Reizdarmsyndrom Mastzellen Dinatriumcromoglycinsäure

Prof. Dr. med. Martin Raithel, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Waldkrankenhauses St. Marien in Erlangen zur Verbindung zwischen Reizdarmsyndrom und Mastzellen!

Reizdarmsyndrom und Mastzellen: Gibt es eine Verbindung? Therapieoptionen?

Kann man abschätzen, wie häufig das Reizdarmsyndrom in Deutschland auftritt?

Aus Erhebungen weiß man, dass zwischen 10 und 15 Mio. Menschen über Reizdarmbeschwerden klagen. Von den Patienten, die aufgrund funktioneller Magen-Darm-Beschwerden eine Klinik aufsuchen, hat jeder zweite ein Reizdarmsyndrom. Man sollte diese Zahlen allerdings nicht überinterpretieren, denn es kommen ja nur die Patienten in die Klinik, die erhebliche Beschwerden haben, bei denen der Leidensdruck oder die Angst stärker sind als die erfahrenen Symptome. Patienten mit leichteren Beschwerden suchen in der Regel keinen Arzt auf, sondern behelfen sich mit Hausmitteln, meiden unbewusst bestimmte Stressoren oder Trigger. Gerade pflanzliche Präparate können bei leichten Formen auch recht wirksam sein, z.B. können Fenchel, Ingwer, Kümmel oder ätherische Öle wie Pfefferminze bei verstärkten Kontraktionen den Darm entspannen und so Blähungen und Bauchschmerzen lindern.

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Ist das Reizdarmsyndrom eine „Frauenkrankheit“?

Auch Männer können Reizdarmbeschwerden haben, aber Frauen sind häufiger betroffen. Bei der Häufigkeit der Reizdarmausprägung geht man von einem Verhältnis von ca. zwei bis drei Frauen auf einen Mann aus. Gründe hierfür könnten die unterschiedliche genetische Ausstattung sein, die hormonelle Regulation des Histaminabbaus, die unterschiedliche Perzeption von Schmerz etc. Frauen scheinen für Reizdarmbeschwerden, depressive Erkrankungen oder neurodegenerative Störungen empfänglicher zu sein als Männer.

 

Zu den Symptomen: Ganz typische Reizdarmbeschwerden scheint es nicht zu geben…

Es gibt sehr viele mögliche Symptome beim Reizdarmsyndrom. Mögliche Symptome beginnen bereits am Übergang der Speiseröhre zum Magen. Sie können sich durch ein Brennen, Unwohlsein und manchmal auch durch Schmerzen, Völlegefühl oder Blähungen bemerkbar machen und ein Hinweis auf ein Reizmagensyndrom sein¸ das zusammen mit dem Reizdarmsyndrom auftreten kann.  Manche Patienten haben auch das Gefühl, dass der Magen sich nicht richtig entleert.

Zwar empfinden viele Patienten diese Beschwerden als Sodbrennen oder als erhöhten Druck, bei einer Messung des pH-Wertes kann dann aber oft keine Übersäuerung festgestellt werden und auch eine manometrische Störung lässt sich häufig nicht nachweisen. Das heißt, die Speiseröhre dieser Patienten ist ganz einfach hypersensitiv und so kommt es zu einer verstärkten Empfindung.

Bei Reizdarmpatienten zeigt sich ein ähnliches Phänomen. Bei Untersuchungen, bei denen im Enddarm ein Ballon aufgeblasen wurde, zeigte sich, dass Reizdarmpatienten dies viel früher spürten, als gesunde Patienten. Es handelt sich also um eine viszerale Hypersensitivität, d.h. das Empfinden der Schleimhaut im Hinblick auf Druck und Schmerz ist erhöht.

Weiter gibt es beim Reizdarmsyndrom Beschwerden im Mittelbauch und rund um den Nabel. Bei Beteiligung des Dünndarms im Rahmen eines RDS können Blähungen, Völlegefühl oder zum Teil kolikartige starke Schmerzen auftreten. Auch weicher Stuhl, Flatulenz  oder wässrige Durchfälle sind bei Dünndarmbeteiligung möglich. Bei der Reizdarmerkrankung im Dickdarm berichten die Patienten hingegen über ziehende Schmerzen im rechten oder linken Unterbauch, sowie über Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten (gehäufte Entleerungen bei normaler Konsistenz) und Verstopfung. Bei einer Untersuchung an Reizdarmpatienten konnten wir feststellen, dass bei unterschiedlichen RDS-Personen in den einzelnen genannten Magen-Darmsegmenten unterschiedliche Aktivitäten der Histamin-abbauenden Enzyme vorlagen, was unterschiedliche Organsegment-bezogene Symptome erklären kann.

Zur Differentialdiagnose zu Nahrungsmittelallergien: Im Gegensatz zu reinen Reizdarmpatienten mit Symptomen am Magen-Darm-Trakt, zeigen bestimmte Patienten mit echten IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien oft auch Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Traktes, wie z.B. Heuschnupfen, eine chronische Urtikaria oder Migräne. Es gibt jedoch auch Nahrungsmittelallergien, die nur lokal auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt sind – man bezeichnet diese als gastrointestinal vermittelte Nahrungsmittelallergien. Das Problem hierbei ist, dass solche Allergien am Magen-Darm-Trakt in der Routinediagnostik nicht auffallen und im Blut- oder Hautest negativ sein können, sogenannt seronegative Nahrungsmittelallergie. Deshalb entwickelten wir bereits 1996 den Test der endoskopisch gesteuerten segmentalen Lavage, um in den einzelnen Segmenten des Darms nach lokal gebildetem IgE zu suchen.

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