Reizdarmsyndrom Mastzellen Dinatriumcromoglycinsäure

Prof. Dr. med. Martin Raithel, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Waldkrankenhauses St. Marien in Erlangen zur Verbindung zwischen Reizdarmsyndrom und Mastzellen!

Reizdarmsyndrom und Mastzellen: Gibt es eine Verbindung? Therapieoptionen?

Mit welchen Maßnahmen senkt man beim Reizdarmsyndrom den intraluminalen Druck?

Ein wichtiger Faktor ist Bewegung. Der Mensch ist eigentlich dazu gemacht, täglich acht km zu Fuß zurückzulegen. Tatsächlich sitzt man aber überwiegend. Eine hilfreiche Maßnahme zur Senkung des intraluminalen Drucks sind nicht nur entblähende Medikamente, sondern auch die tägliche Bewegung, z.B. durch einen täglichen Spaziergang von mindesten 40 Minuten. Grundsätzlich wären zwei bis drei Mal ca. 40 Minuten Sport pro Woche sehr wichtig zur Erhaltung der Gesundheit, auch der Herzgesundheit. Aber auch schon zwei bis drei Spaziergänge in der Woche sind hilfreich, weil dann der Dünndarm wesentlich besser arbeitet und die Luft nach unten transportiert wird. Bei Reizmagen weiß man, dass hier weniger Sodbrennen und Aufstoßen resultieren. Regelmäßige Bewegung reduziert das viszerale Mißempfinden deutlich, reduziert Aufstoßen, regt die Darmperistaltik an und verkürzt so die Kontaktzeit von Nahrungsmittelallergenen oder unverträglichen Stoffen mit der Darmschleimhaut. Zusammen mit einer landestypischen  Mischkost wäre der Stoffwechsel so optimal reguliert und ebenso die Darmbarriere. Unterstützen kann man dies durch die Behandlung mit entblähenden Medikamenten, einfache Maßnahmen, die sehr gut dabei helfen können, wieder eine normale Physiologie im Magen-Darm-Trakt zu erreichen.

Zur Diagnose: Wäre der Aktivitätslevel der Mastzellen nicht eine Möglichkeit, das Reizdarmsyndrom bzw. auch das Reizmagensyndrom exakt zu diagnostizieren und nicht allein durch eine Ausschlussdiagnose?

Es wäre eine positive Diagnosemöglichkeit des Reizdarmsyndroms, aber nicht alle pathologischen Institute zählen die Mastzellen in einer Routinebiopsie aus, zudem kann die Mastzellaktivierung Ausdruck verschiedener Trigger sein. Die immunhistochemische Mastzellfärbung muss gesondert angefordert werden. Hinzu kommt die Schwierigkeit, diese Mastzellen-Befunde richtig zu interpretieren. Oft kommen Patienten in die Sprechstunde unserer Klinik, bei denen bereits alle Befunde vorliegen, ohne dass diese richtig bewertet wurden. Hierfür fehlen noch die Standards, weshalb wir ein Quantifizierungsraster für die Mastzellen entwickelt haben, das zwischen einer geringen, mäßigen oder starken Erhöhung der Mastzellen differenziert und weitere klinische Ableitungen daraus ergibt. Bei einem Reizdarmsyndrom mit einer mäßigen bis starken Erhöhung der Mastzellen und ohne Hinweis auf Allergien kann deshalb eine Behandlung mit Mastzellenstabilisatoren, wie Dinatriumcromoglycinsäure sinnvoll sein, das zeigen bereits Studien, die über dreißig Jahre alt sind. In einer neueren Studie konnte auch der ältere Histaminantagonist Ketotifen günstige Effekte beim RDS hervorrufen.

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Wie kann Dinatriumcromoglycinsäure beim Reizdarmsyndrom helfen?

Insbesondere die Dinatriumcromoglycinsäure zur Behandlung von Nahrungsmittelallergien ist schon seit Jahrzehnten als topischer Mastzellenstabilisator bekannt. Sie stand jedoch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und dem Reizdarmsyndrom nicht im Fokus, weil man dort andere Mechanismen stärker in den Vordergrund zog als die Bedeutung der Mastzellen. In den letzten dreißig Jahren konnten wir jedoch anhand von Studien nachweisen, dass Patienten mit Nahrungsmittelallergien und Reizdarmsyndrom auf die Dinatriumcromoglycinsäure sehr gut ansprechen. Bei 60 bis 70 Prozent der Patienten kann die Dinatriumcromoglycinsäure die Mastzellen am Magen-Darm-Trakt stabilisieren, die Überaktivität beruhigen und dazu führen, dass weniger Mediatoren sezerniert werden. Dadurch senkt sich die Schmerzintensität, die Bauchkontraktionen verringern sich und ebenso die Schleim- und Wassersekretion. Insbesondere beim RDS mit Durchfall konnten wir sehen, dass die Dinatriumcromoglycinsäure einen positiven Effekt auf die Stuhlkonsistenz und -frequenz hatte. Bei einer unserer RDS-Patientinnen konnten wir diesen Effekt sogar mit nur einer 400mg Dinatriumcromoglycinsäure-Gabe einmal pro Woche erreichen. Daraus konnten wir folgern, dass die Empfindlichkeit der einzelnen Patienten und deren jeweilige Mastzelltypen unterschiedlich sensitiv auf Dinatriumcromoglycinsäure sind, da nicht alle Patienten darauf ansprechen bzw. unterschiedlich hohe Dosierungen benötigen. 

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