Lufthansa Service für Allergiker

Prof. Dr. med. Jürgen Graf

Der Lufthansa Service für Allergiker und Nahrungsmittelintolerante

Die Airlines stellen sich zunehmend auf die steigende Zahl von Allergikern und Lebensmittelintoleranten ein. Pollen werden durch die Filtersysteme moderner Flugzeuge größtenteils von der Kabine ferngehalten. Deutlich schwieriger ist es für die Menschen mit Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelintoleranzen. Oft nehmen die Betroffenen auf Flügen keinerlei Nahrung zu sich, aus Angst, vor den typischen Magen-Darm- Beschwerden. Während das auf der Kurzstrecke kein Problem darstellt, wird es bei Mittel- und vor allem Langstreckenflügen zur Qual. MeinAllergieportal sprach darüber mit dem Leiter des Medizinischen Dienstes Frankfurt der Deutschen Lufthansa AG, Prof. Dr. med. Jürgen Graf.

Viele Airlines bieten eine ganze Reihe von Sondergerichten an, darunter auch speziell laktosefreie oder glutenfreie Gerichte. Das ist vielen Flugpassagieren unbekannt. Eine Vorreiterstellung in Deutschland nimmt die Deutsche Lufthansa ein.  Sie bietet  auf internationalen Flügen und einigen ausgewählten Europaflügen 18 verschiedene Sondermahlzeiten an. Diese müssen nur rechtzeitig vor dem Flug bestellt werden. 

Herr Prof. Graf, Sie beraten und trainieren das Flugpersonal in medizinischer Hinsicht. Wie stellt sich der Medizinische Dienst der Lufthansa auf die steigende Anzahl von Gästen mit Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten ein?

Einerseits sensibilisieren wir unsere Kollegen, die den Flugbetrieb gestalten, für das Thema und schulen sie, damit umzugehen. Zum andern beraten wir unsere Konzerntochter LSG, die ja in erheblichem Umfang die Nahrungsmittel für die Flüge herstellt, entsprechend.

Die LSG erfährt von uns, welche Allergene häufig sind und welche Nahrungsmittel  eine hohe Allergenität aufweisen. Diese werden bei der Herstellung der Bordmenüs möglichst gemieden oder es wird sehr klar deklariert, was sich in den Nahrungsmitteln befindet. So können  Fluggäste mit Nahrungsmittelallergien oder –unverträglichkeiten den Verzehr vermeiden.

Was raten Sie jemandem, der unter einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit leidet, wenn ein Mittel- oder Langstreckenflug bevorsteht? Wie kann er sich optimal darauf vorbereiten?

Das kommt sehr darauf an, in welchem Ausmaß die Beschwerden vorliegen. Das geht von leichten Befindlichkeitsstörungen bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit bis hin zum allergischen Schock bei einer Allergie. Insofern muss man den Grad der Vorbereitungen davon abhängig machen, wie ausgeprägt die Erkrankung ist.

Wenn man zum Beispiel weiß, dass man eine leichte Laktoseintoleranz hat, also den Milchzucker nicht verträgt, ist das Meiden von Milch gut möglich. Die Lufthansa bietet ein reichhaltiges Angebot an Getränken, die nicht milchhaltig sind.  Man kann aber auch eine kleine Portion von milchersatzhaltigen Produkten mit sich führen.  Um diese Produkte an Bord zu bringen, sind aber die Sicherheitsbedingungen zu beachten, die gerade bei der Mitnahme von Flüssigkeiten recht restriktiv sind. Das sollte man vorher mit der Airline abklären.

Zudem bietet die Lufthansa bei Mittel- und Langstreckenflügen Spezialmenüs für Laktose- und Glutenintolerante an. Wir haben 18 Special Meals, die ohne zusätzliche Kosten gebucht werden können und lediglich spätestens 24 Stunden vor Abflug vorausgebucht werden müssen.

Während für die Passagiere mit Laktoseintoleranz und Zöliakie geeignete Angebote existieren, sieht es für Personen mit Fructosemalabsorption oder Histaminintoleranz eher schlecht aus. Haben Sie hier Hinweise, wie diesen Betroffenen auf dem Flug geholfen werden könnte?

Fructosevermeidung ist deshalb relativ schwierig, weil es häufig als Ersatzstoff benutzt wird und nicht immer offen deklariert ist - da gibt es Probleme. Je nachdem, wie ausgeprägt die Fructosemalabsorption ist, empfiehlt es sich, auf den Verzehr  von Früchten oder Fruchtsäften zu verzichten. Wenn nur Spuren davon in einer Mahlzeit enthalten sind, und man davon üblicherweise nur leichte Magenschmerzen oder Blähungen bekommt, ist auch beim Flug das Risiko einer schwereren Erkrankung gering. Wenn man aber weiß, dass man bereits auf Spuren von Fructose heftig reagiert, kann der Rat nur sein, sich selbst geeignete Nahrungsmittel mitzubringen und sich während der Flugzeit selbst zu versorgen.

Zu beachten ist das übrigens nicht nur für den Flug, sondern vor allem auch für die Zieldestination. Auf dem Flug haben wir in der Regel eine recht vielfältige Nahrungsauswahl, was in nicht wenigen Zielgebieten oft nicht der Fall ist. Es empfiehlt sich also sehr, bei solchen Beschwerden über den Flug, der meist nur den kleinsten Teil einer Reise darstellt,  hinaus zu denken und zu planen.  

Histaminintoleranten kann man nur den Rat geben, die Reise sehr gründlich mit ihrem Arzt zu besprechen. Der kann dann Medikamente verschreiben, die die Histaminfreisetzung reduzieren.
In der Regel handelt es sich ja bei Histamin-Patienten um Personen, die bereits seit längerer Zeit an solchen Beschwerden leiden. Viele führen zum Beispiel Ernährungstagebücher und wissen, was sie meiden sollen. Insofern kann man dann zum Beispiel nur solche Nahrungsmittel zu sich nehmen, von denen man weiß, dass sie keine oder nur wenige Allergene enthalten. Reis wäre ein Beispiel dafür.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.