Reizdarm Syndrom RDS IgE-negative Nahrungsmittelallergie

Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan zum Thema Reizdarm Syndrom (RDS) oder IgE-negative Nahrungsmittelallergie?

Reizdarm Syndrom (RDS) oder IgE-negative Nahrungsmittelallergie?

Vielen kommt das bekannt vor: Man hat Bauchbeschwerden, aber Allergietests, Tests auf Intoleranzen und Zöliakiediagnose sind negativ, sprich: Das ist es nicht! Entspricht das Krankheitsbild den Rom-III-Kriterien, lautet die Diagnose „Reizdarm Syndrom (RDS) und das ist für die Patienten oft schwierig, denn eine Pauschaltherapie gibt es bei diesem Krankheitsbild nicht. Licht am Ende des Tunnels versprechen jedoch neue Forschungserkenntnisse, denn es verdichten sich die Hinweise, dass ein Teil der RDS-Patienten doch unter einer Nahrungsmittelallergie leiden könnte, trotz negativer Testergebnisse im Allergietest. MeinAllergiePortal sprach mit Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan, Professor of Medicine an der Harvard Medical School in Boston, USA, Leiter des Instituts für Translationale Immunologie und der Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen am Universitätsklinikum Mainz, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Zöliakiegesellschaft und Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) über das Reizdarm Syndrom (RDS) und die Möglichkeit, dass eine IgE-negative Nahrungsmittelallergie die Ursache ist.

Herr Prof. Schuppan, was versteht man unter einer IgE-negativen Nahrungsmittelallergie?

Die IgE-negative oder verzögerte Nahrungsmittelallergie tritt erst Stunden nach dem Verzehr auf bzw. führt erst dann zu Beschwerden. Mit klassischen diagnostischen Tests wird die IgE-negative Nahrungsmittelallergie nicht erfasst. Sie erzeugt weder eine Hauttest -Positivität noch eine IgE-Positivität. Die IgE-negativen Nahrungsmittelallergien sind noch nicht lange bekannt, treten jedoch viel häufiger auf, als die klassischen Nahrungsmittelallergien vom Typ I.

Advertorial

Wie ist die IgE-negative Nahrungsmittelallergie charakterisiert?

Wie gesagt, tritt bei den IgE-negativen, verzögerten Nahrungsmittelallergien die klinische Reaktion oft erst Stunden nach der Aufnahme unverträglicher Nahrungsmittel auf. Sie ist aber als sichtbare Reaktion direkt an der Darmschleimhaut mit Hilfe einer konfokalen Endomikroskopie nach Provokation innerhalb von drei Minuten quantifizierbar.

Wir konnten dies in einer von Frau Prof. Fritscher-Ravens initiierten Studie an Reizdarmpatienten, die sich unter einer hypoallergenen Diät besserten in einer klinischen experimentellen Studie zunächst an 36 Patienten1) zeigen und zuletzt an mehr als 100 Patienten bestätigen2). Diese Patienten litten unter nahrungsmittelbedingten primär Bauchbeschwerden und wurden als Reizdarmpatienten klassifiziert. Eine Zöliakie, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, eine bakterielle Fehlbesiedlung, eine ausgeprägte Laktose- oder Fruktoseintoleranz oder eine klassische Allergie war bei diesen Patienten nicht nachweisbar.

Diese Daten haben auch in ein jüngstes Experten-Statement im Rahmen einer Konsensuskonferenz Aufsehen erregt.3)

Wie sind Sie bei Ihren Untersuchungen an den Reizdarm-Patienten vorgegangen?

Für die Untersuchungen wurden RDS-Patienten zunächst auf eine drei bis fünftägige hypoallergene Diät gesetzt, z.B. die klassische „Kartoffel-(mit oder ohne Reis) Olivenöl-Salz“-Diät, Wenn sich hierunter die Beschwerden deutlich verbessern, kann man von nahrungsmittelbedingten Beschwerden ausgehen. Schon in der ersten Studie reagierten 70 Prozent der „Reizdarm-Patienten“ positiv auf diese Diät, d.h. die Beschwerden gingen signifikant zurück.

Die Patienten wurden dann mit den vier häufigsten Nahrungsmittelallergenen: Weizen, Milch, Soja und Hefe, die nicht alle potenziellen Allergene abdecken, endoskopisch provoziert. Das Ergebnis: Wiederum 70 Prozent der RDS-Patienten, die unter der reizarmen Diät ihre Beschwerden verloren, zeigten eine positive Reaktion auf eines der vier genannten Allergene, davon ca. 50 Prozent auf Weizen, gefolgt von Milch, Soja und Hefe. Unter Ausschluss dieser Allergene, auch in Beimengungen, wurden die Patienten praktisch beschwerdefrei. Ihre Symptome verbesserten sich dauerhaft nach eigenen Angaben von einem Befindlichkeitsscore von 8 bis 9 auf 2 bis 3; dies ergab die einjährige Nachbeobachtungszeit.

Aber: Nur durch die konfokalen Endomikroskopie sind diese Patienten aktuell objektiv diagnostizierbar, allerdings ist diese Art der Diagnose im klinischen Alltag zurzeit nicht verfügbar.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.