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Reizdarm RDS Therapie

Prof. Dr. med. Heiner Krammer zu neuen RDS-Therapien!

Reizdarmsyndrom (RDS): Gibt es neue Therapiemöglichkeiten?

Viele RDS-Patienten sind frustriert, denn die richtige Diagnose lässt oft lange auf sich warten und selbst wenn diese gestellt ist, gibt es nicht die eine Therapie, die allen Patienten gleichermaßen hilft. Um die richtige Therapie für einen Reizdarm-Patienten zu finden, muss ein Arzt oft viel Zeit investieren. Zeit, die nicht immer vorhanden ist. In seinem Vortrag beim DGIM-Patiententag 2017 in Wiesbaden stellte Prof. Dr. med. Heiner Krammer, Praxis für Gastroenterologie und Ernährungsmedizin am End- und Dickdarm Zentrum Mannheim (edz), Therapiemöglichkeiten beim Reizdarmsyndrom vor und ging auch auf neue Ansätze ein.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Diffuse Bauchbeschwerden - nicht immer ist es ein Reizdarm

Etwa jeder 5. bis 6. Mensch in Deutschland leidet unter abdominellen Beschwerden wie Obstipation, Diarrhoe, Blähbauch und Flatulenz und überwiegend sind Frauen betroffen. Nicht in jedem Fall handelt es sich um ein Reizdarmsyndrom, aber einige dieser Patienten könnten unter einem Reizdarmsyndrom leiden, insbesondere, wenn die Bauchbeschwerden diffus, d.h. nicht lokalisierbar sind. Ein weiteres typisches Zeichen für ein RDS ist es, wenn Stuhlunregelmäßigkeiten hinzukommen, d.h. wenn es z.B. abwechselnd zu Verstopfungen oder Durchfällen kommt. Typisch ist bei Reizdarmsyndrom auch „die Luft im Bauch“, eines der Symptome, die von den Patienten oft am quälendsten empfunden werden. „In manchen Fällen sind Blähbauch und Flatulenz so stark ausgeprägt, dass die Lebensqualität extrem leidet“ betonte Prof. Krammer.

Diagnose des Reizdarmsyndroms: Was wird untersucht?

Um abzuklären, ob eine andere Erkrankung die Bauchbeschwerden verursacht, können endoskopische Untersuchungen des gesamten Bauchraumes nötig sein, dazu gehören Magen, Zwölffingerdarm, der gesamte Dünndarm und Dickdarm. Dabei ist darauf zu achten, dass auch dann, wenn keine sichtbaren Veränderungen vorliegen, Gewebeproben genommen werden. So ließe sich ein Krankheitsbild ermitteln, das man nicht sieht, die mikroskopische Kolitis, das „Syndrom der wässrigen Durchfälle“.

Findet sich bei der Endoskopie das Bakterium ein Helicobacter pylori, kann dies einfach behandelt werden. „Studien zeigen allerdings, dass von 10 Patienten, bei denen Helicobacter pylori gefunden wurde, nur einer von der Behandlung profitiert“, so Prof. Krammer, „das bedeutet, 9 von 10 Patienten haben weiterhin Beschwerden.“  

Zur Abklärung von Bauchbeschwerden gehören auch Atemtests auf Laktose, Fruktose und Sorbit, um mögliche Unverträglichkeiten zu ermitteln. Bei Patienten mit wässrigen Durchfällen ist die Bestimmung des Calprotectin A, eines Entzündungsproteins, eine empfehlenswerte Maßnahme. Ist der Calprotectin A-Wert deutlich erhöht, kann dies ein Hinweis auf eine andere Erkrankung sein. Ist das nicht der Fall, spricht dies eher für ein Reizdarm-Syndrom.

Reizdarmsyndrom: Die Erkrankung annehmen!

Ist die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ gestellt, heißt das nicht unbedingt, dass die Beschwerden schnell verschwinden. Die individuell richtige Ernährung, der Umgang mit Stress, viele Faktoren können bei RDS eine Rolle spielen. Der Weg zur richtigen Therapie kann daher lang sein und erfordert eine hohe Eigeninitiative der Patienten. Für viele Betroffene ist eine so „unspezifische“ Diagnose wie RDS nicht zufriedenstellend und sie vermuten, dass doch noch andere Ursachen für ihre Beschwerden verantwortlich sind. „Es ist ein Charakteristikum der Reizdarm-Patienten, dass sie weiter auf der Suche sind“ so Prof. Krammer, „ich sage meinen Patienten deshalb immer, dass sie ‚ankommen‘ müssen!“

Therapie bei Reizdarmsyndrom: Können Medikamente helfen?

Der wichtigste Faktor bei der Therapie des Reizdarmsyndroms ist, dass der Arzt sich Zeit für den Patienten nimmt, die Beschwerden ernst nimmt und dass ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis besteht. „Therapieziel muss die Linderung der Beschwerden sein“ betonte Prof. Krammer.
Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die beim RDS helfen können. Dazu gehört z.B. der Einsatz von Flohsamenschalen, die bei Durchfällen das Bindungsvermögen von Flüssigkeit im Darm erhöhen und die Stuhlkonsistenz optimieren. Und: Gleichermaßen wirkungsvoll kann man Flohsamenschalen bei Obstipation oder wechselnden Stühlen einsetzen. „Flohsamen formen den Stuhl in beide Richtungen“ so Prof. Krammer.
Auch Abführmittel können den Reizdarm-Patienten helfen. Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit müssen die Patienten nicht befürchten, so dass sie die für sie geeignete Dosierung unbesorgt einnehmen können. „Es ist ein Mythos, dass Abführmittel schädlich seinen“ betonte Prof. Krammer “es gibt jedoch keinen Missbrauch von Abführmitteln“.

Ein schmerzhafter Reizdarm kann mit Bauchschmerz-Medikamenten behandelt werden, die z.B. den Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid enthalten. Hierfür stehen auch pflanzliche Präparate auf Basis von Pfefferminzöl oder Kümmelöl zur Verfügung.

Reizdarmsyndrom: Lässt sich das Mikrobiom durch Probiotika beeinflussen?

Nach neuesten Erkenntnissen scheint es nicht nur ein Mikrobiom des Darms zu geben. Vielmehr unterscheidet man heutzutage zwischen dem Mikrobiom der Darmschleimhaut und dem Mikrobiom des Darmlumens, also dem Mikrobiom, das sich im Stuhl nachweisen lässt. Beide unterscheiden sich in ihrer Vielfalt und Zusammensetzung voneinander. Bei Reizdarmpatienten weisen jedoch beide Mikrobiome Veränderungen auf, was wiederum mit einzelnen Symptomen des RDS in Verbindung gebracht wird. Hier können Probiotika ansetzen und es könnte durchaus sinnvoll sein, die Behandlung direkt im Anschluss an eine Endoskopie, durch eine direkte Probiotikagabe in den gespülten Darm zu starten.

Zur Behandlung des RDS sind u.a. die folgenden probiotischen Bakterienstämmeeinsetzbar, die sich teilweise in ihrer untersuchten Wirkung auf unterschiedliche RDS-Symptome unterscheiden, in der ärztlichen Leitlinie empfohlen:

 

Evidenzgrade unterschiedlicher Probiotika-Stämme in Abhängigkeit des prädominanten RDS-Symptoms
Probiotika Stamm RDS Schmerz/Bläh-Typ RDS Schmerztyp RDS Obstipationtyp
Bifidobacterium infantis 35624 B      
Bifidobacterium animalis ssp. lactis DN-173010 B   C  
Lactobacillus casei Shirota B   B  
Lactobacillus plantarum C      
Lactobacillus rhamnosus GG   B1    
E. coli Nissle 1917     C  
Kombinationspräparate   C    
1 Nur an Kindern gezeigt        
Quelle: S3 Leitlinie Reizdarmsyndrom, https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf  
     

 

In einer aktuellen Metaanalyse zeigte sich, dass der Stamm L. plantarum 299v bei der Behandlung der Gesamtsymptomatik  effektiv ist, doch so individuell wie der Reizdarm und damit die Symptome eines jeden Patienten sind, so individuell ist natürlich auch die Therapie. Die Patienten sollten ausprobieren, welches Probiotikum langfristig  gegen ihre Symptome (u.a. Diarrhö, Obstipation, Schmerzen, Blähungen) hilft. Dabei ist zu beachten, dass Probiotika bis zu drei Monate eingenommen werden sollten, um die Darmflora dauerhaft zu regulieren.

Reizdarmsyndrom: Kann die richtige Ernährung Symptome lindern?

„Nach meinen Beobachtungen ist die Ernährung die beste Möglichkeit, die Symptome von Reizdarm-Patienten zu beeinflussen“ betonte Prof. Krammer. Die Voraussetzung ist jedoch, dass die Ernährungsempfehlungen auch konsequent umgesetzt werden. Letztendlich muss der Patient sein Essverhalten ändern, was mit einem gewissen Aufwand verbunden ist und vielen auch sehr schwer fällt. Zwar haben Diätfehler keine schweren gesundheitlichen Konsequenzen, aber sie verursachen Symptome. So muss der Patient, am besten zusammen mit einem Ernährungstherapeuten, einen individuell verträglichen Speiseplan herausfinden. Zurzeit sehen manche in der FODMAP-armen Diät eine Möglichkeit für Reizdarm-Patienten, alle potenziell unverträglichen Nahrungsmittel zu eliminieren. Um die FODMAP-arme Diät richtig durzuführen, bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit den erlaubten und nicht erlaubten Nahrungsmitteln und das Ernährungsspektrum ist deutlich eingeschränkt.

Reizdarmsyndrom: Den Darm mit der Hypnotherapie beruhigen?

Eine weitere Möglichkeit, auf die Symptome beim RDS positiv einzuwirken, könnte eine Art „Darmhypnose“ sein. Es ist bekannt, dass der Darm mehr Nervenzellen enthält, als das Rückenmark – häufig spricht man vom „Darmhirn“ oder „Bauchhirn“. Auf die gleiche Weise wie man das Gehirn durch Hypnose beruhigen kann, ist es für manche RDS-Patienten auch möglich, den Darm mit Hilfe einer Darmhypnose unter Anleitung eines Audiobooks zu entspannen.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.