Mikrobiologische Therapie

Dr. med. Annette Jänsch zum Thema: Mikrobiologische Therapie: Was ist das?

Mikrobiologische Therapie: Was ist das?

Die mikrobiologische Therapie gibt es zwar schon sehr lange, aber sie ist nicht allgemein bekannt. Im Fokus stehen die lebenden Keime, die zum Beispiel im Darm des Menschen, aber auch an anderen Schleimhäuten und auf der Haut zu finden sind, das Mikrobiom. Was steckt hinter der mikrobiologischen Therapie, was ist das genau? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Annette Jänsch, Fachärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung "Naturheilverfahren", Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin am Standort Berlin-Wannsee über die mikrobiologische Therapie.

Frau Dr. Jänsch, was genau bedeutet „mikrobiologische Therapie“

 „Mikrobiologische Therapie“ bedeutet, dass man zum einen mit lebenden Bakterien arbeitet, um Patienten zu therapieren oder präventiv zu behandeln. Diese lebenden Bakterien trägt der Mensch ohnehin in sich, z.B. Laktobazillen, Bifidobakterien, Enterokokken, E. Coli nissle etc..

Bei der mikrobiologischen Therapie behandelt man den Patienten aber auch mit Präbiotika, d.h. mit Ballaststoffen. Diese Ballaststoffe werden von den „positiv“ wirkenden Bakterien gerne verstoffwechselt.

Es gibt zahlreiche Ballaststoffe, die natürlicherweise in bestimmten Nahrungsmitteln enthalten sind, z.B. in Chicorée oder Schwarzwurzeln. Zu diesen Stoffen gehört z.B. auch Inulin, eine Oligofruktose, die den Pflanzen als Energiespeicher dient. Man findet sie deshalb bevorzugt in Pflanzenknollen.

 

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Wie lange wird die „mikrobiologische Therapie“ schon praktiziert?

Die mikrobiologische Therapie, d.h. die Anwendung lebender Keime zu therapeutischen Zwecken, gibt es schon sehr lange. Im Jahr 2017 hat man sogar „100 Jahre therapeutische Anwendung des Keims E. Coli nissle“ gefeiert. Die Entdeckung des E. Coli nissle, eigentlich Escherichia coli nissle, war praktisch die „Geburtsstunde“ der mikrobiologischen Therapie.

Entdeckt hat den E. Coli nissle ein aufmerksamer Arzt anlässlich einer Durchfallepidemie unter Soldaten. Da einige Soldaten davon verschont blieben, hat er deren Stühle untersucht und den E. Coli nissle isoliert, der offensichtlich eine Schutzfunktion innehatte. Alle heutigen E. Coli nissle Keime stammen von diesem Originalkeim ab, da dieser immer wieder vermehrt wurde.

Eingesetzt werden kann der Keim E. Coli nissle z.B. bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa. Es gibt Patienten, die die übliche Therapie mit dem Wirkstoff Mesalazin aufgrund der Nebenwirkungen nicht vertragen und diese Patienten profitieren von E. Coli nissle. In diesem Fall übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Therapiekosten, was ansonsten leider nicht der Fall ist.

 

Welche Keime, außer Escherichia coli nissle, werden bei der mikrobiologischen Therapie eingesetzt?

In der mikrobiologischen Therapie werden Keime eingesetzt, die man sehr gut kennt und die traditionell auch zur Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt werden, z.B. Laktobazillen und Bifidobakterien. Auch andere E. Coli-Keime und Enterokokken kommen bei der mikrobiologischen Therapie zum Einsatz.

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