Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden und als erstes erfahren wann unsere Webinare stattfinden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Reizdarmsyndrom Nahrungsmittelunverträglichkeiten Zusammenhänge

Oecotrophologin Jennifer Fritz, „iss gut - Praxis für Ernährungstherapie und –beratung“ in Düsseldorf zu den Zsammenhängen zwischen Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelunverträglichkeiten!

Reizdarmsyndrom? Nahrungsmittel-unverträglichkeiten? Gibt es Zusammenhänge?

Die Symptome von Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) und Nahrungsmittelunverträglichkeiten können sehr ähnlich sein. Zudem hört man immer wieder von Menschen, die an beiden Erkrankungen zu leiden scheinen. Es stellt sich also die Frage, ob es Zusammenhänge zwischen dem Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt. Allerdings sieht es nicht so aus, als sei diese Frage eindeutig zu beantworten. Im Vorfeld der Düsseldorfer Allergietage sprach MeinAllergiePortal mit einer der Referentinnen, Oecotrophologin Jennifer Fritz, „iss gut - Praxis für Ernährungstherapie und –beratung“ in Düsseldorf über den aktuellen Erkenntnisstand.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Oecotrophologin Jennifer Fritz

Frau Fritz, gibt es Zusammenhänge zwischen dem Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen RDS und Lebensmittelunverträglichkeiten gibt, ist unklar. Klar ist aber, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten als mögliche Auslöser gesehen werden.

Ob sie eher Ursache oder Folge eines RDS sind, konnte man noch nicht eindeutig klären. Zu den Ursachen eines RDS gibt es viele Theorien. Oft diskutierte Ursachen sind Darminfekte, Stress, eine ungesunde, ballaststoffarme Ernährung und/oder eine bakterielle Fehlbesiedlung der Darmflora.

Welche Nahrungsmittelunverträglichkeiten gelten als Auslöser für das Reizdarmsyndrom?

Was häufig in der Praxis zu beobachten ist, ist dass es immer wieder Reizdarm-Patienten gibt, die nach langjährigen Beschwerden nach entsprechenden Untersuchungen auf Lebensmittelunverträglichkeiten - d.h. Kohlenhydratverwertungsstörungen, also Laktoseintoleranz, Fruktose- und Sorbitmalabsorption, aber auch  Glutensensitivität, ein positives Testergebnis zeigen. Diese Patienten sind dann entsprechend mit Umstellung auf eine ernährungstherapeutische Diät praktisch beschwerdefrei.

Es kommt aber mindestens genauso häufig vor, dass bei Reizdarm-Patienten nachweislich  Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgeschlossen werden können, obwohl dies vorher vermutet wurde. Diese Patienten hatten zuvor nach individuellen Ernährungsempfehlungen auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet und nach Verzicht eine merkliche Besserung empfunden, waren jedoch nicht beschwerdefrei. Bei diesen Patienten bedarf es an Unterstützung dahingehend, Veränderungen im Alltag herbeizuführen und Stressbewältigung durch mehr Gelassenheit zu erreichen.

Weiß man, was zuerst da war, das Reizdarmsyndrom oder die Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Leider nein, man weiß nicht, was zuerst da war. Das Reizdarmsyndrom gilt immer noch als nicht vollständig heilbar. Zwar können die Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung medikamentös und ernährungstherapeutisch reguliert werden, aber die Erkrankung und die Empfindlichkeit des Darms bleiben meist bestehen.

Ganz anders bei den Lebensmittelunverträglichkeiten, diese können bei entsprechender Ernährungstherapie mit jeweiligen Karrenzeiten so gut wie „verschwinden“.

Welche Therapieoptionen gibt es für Patienten, die sowohl ein Reizdarmsyndrom als auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben?

Da das Reizdarmsyndrom zahlreiche Ursachen hat, gibt es auch nicht eine einzig richtige Therapie. Die Behandlungsansätze orientieren sich an den Symptomen und um welchen Reizdarm-Typen es sich handelt. Man unterscheidet beim Reizdarm zwischen dem Durchfall-Typ (Diarrhoe-Typ), dem Verstopfungs-Typ (Obstipations-Typ), dem Schmerz-Typ, dem Wechsel von Durchfall und Verstopfung und dem Blähungs-Typ.

Abgesehen von eingesetzten Medikamenten gerade beim Reizdarmsyndrom, wie krampflösende Mittel, Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung und Antidepressiva helfen im Bereich der Ernährungstherapie häufig Ballaststoff-Präparate wie Mittel aus Flohsamen, Probiotika, Verzicht auf Alkohol, Koffein, Rohkost, Salate, blähende Gemüsesorten (Kohlsorten, Zwiebeln, Lauch, Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen), grobkörnige Getreidesorten und kohlensäurehaltige Getränke.

Bei Vorhandensein von zusätzlichen Unverträglichkeiten muss das entsprechende Kohlenhydrat (Fruktose, Laktose, Sorbit) oder Gluten vorerst in der Karenzphase von 3 bis 4 Wochen vollständig gemieden werden, um danach in der Aufbauphase die sogenannte individuelle Toleranzgrenze mit den entsprechenden Lebensmitteln auszutesten.

Begleitend und unterstützend dazu ist es ratsam, Stress, gerade beim Essen, zu vermeiden, sowie eher kleinere Mahlzeiten bzw. Portionen über Tag verteilt zu essen, anstatt eine große Portion zu sich zu nehmen. Ebenfalls wichtig ist es, ausreichend Flüssigkeit zu trinken und sich ausreichend zu bewegen. Schnelles Essen und hastiges Schlucken sollten zusätzlich dabei Tabu sein.

Gibt es Möglichkeiten, akute Symptome zu lindern?

Akute Symptome werden meistens medikamentös gelöst und können kurzfristig eingenommen werden.

Die entspannende Wirkung von Wärme, z.B. mit Hilfe einer Wärmflasche oder durch ein Entspannungsbad, hilft meistens unterstützend.
Gegen Blähungen helfen auch pflanzliche Mittel, z.B. Kümmel, Fenchel, Anis in Form von Tees etc..

Vermeidung von Stress, Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelrelaxation helfen, Stress zu bewältigen und zur Ruhe zu kommen.

Frau Fritz, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.