Reizdarm RDS Therapie

Prof. Dr. med. Heiner Krammer zu neuen RDS-Therapien!

Reizdarmsyndrom (RDS): Gibt es neue Therapiemöglichkeiten?

Therapie bei Reizdarmsyndrom: Können Medikamente helfen?

Der wichtigste Faktor bei der Therapie des Reizdarmsyndroms ist, dass der Arzt sich Zeit für den Patienten nimmt, die Beschwerden ernst nimmt und dass ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis besteht. „Therapieziel muss die Linderung der Beschwerden sein“ betonte Prof. Krammer.
Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die beim RDS helfen können. Dazu gehört z.B. der Einsatz von Flohsamenschalen, die bei Durchfällen das Bindungsvermögen von Flüssigkeit im Darm erhöhen und die Stuhlkonsistenz optimieren. Und: Gleichermaßen wirkungsvoll kann man Flohsamenschalen bei Obstipation oder wechselnden Stühlen einsetzen. „Flohsamen formen den Stuhl in beide Richtungen“ so Prof. Krammer.
Auch Abführmittel können den Reizdarm-Patienten helfen. Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit müssen die Patienten nicht befürchten, so dass sie die für sie geeignete Dosierung unbesorgt einnehmen können. „Es ist ein Mythos, dass Abführmittel schädlich seinen“ betonte Prof. Krammer “es gibt jedoch keinen Missbrauch von Abführmitteln“.

Ein schmerzhafter Reizdarm kann mit Bauchschmerz-Medikamenten behandelt werden, die z.B. den Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid enthalten. Hierfür stehen auch pflanzliche Präparate auf Basis von Pfefferminzöl oder Kümmelöl zur Verfügung.

Reizdarmsyndrom: Lässt sich das Mikrobiom durch Probiotika beeinflussen?

Nach neuesten Erkenntnissen scheint es nicht nur ein Mikrobiom des Darms zu geben. Vielmehr unterscheidet man heutzutage zwischen dem Mikrobiom der Darmschleimhaut und dem Mikrobiom des Darmlumens, also dem Mikrobiom, das sich im Stuhl nachweisen lässt. Beide unterscheiden sich in ihrer Vielfalt und Zusammensetzung voneinander. Bei Reizdarmpatienten weisen jedoch beide Mikrobiome Veränderungen auf, was wiederum mit einzelnen Symptomen des RDS in Verbindung gebracht wird. Hier können Probiotika ansetzen und es könnte durchaus sinnvoll sein, die Behandlung direkt im Anschluss an eine Endoskopie, durch eine direkte Probiotikagabe in den gespülten Darm zu starten.

Zur Behandlung des RDS sind u.a. die folgenden probiotischen Bakterienstämmeeinsetzbar, die sich teilweise in ihrer untersuchten Wirkung auf unterschiedliche RDS-Symptome unterscheiden, in der ärztlichen Leitlinie empfohlen:

 

Evidenzgrade unterschiedlicher Probiotika-Stämme in Abhängigkeit des prädominanten RDS-Symptoms
Probiotika Stamm RDS Schmerz/Bläh-Typ RDS Schmerztyp RDS Obstipationtyp
Bifidobacterium infantis 35624 B      
Bifidobacterium animalis ssp. lactis DN-173010 B   C  
Lactobacillus casei Shirota B   B  
Lactobacillus plantarum C      
Lactobacillus rhamnosus GG   B1    
E. coli Nissle 1917     C  
Kombinationspräparate   C    
1 Nur an Kindern gezeigt        
Quelle: S3 Leitlinie Reizdarmsyndrom, https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf  
     

 

In einer aktuellen Metaanalyse zeigte sich, dass der Stamm L. plantarum 299v bei der Behandlung der Gesamtsymptomatik  effektiv ist, doch so individuell wie der Reizdarm und damit die Symptome eines jeden Patienten sind, so individuell ist natürlich auch die Therapie. Die Patienten sollten ausprobieren, welches Probiotikum langfristig  gegen ihre Symptome (u.a. Diarrhö, Obstipation, Schmerzen, Blähungen) hilft. Dabei ist zu beachten, dass Probiotika bis zu drei Monate eingenommen werden sollten, um die Darmflora dauerhaft zu regulieren.

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Reizdarmsyndrom: Kann die richtige Ernährung Symptome lindern?

„Nach meinen Beobachtungen ist die Ernährung die beste Möglichkeit, die Symptome von Reizdarm-Patienten zu beeinflussen“ betonte Prof. Krammer. Die Voraussetzung ist jedoch, dass die Ernährungsempfehlungen auch konsequent umgesetzt werden. Letztendlich muss der Patient sein Essverhalten ändern, was mit einem gewissen Aufwand verbunden ist und vielen auch sehr schwer fällt. Zwar haben Diätfehler keine schweren gesundheitlichen Konsequenzen, aber sie verursachen Symptome. So muss der Patient, am besten zusammen mit einem Ernährungstherapeuten, einen individuell verträglichen Speiseplan herausfinden. Zurzeit sehen manche in der FODMAP-armen Diät eine Möglichkeit für Reizdarm-Patienten, alle potenziell unverträglichen Nahrungsmittel zu eliminieren. Um die FODMAP-arme Diät richtig durzuführen, bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit den erlaubten und nicht erlaubten Nahrungsmitteln und das Ernährungsspektrum ist deutlich eingeschränkt.

Reizdarmsyndrom: Den Darm mit der Hypnotherapie beruhigen?

Eine weitere Möglichkeit, auf die Symptome beim RDS positiv einzuwirken, könnte eine Art „Darmhypnose“ sein. Es ist bekannt, dass der Darm mehr Nervenzellen enthält, als das Rückenmark – häufig spricht man vom „Darmhirn“ oder „Bauchhirn“. Auf die gleiche Weise wie man das Gehirn durch Hypnose beruhigen kann, ist es für manche RDS-Patienten auch möglich, den Darm mit Hilfe einer Darmhypnose unter Anleitung eines Audiobooks zu entspannen,

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