-Darm-Erkrankungen der DGNM, der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e.V., gemeint. Zweck des Forums ist es, Patienten mit funktionellen und anderen Magen-Darm-Erkrankungen über diese Krankheitsbilder so umfassend wie möglich zu informieren. Darüber berichtete Frau Petra Ilgenstein, stellvertretende Vorsitzende von MAGDA und Interessensvertreterin der Patienten.

MAGDA informiert über traditionelle und neuere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, aber auch über den Stellenwert und die Wirksamkeit allgemeiner Maßnahmen, wie z.B. Ernährung und Sport, sowie über die Möglichkeiten spezieller Diagnose- und Behandlungsverfahren.

Im Fokus stehen bei MAGDA u.a. die Krankheitsbilder Reizdarmsyndrom ("irritables Kolon"), Funktionelle Dyspepsie (Reizmagen), Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie z.B. Laktoseintoleranz und Fruktosemalabsorption und Zöliakie (Glutensensitivität).

"MAGDA veranstaltet hierzu regelmäßig Informationsveranstaltungen, bei denen Ärzte und Wissenschaftler Vorträge halten und den Patienten für Fragen zur Verfügung stehen. Wir werden auch in diesem Jahr wieder an wechselnden Orten zur Veranstaltungen durchführen und sind auch ganz sicher bei nächsten Patiententag in Wiesbaden wieder dabei.", betont Prof. Enck, der ebenfalls dem MAGDA-Vorstand angehört.

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