Bauchhirn Bauchbeschwerden Zusammenhänge

Prof. Dr. med. Thomas Frieling, HELIOS Klinikum Krefeld zum Zusammenhang zwischen Bauchhirn und Bauchbeschwerden!

Bauchhirn - Bauchbeschwerden: Was weiß man über Zusammenhänge?

Das klingt so, als müsse man viel ausprobieren….

Das Thema Ernährung ist in gewisser Weise ein Graubereich. Oft denken die Patienten zuerst an die Ernährung, wenn sie Bauchbeschwerden haben, aber überprüfbar ist es, wie gesagt nicht. Einen gewissen Einfluss hat hier der Glaube, der Placeboeffekt und auch der aktuelle Hype um Diäten spielt eine Rolle, z.B. die vegane Ernährung oder die glutenfreie Ernährung. Aus ärztlicher Sicht ist das nicht immer nachvollziehbar, so dass man im Einzelfall nur sagen kann, dass ein Patient die Ernährungsstrategie verfolgen sollte, die ihm am besten hilft. Voraussetzung ist allerdings, dass die Ernährung nicht zum Dogma wird und es dadurch nicht zu Fehlernährung kommt.

In einer Charité-Studie an 3.500 Berlinern mit Bauchbeschwerden hat man gefragt, ob sie glauben, dass die Beschwerden ernährungsbedingt seien. Ein Drittel der Befragten war der Meinung, dass die Ernährung für die Bauchbeschwerden verantwortlich sei und diese hat man dann sehr gründlich und aufwändig untersucht. Nur bei ca. 3,5 Prozent der Untersuchten hat man tatsächlich eine Nahrungsmittelallergie oder –unverträglichkeit nachweisen können. Das zeigt, dass es bei einem Großteil der Patienten nicht gelingt, einen Zusammenhang zwischen den Bauchbeschwerden und der Ernährung nachzuweisen.

Nichtsdestotrotz würde ich bei unklaren Bauchbeschwerden und nach Ausschluss anderer Erkrankungen immer versuchen, diätetisch einzugreifen, z.B. über ein Ernährungstagebuch. Es kann immer hilfreiche Erkenntnisse zu den Auslösern der Beschwerden bringen, wenn der Patient dieses Ernährungstagebuch über vier Wochen führt. In vielen Fällen findet man doch ein Muster, dass Hinweise auf mögliche Beschwerdeursachen gibt.

Advertorial

 

Sie betonen, dass Ernährung nicht zum Dogma werden darf, haben Sie aus diesem Grund Ihr Buch „Darm an Hirn!“ geschrieben?

 

Mit unserem Buch „Darm an Hirn!“ wollten wir das komplexe Thema „Darmhirn“ laienverständlich aufbereiten und einige „Mythen“ korrigieren. Dazu gehört z.B. die „Schokoladenlüge“, die besagt, dass man dem Körper durch das Schokoladenessen Serotonin zuführt und dass dies dann glücklich macht – das stimmt so nicht!

 

Auch die Frage, ob das Bauchhirn denken kann, bzw. ob man Entscheidungen über das Bauchhirn treffen kann, wird in unserem Buch behandelt.

 

Kann das Bauchhirn denn denken?

Denken kann das Bauchhirn nicht, aber das Bauchhirn kann lernen und es kann über verschiedene Mechanismen Funktionen des Kopfhirns beeinflussen, denn es gibt zahlreiche Kommunikationsbahnen zwischen dem Bauchhirn und dem Kopfhirn. Wenn wir eine „Bauchentscheidung“ treffen, wird die Entscheidung aber dennoch im Kopf getroffen, aber vieles wird vielleicht auch auf den Bauch projiziert – hier ist noch Einiges zu erforschen.

Wer ist denn der Stärkere, das Bauchhirn oder das Kopfhirn?

Man kann vielleicht sagen, das Kopfhirn ist das Stärkere, aber das Bauchhirn ist nicht das Unterlegene! In diesem Zusammenhang haben wir uns in unserem Buch auch die Frage gestellt: Warum gibt es überhaupt ein Bauchhirn und warum steckt nicht die gesamte Magen Darm-Funktion im Kopfhirn? Bei jedem Lebewesen ist die Magen-Darm-Regulation sozusagen „ausgelagert“. Das Bauchhirn „vor Ort“ scheint den Vorteil der „kurzen Wege“ bei der Nervenregulation zu bieten. Wahrscheinlich war das Bauchhirn entwicklungsgeschichtlich auch das erste Gehirn und das Kopfhirn hat sich womöglich erst danach entwickelt. Nicht ohne Grund findet man im Bauchhirn die gleichen Nerven wie im Kopfhirn.

Herr Prof. Frieling, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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