Boosterung spezifische Immuntherapie

Prof. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik Münster zur Boosterung bei der SIT!

Boosterung bei der spezifischen Immuntherapie – ein neues Therapiekonzept?

Unter Experten fällt in letzter Zeit im Zusammenhang mit der spezifischen Immuntherapie öfter das Stichwort Boosterung. Was steckt hinter diesem Begriff? Was erhofft man sich von der Boosterung? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik Münster über das Therapiekonzept der Boosterung bei der spezifischen Immuntherapie.

Herr Prof. Brehler, was bedeutet „Boosterung“ im Zusammenhang mit einer spezifischen Immuntherapie?

Eine normale spezifische Immuntherapie erfolgt über drei bis fünf Jahre. In dieser Zeit sollten die Beschwerden abklingen oder zumindest deutlich zurückgehen. Mit „Boosterung“ ist gemeint, dass man die Therapie nach einem bestimmten Zeitraum erneut durchführt, wobei hier nicht festgelegt ist, wie lange dies der Fall ist.

Theoretisch wäre die folgende Vorgehensweise denkbar: Der Patient führt die spezifische Immuntherapie über drei bis fünf Jahre durch und ist beschwerdefrei. Um diesen Effekt aufrecht zu erhalten, wird zwei Jahre nach Ende der ersten Therapie für einige Monate eine Booster-Therapie durchgeführt. 


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Wird die Booster Therapie zurzeit schon eingesetzt?

Nein, aktuell wird die Boosterung in Expertenkreisen diskutiert, aber nicht routinemäßig durchgeführt.

Die übliche Vorgehensweise ist, die spezifische Immuntherapie über den genannten Zeitraum durchzuführen und dann zu warten, ob der Patienten wieder Beschwerden bekommt. Es ist zurzeit nicht vorhersehbar, ob überhaupt und wann der Patient wieder Symptome entwickelt.

Statistisch gesehen, tritt ca. fünf bis acht Jahre nach Ende der Hyposensibilisierung eine Verschlechterung auf, das haben Studien gezeigt. Dabei scheint es relevant zu sein, wie lange die spezifische Therapie durchgeführt worden ist. Studien deuten an, dass dann ein Behandlungszyklus ausreichen kann, um eine erneute deutliche Beschwerdereduktion zu erreichen.


Im Sinne der Prävention wäre es für die Patienten sicher wünschenswert, wenn es nach einer spezifischen Immuntherapie erst gar nicht wieder zu Symptomen kommt. Inwiefern ist es denn vorgesehen, die Boosterung in den Therapieplan zu integrieren?

Theoretisch kann man sich vorstellen, ein Booster-Konzept in das Therapieschema der spezifischen Immuntherapie zu integrieren. Man könnte z.B. durchaus nach einer dreijährigen Immuntherapie und einer dreijährigen Behandlungspause einen Kurzzeittherapiezyklus anschließen. Bislang ist jedoch nicht evaluiert und validiert, wie wirksam diese Maßnahme wäre und insbesondere, wie lange der Effekt dann anhält.


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Wäre die „Boosterung“ bei der spezifischen Immuntherapie dann vergleichbar mit den bei Impfungen üblichen „Auffrischungen“?

Im Ergebnis kann man sich Impfung und spezifische Immuntherapie ähnlich vorstellen, aber der Mechanismus ist ein anderer.

Bei der Impfung hat das Immunsystem der geimpften Person noch keinen Kontakt mit dem entsprechenden Pathogen gehabt, denn durch eine Impfung will man ja gerade verhindern, dass eine entsprechende Infektion zustande kommt.

Bei einer Allergie hingegen, hatte das Immunsystem bereits Kontakt mit dem Allergen und darauf eine Überempfindlichkeit entwickelt. Mit der spezifischen Immuntherapie soll diese Überempfindlichkeit zugunsten einer Unempfindlichkeit zurückgedrängt werden. Der immunologische Ansatz ist also ein anderer.

Dennoch wäre das Prinzip einer Booster Immuntherapie mit der Impfung vergleichbar, bei der es durch Booster, zum Beispiel nach einem Jahr, zu einer verstärkten und lang anhaltenden Immunität kommt.

Eine grundsätzliche Frage: Findet man nach einer spezifischen Immuntherapie im Test weiterhin die Sensibilisierung gegen das betreffende Allergen?

Üblicherweise bleibt die Sensibilisierung auch während und nach Abschluss der spezifischen Immuntherapie bestehen. Weder mit dem Prick-Test noch mit der Bestimmung von spezifischen IgE-Antikörpern im Blut kann man feststellen, ob eine spezifische Immuntherapie erfolgreich war oder nicht – es gibt also keinen Marker. Ausschlaggebend für die Beurteilung des Erfolges einer spezifischen Immuntherapie ist derzeit ausschließlich die Bewertung der klinischen Beschwerden.

Bei der klassischen Impfung ist das anders. Mit der Bestimmung eines Antikörper-Titer lässt sich überprüfen, ob dieser so weit zurückgegangen ist, dass eine erneute Infektionsgefahr für den Patienten bestehen könnte. In diesem Fall würde man eine Booster-Impfung durchführen, sozusagen eine Auffrischung der Impfung. Bei der spezifischen Immuntherapie funktioniert dies, wie gesagt nicht, denn man hat derzeit keinen Parameter, der eine Toleranz oder Intoleranz gegenüber einem Allergen anzeigen könnte.


Therapeutisch eingesetzt wird die Boosterung im Zusammenhang mit der spezifischen Immuntherapie also nicht?

In speziellen Fällen, vor allem bei Patienten, die von einer Insektengiftallergie betroffen sind, wurden ähnliche Therapiekonzepte umgesetzt. Eine gute Validierung, die die Frage geklärt hätte, inwieweit die Booster-Therapie wirksamer ist, als die erneute Therapie nach Wiederauftreten von Symptomen, liegt jedoch noch nicht vor.

Besteht ein ganz besonders hohes Risiko, z. B. wenn ein Imker eine Bienengiftallergie hat und bereits anaphylaktische Reaktionen stattgefunden haben, gibt es auch die Möglichkeit, die spezifische Immuntherapie so lange durchzuführen, wie er das Imkern betreibt. So würde der Schutz permanent aufrechterhalten, denn es ist schwer zu sagen, wann eine Überempfindlichkeit nach Ende der spezifischen Immuntherapie wieder einsetzen könnte. Das würde auch davon abhängen, wie häufig der Patient gestochen wird, in welchen Abständen er gestochen wird und möglicherweise auch, welche Lokalisation betroffen ist.
Das Konzept der Boosterung ist jedoch interessant, insbesondere für die Kurzzeittherapien.


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Was macht die Boosterung für die Kurzzeittherapien so interessant?

Bei der spezifischen Immuntherapie unterscheidet man zwischen ganzjähriger Immuntherapie und Kurzzeitimmuntherapie.

Bei der ganzjährigen Immuntherapie mit der Spritze erhält der Patient alle vier bis sechs Wochen eine Injektion. Bei der sublingualen Immuntherapie nimmt der Patient „sein“ Allergen ganzjährig täglich oral zu sich.

Bei der Kurzzeitimmuntherapie, oder auch Präsaisonalen Therapie, die aktuell auch praktiziert wird, bekommt der Patient vor Beginn der Pollensaison zwischen vier und acht Injektionen. Danach wird die Behandlung unterbrochen und im Folgejahr im gleichen Zeitraum wiederholt. Routinemäßig wird diese Therapie über drei bis fünf Jahre durchgeführt. Man würde dann abwarten ob und wann erneut Beschwerden auftreten. Die Frage lautet hier, wie lange man dann behandeln müsste. Könnte bei beginnenden Beschwerden eine klassische Boosterung ausreichen oder müsste man erneut über drei Jahre behandeln? Eventuell könnte man mit einer Boosterung den ursprünglichen Therapieeffekt schnell wieder erreichen und eine über eine längere Zeit bestehen bleibende Toleranz erzeugen.

Bevor man jedoch ein Therapieschema für die Boosterung empfehlen kann, müsste dies in einer entsprechend großen prospektiven Studie hinsichtlich der Wirksamkeit überprüft werden. Da die Entwicklung hin zu Kurzzeittherapien geht, die auch immer kürzer werden, wird man dies in der mittelbaren Zukunft sicher untersucht werden.

Herr Prof. Brehler, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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