Mikrobiologische Therapie Reizdarm Diagnose Therapie

Dr. med. Annette Jänsch zum Thema: Mikrobiologische Therapie bei Reizdarm & Co: Diagnose und Therapie

Mikrobiologische Therapie bei Reizdarm & Co: Diagnose und Therapie

Wie sieht eine Ernährung aus, die sich positiv auf das Mikrobiom auswirkt?

Findet man eine hohe Anzahl Keime vor, die unerwünscht sind, wie die proteolytische Flora, die Eiweiße verstoffwechselt, lautet die Empfehlung, das tierische Eiweiß, insbesondere Fleisch- und Wurstwaren im Speiseplan zu reduzieren. Stattdessen sollte der Anteil der pflanzlichen Nahrungsmittel durch Vollkornprodukte und Gemüse erhöht werden, um den Anteil der Ballaststoffe zu erhöhen.

Nicht alle Patienten vertragen eine plötzliche Umstellung auf eine ballaststoffreiche Kost. Deshalb muss man mit den Patienten einen individuellen Speiseplan entwickeln und Ballaststoffe eventuell auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln verabreichen. Dazu eignet sich z.B. Inulin, ein geschmacksneutrales Pulver, aber auch resistente Stärke.

Advertorial

 

Welche Keime wirken bei allergischen oder entzündlichen Erkrankungen immunmodulierend?

E.-Coli und Enterokokken sind immunmodulierende Keime, mit denen ich gerne arbeite, insbesondere wenn die Diagnostik ein Defizit ergeben hat. Grundsätzlich sind beide Keime aber auch eine gute ergänzende Behandlung bei Colitis Ulcerosa, weil sie die Entzündungsaktivität reduzieren.

Wie lange dauert es, bis eine mikrobiologischen Behandlung wirkt?

Oft berichten, z.B. Reizdarm-Patienten, dass sie nach einer Therapie von vier bis sechs Wochen endlich wieder schlafen können und auch viel leistungsfähiger sind.

Aber: Wie lange es dauert, bis eine mikrobiologische Therapie greift, ist grundsätzlich abhängig von der besehenden Erkrankung und den vorliegenden Störungen. Ein Beispiel: Wenn eine Infektanfälligkeit besteht und die Diagnostik Veränderungen bei der Protektivflora und der immunmodulierenden Flora zeigt, wird der Patient drei bis vier Monate behandelt, bevor das weitere Vorgehen entschieden wird. Meist erleben die Patienten in diesem Zeitraum eine deutliche Verbesserung. Oft empfehle ich dann eine Fortführung der Therapie mit Laktobazillen und Bidfidobakterien als Nahrungsergänzung für ein Jahr in Kombination mit Nahrungsmitteln, die diese Keime enthalten. Das kann z.B. bei Frauen, die widerholt unter Vaginalinfektionen leiden und die von einer sauren Schleimhaut profitieren würden, sehr hilfreich sein. Hier gibt es auch lokal wirkende Präparate, die Laktobazillen enthalten und vom Gynäkologen verordnet werden.

 

Welche Nahrungsmittel enthalten Laktobakterien?

Säuerlich schmeckende Nahrungsmittel, wie eingelegtes Gemüse, das traditionell hergestellte Sauerkraut und Joghurt enthalten Laktobakterien und Bifidobakterien. Auch die Marinade von eingelegtem Gemüse und vegetarischen Antipasti, wie z.B. Oliven etc. enthält Laktobakterien und Bifidobakterien. Ich empfehle meinen Patienten deshalb, die Marinade ruhig mitzuessen.

Die Mittelmeer-Diät enthält diese Nahrungsmittel und ist auch deshalb sehr empfehlenswert, weil sie weniger Fleisch und Wurst enthält, als unsere Küche. Hinzu kommen wertvolle Pflanzenöle.

Das heißt, man sollte die Ernährung grundsätzlich und dauerhaft „bakterienfreundlich“  gestalten?

Zunächst ist es das Ziel der mikrobiologischen Therapie, die Darmflora wieder grundsätzlich ins Gleichgewicht zu bringen. Es reicht aber nicht aus, nur während der Therapiephase für eine Ernährung zu sorgen, die die Darmmikrobiota unterstützt. Deshalb empfehle ich den Patienten, ihre Ernährung langfristig zu ändern. Die Patienten sind dazu auch gerne bereit und sehr motiviert, die Ernährungsempfehlungen zu befolgen. Meist haben Sie einen langen Leidensweg hinter sich und sind froh, endlich beschwerdefrei zu sein.

Natürlich kann es hin und wieder zu Diätfehlern kommen, wenn die Patienten einfach Appetit auf ein Lebensmittel haben, das der Darmflora nicht gut tut. Wenn sie daraufhin Beschwerden bekommen, motiviert sie dies aber oft umso mehr, die Ernährungsempfehlungen grundsätzlich zu beherzigen.   

Wie findet man einen Arzt, der sich mit der mikrobiologischen Therapie auskennt?

Der Arbeitskreis für mikrobiologische Therapie e.V. (AMT) stellt im Internet Therapeutenlisten zur Verfügung.

Frau Dr. Jänsch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.