Zum Hauptinhalt springen

Platane Allergie: Ist das eine "echte" Allergie oder eine Kreuzallergie?

Platanen sind in unseren Breiten sehr beliebt, gerade in Städten werden sie gerne angepflanzt. Leider kann die Platane aber auch gesundheitsschädlich sein, denn ihre Pollen können allergische Reaktionen auslösen. Aber auch Kreuzallergien können die Ursache sein. Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Univ. Doz. Dr. med. Wolfgang Hemmer vom FAZ - Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien.

Allergie Platanenpollen Platanenallergie
Allergie auf Platane oder Kreuzallergie? Bild: W. Hemmer, canva PolenAZ, pixelshot

Autor: Sabine Jossé M.A

Interviewpartner: Univ. Doz. Dr. med. Wolfgang Hemmer 

Platane-Allergie: Die wichtigsten Fakten!

Genuine Platanenallergien sind selten.

Etwas häufiger sind Kreuzallergien auf Platane.

Eine Platanenpollensensibilisierung kann ein Risikomarker für eine simultane Nahrungsmittelallergie sein.

Bei einer Platanenallergie mit Pla a 3-Sensibilisierung kann es zu Kreuzreaktionen mit anderen LTPs in pflanzlichen Nahrungsmitteln kommen.

Cannabiskonsum scheint manchmal die primäre Ursache der LTP-Allergie zu sein.

Bei einer „echten“ Platanenpollenallergie sollten blühende Platanen während der Hauptblütezeit gemieden werden.

Herr Universitäts-Dozent Hemmer, ist die Allergie auf Platanenpollen eine echte Allergie oder eine Kreuzallergie?

Sie kann beides sein. Wir haben an unserem Zentrum tausende Pollenallergiker mit Platanenpollen getestet und bei weniger als 10% eine Sensibilisierung gefunden. Interessanterweise hatten die meisten dieser Patienten eine polyvalente Pollensensibilisierung, d.h. sie reagierten im Hauttest mit vielen verschiedenen Pollenarten, sodass hier eher Kreuzreaktionen über Pollen-Panallergene, zum Beispiel Profilin, anzunehmen sind und nicht so sehr „echte“ genuine Platanenpollenallergien. Aber bisweilen sind auch echte Platanenpollenallergiker darunter, die man mittlerweile mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik besser identifizieren kann.

Gibt es Zahlen zur Verbreitung der Platanen Allergie?

Tatsächlich dürften bei uns genuine Platanenallergien sehr selten sein. Betrachtet man das Hauptallergen in Platanenpollen, Pla a 1, dann sind in Spanien 80 bis 90 Prozent der Patienten gegen dieses Majorallergen sensibilisiert. Außerhalb Spaniens sind es praktisch 0 Prozent, egal ob man Studien aus Deutschland, Tschechien oder Schweden ansieht. Wir selbst sehen bei Untersuchungen mit dem ISAC® oder ALEX® Allergenchip nur äußerst selten eine Pla a 1-Sensibilisierung. Etwas anders sieht es auf den ersten Blick bei den Platanenallergenen Pla a 2 und Pla a 3 aus.

Heißt das, auf die Allergene der Platane Pla a 2 und Pla a 3 gibt es mehr Allergien?

Tatsächlich fand man in epidemiologischen Studien mit dem ISAC® Allergenchip bei etwa 10 bis 20 Prozent der Allergiker IgE-Antikörper gegen Pla a 2. Dies als Beweis für eine echte Platanenpollenallergie zu interpretieren ist aber nicht berechtigt, weil es sich dabei meistens um „falsch-positive“ Testergebnisse handelt. Die gemessenen IgE-Antikörper waren in Wahrheit nicht gegen das Allergen selbst gerichtet, sondern gegen sogenannte CCDs. CCD steht für “cross-reactive carbohydrate determinants“, das sind komplexe Zuckerstrukturen, die außen an der Oberfläche mancher Allergene sitzen, die aber klinisch unbedeutend sind. Mittlerweile wurde Pla a2 wegen der vielen irrelevanten Ergebnisse aus dem Test herausgenommen.

Gilt das auch für Patienten, die gegen das Allergen Pla a 3 der Platane sensibilisiert sind?

Beim Pla a 3 liegt sie Sache etwas anders. IgE-Antikörper gegen Pla a 3, ein sogenanntes Lipidtransferprotein (nsLTP), finden sich bei 0-15% der Allergiker, je nachdem, welche Patientengruppe man untersucht. Aber auch dies ist nicht so sehr Ausdruck einer genuinen, „echten“ Platanenpollen-Allergie-, sondern spiegelt vielmehr die generelle Häufigkeit von LTP-Sensibilisierungen in der Bevölkerung wider. Soweit es Untersuchungen dazu gibt, ist die IgE-Reaktivität mit anderen LTPs, wie etwa dem LTP aus Pfirsich (Pru p 3) oder Haselnuss (Cor a 8), in der Regel viel stärker als die mit Pla a 3. Dies spricht dafür, dass diese Patienten primäre Nahrungsmittel-LTP-Allergiker sind, die eine sekundäre Kreuzallergie mit dem Platanen-LTP aufweisen. Oder anders ausgedrückt: Die Platane ist meist nicht die Ursache der Pla a 3-Sensibilisierung. Inwieweit diese Kreuzreaktivität eine klinisch manifeste Platanenpollenallergie bedingen kann, ist noch unklar.

Die Hauptblütezeit der Platanen wird meist mit „Ende April bis Mai angegeben“ - gilt dies auch für die stark beschnittenen Schirmplatanen, die insbesondere bei repräsentativen Alleen und in Parkanlagen beliebt sind?

Stark beschnittene Bäume blühen oft schwächer als unbeschnittene. Die Hauptblütezeit der Schirmplatanen bzw. der Pollenflug der Platanen ändert sich dadurch aber nicht wesentlich.

Die Allergie auf Platanenpollen ist also eher eine Kreuzallergie?

Kreuzreaktionen spielen bei uns eine ganz erhebliche Rolle. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die meisten der bei uns beobachteten Platanen-Sensibilisierungen keine echten Platanenpollenallergien, sondern auf kreuzreaktive Allergene zurückzuführen. Dazu gehören das bereits erwähnte Profilin und das Polcalcin, aber wie eben besprochen können auch LTPs bei der Platanenpollenallergie als kreuzreaktive Allergene eine Rolle spielen, weil die Platane neben Beifuß, Glaskraut und Olive zu den wenigen Pflanzen gehört, deren Pollen ein LTP enthält .

Bei welchen anderen Pollenallergenen sollten Platanenpollen-Allergiker vorsichtig sein?

Das Platanen-Hauptallergen Pla a 1 ist eigenständig, und es sind bisher keine kreuzreaktiven Allergene aus anderen Pollenarten bekannt. Basiert die Platanenpollen-Sensibilisierung auf einer Kreuzreaktion mit Profilin oder Polcalcin, sind theoretisch sämtliche anderen Pollen von Bedeutung, weil diese Panallergene in allen Pollen vorkommen. Die klinische Relevanz von Profilin ist allerdings meist gering. Im Falle einer Sensibilisierung gegen Pla a 3 (LTP) sind bei uns vor allem Kreuzreaktionen mit Beifußpollen vorstellbar, da dort ebenfalls ein LTP (Art v 3) enthalten ist. Vermutlich enthält auch Eschenpollen ein kreuzreaktives LTP. Ob dies auch tatsächlich klinische Relevanz hat, ist aber nicht untersucht.

Sie erwähnten, dass eine Platanenpollen-Allergie in Wirklichkeit eine Nahrungsmittelallergie sein könnte…

Tatsächlich kann man eine Platanenpollensensibilisierung als Risikomarker für eine simultane Nahrungsmittelallergie betrachten. Wie schwer solche Reaktionen ausfallen können, hängt vom individuellen Sensibilisierungsprofil ab. Beruht die Sensibilisierung auf Polcalcin, sind keine Nahrungsmittelprobleme zu erwarten, weil Polcalcine ausschließlich in Pollen vorkommen. Beruht sie auf Profilin, können theoretisch alle pflanzlichen Nahrungsmittel Probleme machen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen sind aber eher selten und in der Regel auf milde orale Symptome beschränkt.

Solche Unverträglichkeitsreaktionen sind aber eher selten und in der Regel auf milde orale Symptome beschränkt.

Typische Auslöser einer Profilin-Allergie in der Praxis sind zum Beispiel:

  • Melonen
  • Banane
  • Tomate
  • Mango

Schwerere Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie sind hingegen bei Platanenallergikern mit einer Pla a 3-Sensibilisierung denkbar.

Warum kann es bei Platanenallergikern mit einer Pla a 3-Sensibilisierung zu einem allergischen Schock kommen?

Wenn man gegen Pla a 3 sensibilisiert ist, kann das deshalb gefährlich werden, weil Pla a 3 mit anderen LTPs in pflanzlichen Nahrungsmitteln kreuzreagieren kann. Da LTPs in sehr vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen und sich all diese LTPs mehr oder weniger ähnlich sind, können sehr viele Obst- und Gemüsesorten sowie Nüsse Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Häufige Auslöser für allergische Reaktionen bei LTP-Allergikern sind:

  • Kern- und Steinobst
  • Beerenfrüchte
  • Nüsse
  • Seltener: Banane, Kiwi, Granatapfel, Tomate, Paprika, Brokkoli, Mohn

Im Falle einer gesicherten LTP-Sensibilisierung ist eine detaillierte Austestung mit Nahrungsmitteln oft hilfreich, weil die Kreuzallergie-Muster individuell sehr unterschiedlich sein können. Der Test kann zwar allergische Reaktionen nicht sicher voraussagen, aber zumindest aufzeigen, bei welchen Nahrungsmitteln Probleme auftreten könnten.

Interessanterweise enthält auch Hanf (Cannabis) ein LTP, und bei manchen Patienten scheint Cannabiskonsum die primäre Ursache der LTP-Allergie zu sein. Für diese Patienten besteht ein besonders hohes Risiko, auf Hanfsamen und Hanfmehl allergisch zu reagieren. Beim Cannabiskonsum selbst kommt es hingegen meist zu keinen oder nur milden Symptomen.

Kann man auch durch die Verwendung von CBD Öl Heuschnupfen ähnliche Symptome entwickeln?

Über den Allergengehalt in CBD Ölen oder anderen neuartigen Hanfprodukten, speziell über ihren LTP-Gehalt, ist wenig bekannt. Öle enthalten grundsätzlich nur sehr wenig Allergene, weil letztere meist wasserlöslich sind. Allergische Reaktionen auf CBD Öle sind demnach wenig wahrscheinlich und wurden auch nicht als CBD Nebenwirkung beschrieben. Bei wässrigen CBD-Präparaten könnte das anders sein. Diese enthalten möglicherweise relevante Mengen an LTPs, sodass man bei LTP-allergischen Personen Symptome nicht ganz ausschließen kann. Gesicherte Beobachtungen diesbezüglich liegen aber meines Wissens nicht vor. Wichtig ist zu wissen, dass die Allergenität von Hanf nicht von seinem THC- oder CBD-Gehalt abhängt.

Wie erfolgt die Diagnose der Platanenpollen-Allergie, welche Allergie-Tests gibt es dafür?

Die Diagnose einer Allergie auf Platane erfolgt wie bei anderen Pollenallergien mittels Hauttest (Pricktest) und Bluttest. Aufgrund ihrer geringen lokalen Bedeutung wird die Platane aber bei uns nicht immer routinemäßig mitgetestet.

Die in vitro-Testung mit einem Platanen-Gesamtextrakt ist selten hilfreich, da sie nichts über die molekularen Hintergründe der Sensibilisierung aussagt, also nicht zwischen echter Platanenallergie und Kreuzallergie unterscheiden kann. Zum Nachweis einer „echten“ Platanenpollenallergie gibt es spezielle Bluttests auf das Hauptallergen Pla a 1 und (im ALEX® Allergenchip) auch auf Pla a 2. Nützlich ist auch eine Testung auf Profilin (zum Beispiel Phl p 12, Bet v 2) und Polcalcin (zum Beispiel Phl p 7, Bet v 4), weil diese Panallergene häufige Ursache einer Platanensensibilisierung sind. Schließlich gibt es auch Bluttests auf das Platanen-LTP (Pla a 3). Ein positiver Test auf Pla a 3 ist aber, wie oben ausgeführt, in den allermeisten Fällen Ausdruck einer bestehenden LTP-Sensibilisierung, die ursprünglich durch andere LTPs ausgelöst wurde (z.B. Pfirsich oder andere Nahrungsmittel). Ist Pla a 3 positiv, macht es Sinn, auch andere LTPs zu testen (z.B. Pfirsich Pru p 3, Haselnuss Cor a 8, Walnuss Jug r 3) und eine vertiefende Anamnese bzgl. Nahrungsmittelunverträglichkeiten durchzuführen.

Wie therapieren Sie die Platanenpollen-Allergie?

Ein durch Platanenpollen ausgelöster Heuschnupfen kann so wie andere Pollenallergien medikamentös durch lokale oder systemische Antihistaminika und/oder Steroide behandelt werden. Eine spezifische Immuntherapie ist nur bedingt möglich, da einerseits keine validierten Therapiepräparate auf dem Markt verfügbar sind und andererseits Impfstoffe für solche seltenen Allergene zunehmend vom Markt verschwinden. Sind Kreuzreaktionen über Profilin und/oder Polcalcin die Ursache einer Platanenpollensensibilisierung, dann wird bei Durchführung einer Immuntherapie gegen andere Pollen, zum Beispiel Gräser oder Birke, gleichzeitig auch die Platanenpollenallergie „mitbehandelt“.

Eignet sich auch CBD, sprich Cannabidiol, zur Therapie von Heuschnupfen?

Dazu gibt es keine experimentellen Daten. Aus Mausmodellen gibt es gewisse Hinweise, dass CBD eine antientzündliche Wirkung beim Asthma haben könnte und in hohen Dosen auch allergische Hautreaktionen abschwächen könnte. Diese Daten sind aber sehr präliminär und hypothetisch. Aus dem Humanbereich liegen keine Studien vor.

Worauf sollten Allergiker mit einer Allergie gegen Platanenpollen besonders achten?

Von Seite der Atemwege unterscheidet sich eine Platanenpollenallergie nicht wesentlich von anderen Pollenallergien. Im Falle einer „echten“ Platanenpollenallergie sollten blühende Bäume bzw. Platanenalleen während der Hauptblütezeit gemieden werden. Sehr hohe Pollenkonzentrationen in Europa findet man z.B. in SW-Frankreich, in der Türkei (Istanbul) und insbesondere in Spanien, wo die Platane in Städten sehr zahlreich angepflanzt wird, zum Beispiel Madrid und Barcelona. Pollen-Hauptbelastungszeit ist dort März, bei uns April-Mai. Wegen der möglichen Querverbindungen zu Nahrungsmittelallergien kann manchmal auch eine gezielte Abklärung bezüglich einer LTP-Sensibilisierung sinnvoll sein.

Herr Univ. Doz. Dr. Hemmer, herzlichen Dank für dieses Interview!


Univ.-Doz. Dr. rer.nat. Wolfgang Hemmer, Bildquelle: W. Hemmer

Univ.-Doz. Dr. rer.nat. Wolfgang Hemmer ist seit 1993 in der Wissenschaftsabteilung des FAZ – Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien tätig. Er arbeitet in der klinisch orientierten Grundlagenforschung mit Schwerpunkt auf Inhalations- und sekundären Nahrungsmittelallergien sowie Insektengiftallergien. 2004 habilitierte er sich im Fach Allergologie/Immunologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

22. Februar 2026
Autor: S. Jossé/Univ. Doz. Dr. med. Wolfgang Hemmer

Artikel teilen

Lesen Sie auch
Weitere Beiträge