Allergie Birkenpollen Pollenallergiker

Dr. Maud-Bettina Hilka, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in der HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden

Allergie auf Birkenpollen – viele Pollenallergiker sind betroffen!

Bei Pollenallergien und Heuschnupfen stellen die Birkenpollen Allergiker unter den Heuschnupfengeplagten die mit Abstand größte Gruppe dar. Ist das Allergen der Birke besonders aggressiv? Welche Kreuzallergien sind möglich? Bei welchen Nahrungsmitteln muss man aufpassen? Wie sieht die Therapie aus? MeinAllergiePortal  sprach mit Dr. Maud-Bettina Hilka, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in der HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden über die Birkenpollen-Allergie, den „Feind Nr. 1“!

Frau Dr. Hilka, wie stark ist das Allergen der Birkenpollen?

Birkenpollen sind ein sehr starkes Allergen. Es gibt Pollen mit unterschiedlicher Molekülgröße, wobei die mittlere Größe am allergensten ist. Die Pollen der Birke haben genau diese mittlere Molekülgröße und diese führt zu starken allergischen Symptomen. Hinzu kommt aber auch die Verbreitung der Birke.

Wo wachsen die Birken in Deutschland?

Birken sind ubiquitär, d.h. sie wachsen überall und sie produzieren große Pollenmengen. Aber angesichts der Tatsache, dass Birkenpollen über 300 km weit fliegen können, ist der Standort eigentlich nicht relevant.

Die Kombination all dieser Faktoren plus ihre Allergenität macht die Birke unter den Pollenallergien zu unserem Feind Nr. 1!


Gibt es bei Birkenpollen-Allergie Kreuzreaktivitäten zu anderen Baumpollenallergenen?

Das Allergen der Erle hat eine sehr große Verwandtschaft  mit dem Birkenpollenallergen. Dementsprechend können Birkenpollen-Allergiker auch auf Erle reagieren.

Auch auf das Allergen der Weide reagieren viele Birkenpollen-Allergiker mit Symptomen. Patienten, die ausschließlich auf das Allergen der Weide mit Symptomen reagieren, sind hingegen selten.

Welche Kreuzreaktivitäten auf Nahrungsmittel gibt es bei der Birkenpollenallergie?

Birkenpollenallergiker können auf eine ganze Reihe von Nahrungsmitteln mit dem oralen Allergiesyndrom reagieren. Das orale Allergiesyndrom zeigt sich vorwiegend im Mund- und Rachenbereich und äußert sich z.B. durch ein Bitzeln im Mundbereich, Schwellungen etc..

Zu Reaktionen kann es bei allen Nahrungsmittel kommen, die Proteine enthalten, die dem Haupt-Allergen der Birke Bet v1 in ihrer Struktur ähneln. Dazu gehören:

•    Nüsse wie Haselnüsse, Paranüsse, Mandeln oder Walnüsse

•    Obstsorten wie Apfel, Zwetschge, Aprikose, Birne, Pfirsich, Pflaume, Kirsche, Brombeere, Himbeere, Kiwi

•    Gemüsesorten wie Kartoffeln, Paprika, Karotten, Sellerie

Da die Allergene der genannten Obst- und Gemüsesorten hitzelabil sind, d.h. durch Erhitzen zerstört werden, sind sie in gekochtem oder verbackenem Zustand verträglich.

Der Kontakt der rohen Nahrungsmittel mit der Schleimhaut des Auges, z.B. durch Augenreiben beim Kartoffelschälen, kann jedoch ebenfalls zu Allergiesymptomen führen.

Vorsicht ist jedoch bei den Nüssen geboten. Die Allergenität der Nüsse wird durch das Erhitzen beim Kochen, Backen oder Rösten nicht vermindert, sondern kann sogar zunehmen. Tritt ein orales Allergiesyndrom auf, kann dies gefährlich werden, z.B. wenn der gesamte Zungengrund anschwillt und es dadurch zu Luftnot kommt. Ich rate Menschen mit Baumpollenallergien deshalb generell, auf Nüsse zu verzichten.


Wie erfolgt die Diagnose der Birkenpollen-Allergie?

Zur Diagnose der Birkenpollen-Allergie würde man in der Anamnese zunächst bestimmen, welche Beschwerden wann auftreten, um das Allergen einzugrenzen. Für weitere Untersuchungen steht der Prick-Test zur Verfügung. Im klassischen Prick-Test gehört das Birkenpollenallergen zum Standard. Gibt es Unklarheiten, kann eine RAST-Untersuchung, d.h. ein Bluttest, angeschlossen werden.  

Da die Birkenpollen-Allergie zu den häufigsten Baumpollen Allergien gehört, gibt es viele Hersteller, die hervorragenden Allergenextrakt-Präparate zur Diagnose und Therapie anbieten.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei der Birkenpollen-Allergie?

Es gibt nur sehr selten monosensibilisierte Menschen, die allein an einer Birkenpollen-Allergie leiden. Bei diesen Patienten kann man mit der spezifischen Immuntherapie gegen Birke das Immunsystem so positiv beeinflussen, dass die Therapie zu 80 Prozent erfolgreich ist. Generell haben monosensibilisierte Patienten mit der SIT die größten Erfolgsaussichten.

Bei den polysensibilisierten Birkenpollen Allergikern findet man häufig zusätzliche Sensibilisierungen auf z.B. Gräser, Hausstaubmilbe, Schimmelpilz oder Katze. In unserer Praxis bilden die polysensibilisierten Pollenallergiker die Mehrzahl.

Schlägt eine symptomatische Therapie mit Nasenspray, Augentropfen und einem oralen Antiallergikum nicht an, würde man eine spezifische Immuntherapie empfehlen. Dafür würde ich die Hauptallergene bestimmen und maximal zwei Allergene parallel immuntherapieren.

Bei polysensibilisierten Allergikern haben wir durchaus die Erfahrung gemacht, dass die Therapie der Hauptallergene auch die allergischen Symptome der Nebenallergene positiv beeinflusst. Das bedeutet, durch eine SIT gegen das Allergen der Birkenpolle oder Hausstaubmilbe kann es sein, dass auch die allergischen Reaktionen auf das Allergen der Katze ausbleiben. Das zeigt, dass eine spezifische Immuntherapie das Immunsystem nicht nur im Hinblick auf das therapierte Einzelallergen moduliert, sondern dass dabei „mehr passiert“.

Warum würden Sie mit der SIT nicht mehr als zwei Allergene parallel therapieren?

Eine spezifische Immuntherapie ist für das Immunsystem eine Herausforderung. Viele Patienten sind nach der Immuntherapie erschöpft und für ein paar Tage danach auch nicht optimal leistungsfähig. Die Symptome ähneln im Prinzip den Nebensymptomen des Heuschnupfens, denn eine Therapie fordert das Immunsystem. Zwei Allergene parallel sind aus meiner Sicht für das Immunsystem zu bewältigen, mehr als zwei Allergene würde ich nicht parallel therapieren.

Frau Dr. Hilka, herzlichen Dank für  dieses Gespräch!

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