Dünndarm-Fehlbesiedlung

Prof. Dr. med. Thomas Frieling, HELIOS Klinikum Krefeld zur Dünndarm-Fehlbesiedlung!

Dünndarm-Fehlbesiedlung beim Reizdarm: Was bedeutet das?

Welche Untersuchungen sollten bei Bauchbeschwerden erfolgen, um gefährliche Erkrankungen auszuschließen?

Wichtig zum Ausschluss gefährlicher Erkrankungen bei Bauchbeschwerden ist eine Koloskopie, d.h. eine Dickdarmspiegelung. Bei Frauen sollte eine gynäkologische Untersuchung erfolgen, denn ein Ovariarkarzinom, d.h. ein Eierstockkrebs, im Frühstadium kann ebenfalls Reizdarm-ähnliche Beschwerden hervorrufen. All diese Erkrankungen müssen zu Beginn ausgeschlossen werden, wenn reizdarmähnlicher Bauchbeschwerden auftreten, die Diagnose des Reizdarmsyndroms ist eine Ausschlussdiagnose.

Wie erfolgt die Diagnose „bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung“?

Die Diagnose „bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung“ erfolgt aufgrund der Klinik und über einen Wasserstoffatemtest. Zum Hintergrund: Wenn die Bakterien im Dünndarm die Kohlenhydrate zersetzen, entsteht Wasserstoff, der über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen wird. Mit dem Blut wird der Wasserstoff in die Lunge transportiert und abgeatmet. Eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung kann man deshalb über einen Wasserstoffatemtest nachweisen, den H2-Exhalationstest, mit dem man auch eine Laktoseintoleranz oder eine Fruktosemalabsorption nachweisen kann. Wenn im Atemtest die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft im Basalzustand, d.h. im nüchternen Zustand, schon erhöht ist, oder wenn der Patient auf Glukose mit einem sehr frühen Anstieg reagiert, ist dies ein sehr verdächtiger Hinweis, dass eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung vorliegt.

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Und wie behandelt man die bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung?

Eine bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung kann man mit Antibiotika behandeln. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass eine Antibiotikabehandlung bei Patienten mit Fehlbesiedlung die Beschwerden verbessert. Die Experten sind sich hierbei aber noch nicht einig, ob dieser Effekt darauf zurückzuführen ist, dass die Antibiotika tatsächlich die Bakterien im Dünndarm behandeln, oder ob man nicht vielmehr die Bakterienflora im Dickdarm verändert.
Das Problem ist jedoch, oft geht es den Patienten bis zu sechs Wochen nach der Behandlung gut, aber dann stellt sich die bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung wieder ein und man müsste erneut mit Antibiotika behandeln. Das bedeutet, eine Lösung für das Problem ist eine Antibiotikabehandlung nicht, weil sie nicht die eigentliche Ursache der bakteriellen Dünndarmfehlbesiedlung beseitigt, sondern nur die Folge – ein ungelöstes Problem.

Mögliche Optionen wären, eine andere Antibiotikakombination auszuprobieren oder die Ernährung umzustellen, z.B. auf mehrere kleine an Stelle von drei großen Mahlzeiten am Tag. Man kann versuchen Prokinetika zu geben, Medikamente die die Dünndarmbewegung fördern, um die Housekeeper-Funktion zu verbessern -hier gibt es keine Standardtherapie.

Herr Prof. Frieling, herzlichen Dank für dieses Gespräch! 

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