Probiotika Allergien

Prof. Dr. Markus Rose, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Sana Klinikum Offenbach und Leiter der Pädiatrischen Infektiologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt

Allergien: Welche Rolle spielen Probiotika & Co. bei der Behandlung? - Gilt diese positive Wirkung der Metabiotika auch...

Gilt diese positive Wirkung der Metabiotika auch für die Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Es gibt Hinweise darauf, dass sich auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die fliessende Übergänge zu Nahrungsmittelallergien aufweisen, durch den regelmäßigen Genuss von probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln günstig beeinflussen lassen.

Die Aufnahme von Nahrungsmittelbestandteilen ins Blut erfolgt über das Darmlumen, d.h. über die Darmwand. Dadurch werden sowohl echte Allergene als auch die Unverträglichkeiten auslösenden Stoffe über die Darmschleimhäute in die Blutbahn vermittelt werden. Man geht bzgl. der Wirkung von Metabiotika davon aus, dass diese sich wie eine natürliche Schutzwand zwischen Darminhalt und Darmschleimhäute legen und damit den Übertritt der unverträglichen Stoffe in die Blutbahn verhindern. Es entsteht also eine Barriere, eine Art Schutzwand, die zur verminderten Aufnahme von Allergenen und Unverträglichkeiten auslösenden Stoffen führt.

Was kann man durch den Einsatz von Metabiotika, bzw. probiotischen Nahrungsergänzungen noch erreichen? Welche Wirkmechanismen greifen?

Abgesehen von der erwähnten Barrierewirkung kommt es durch die probiotischen Nahrungsergänzungen im Bereich der Darmwände auch zur vermehrten Synthese von Immunglobulin A, einem Abwehrstoff, der vor allem bei Schleimhautinfektionen eine Rolle spielt. Dadurch finden auch weniger Entzündungsreaktionen an den Darmschleimhäuten statt, was sowohl bei Nahrungsmittelallergien als auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeitsreaktionen einen gewissen Schutz darstellt.  

Probiotika können jedoch auch das Immunsystem stimulieren – dies wird über eine vermehrte Interferon-gamma-Stimulation erreicht. Gleichzeitig kommt es zu einer Regulation im Bereich der T-Lymphozyten, den sogenannten TH-1, TH-2, TH-0 und der regulatorischen Zellen.

Im Prinzip kann das Immunsystem, wie bei einer "Waage", wahlweise entweder in Richtung einer TH-1 oder in Richtung einer TH-2 gerichteten Immunantwort stimuliert werden. Die Stimulierung in Richtung einer TH-1 Immunantwort bedeutet, dass das Immunsystems so stimuliert wird, dass es erfolgreich vor Infektionen schützt. Das Problem in der westlichen Welt ist, dass, im ungünstigen Fall, das Immunsystem in Richtung einer TH-2 Überreaktion stimuliert wird. Das ist eine Atopische Reaktion, die z.B. mit Asthma und Allergien einhergeht.

Die Metabiotika  haben einen positiven Einfluss auf die frühkindliche Prägung unseres Immunsystems in Richtung einer TH-1 gerichteten Immunantwort. Durch die Wirkansätze bei den T-regulatorischen Zellen, die die "Waage" in die eine oder andere Richtung bringen können, sind die Metabiotika in der Lage, die Synthese von antientzündlichen Entzündungsbotenstoffen zu begünstigen. Gleichzeitig können sie entzündungsfördernde Botenstoffe runter regulieren und das Immunsystem u.a. durch Interferon gamma, aber auch durch bakterizide (bakterienabtötende) Substanzen, die die Metabiotika selbst herstellen, in die richtige Richtung bringen. Mittlerweile verfügen wir über ein ganzes Instrumentarium von Anwendungsmöglichkeiten für Probiotika & Co. - und wöchentlich kommen neue hinzu.

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