Reizdarm-Syndrom Cannabis

Prof. Dr. med. Martin Storr zum Thema: Reizdarm-Syndrom (RDS) - Könnte Cannabis helfen?

Reizdarm-Syndrom (RDS): Könnte Cannabis helfen?

Geht es beim Reizdarm-Syndrom mehr um die Aktivierung oder die Reduzierung der Motilität?

Bei Reizdarmsyndrom geht es um beides. Es gibt Reizdarm-Patienten, die überwiegend unter Durchfällen leiden. Hier wäre eine Reduktion der Darmbewegung das Ziel. Andere RDS-Patienten leiden unter Obstipation, so dass eine Beschleunigung der Darmmotilität wünschenswert wäre.

Das Cannabinoid-System ist deshalb so attraktiv, weil es die Darmgeschwindigkeit in beide Richtungen regulieren kann. Außerdem würde es die Schmerzwahrnehmung, sowie die Entzündung und die Sekretionsvorgänge, das heißt den Wassergehalt des Stuhlganges, regulieren.

Aber: Es muss noch viel geforscht werden, bevor man in der Lage ist, diese Studienerkenntnisse auf den Menschen zu übertragen, ein Medikament zu entwickeln und Studien an Patienten durchzuführen.

Was ist der nächste Schritt in der Forschung generell und bei der Cannabis-Forschung im Besonderen?

Der nächste Schritt ist meist die Übertragung der Forschung am Mausmodell auf menschliches Gewebe. Beim Cannabinoid-System wurde dies zum Teil bereits gemacht. Man weiß schon, dass man den größten Teil dieser rein pharmakologischen Effekte auch am menschlichen Gewebe ausüben kann. Die nächste Stufe wären dann Studien am Menschen.  

Der nächste wesentliche Schritt wäre, an einer größeren Gruppe von ca. 50 Reizdarm-Patienten, zum Beispiel vom Durchfall-Typ, zu  untersuchen, ob eine Behandlung mit Cannabis-Extrakt oder einer Forschungssubstanz zu einer Besserung der Beschwerden führt. Diese Untersuchungen sind bislang noch nicht durchgeführt worden, aber sie sind weltweit in verschiedenen Labors in der Planung.

Es ist mir wichtig zu betonen, dass Reizdarm-Patienten aktuell noch nicht, mit Cannabis behandelt werden können.

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Erst die klinischen Studien zur Cannabis-Therapie für Reizdarm-Patienten werden dann also Klarheit bringen?

Diese klinischen Studien sind ausgesprochen wichtig, denn bislang weiß der Arzt noch nicht, welche Patienten die richtigen für eine Cannabis-Therapie sind – und dies gilt für alle Bereiche der Medizin.

Positiv ist zu vermerken: Seitdem die Möglichkeit besteht, Cannabis zu verordnen, beginnen viele Hersteller jedoch, ihre Extrakte genauer zu untersuchen. Vermutlich werden wir also in ca. fünf Jahren sehr gut wissen, welche Patienten von Cannabis profitieren könnten, und welche nicht – möglicherweise auch die Reizdarm-Patienten.

Dann wird man auch mehr über die Wirkungen wissen, es wird unterschiedliche Cannabis-Extrakte, möglicherweise aus unterschiedlichen Blüten, geben und die Suchtgefahr wird kontrolliert werden können. Schon jetzt gibt es ja bereits Hersteller, die es geschafft haben, aus ihren Cannabis-Produkten die suchtproblematischen Substanzen zu eliminieren. Das wäre natürlich die Voraussetzung für eine sinnvolle Therapie mit Cannabis.

Herr Prof. Storr, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1) Salaga M, Binienda A, Tichkule RB, Thakur GA, Makriyannis A, Storr M, Fichna J., The novel peripherally active cannabinoid type 1 and serotonin type 3 receptor agonist AM9405 inhibits gastrointestinal motility and reduces abdominal pain in mouse models mimicking irritable bowel syndrome, Eur J Pharmacol. 2018 Oct 5;836:34-43. doi: 10.1016/j.ejphar.2018.08.016, Epub 2018 Aug 17, (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30121173)

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