Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Haselpollen Allergie

Dr. Sven Becker, Oberarzt an der HNO-Universitätsklinik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, über die Haselpollen-Allergie und was Haselpollen-Allergiker beachten sollten

Haselpollen-Allergie? Was sollten Haselpollen-Allergiker beachten?

Haselbäume blühen schon sehr früh im Jahr, sie gehören zu den sogenannten Frühblühern. Darauf sollten sich Pollenallergiker, die auf Haselpollenallergene reagieren, einstellen. Aber auch beim Verzehr gewisser Nahrungsmittel kann man Allergiesymptome bekommen,  wenn man allergisch auf Hasel reagiert. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Sven Becker, Oberarzt an der HNO-Universitätsklinik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, über die Haselpollen-Allergie und was Haselpollen-Allergiker beachten sollten, insbesondere bei der Diagnostik.

Herr Dr. Becker, wie häufig ist bei Pollenallergikern die Allergie auf Hasel-Pollen?

Allergische Reaktionen auf Hasel-Pollen sind häufig, vor allem weil Sie mit Allergien gegen andere früh blühende Bäume assoziiert sind, den sogenannten Bet v 1 Homologen. Vor allem die Birke ist hier zu nennen, deren Hauptallergen (Bet v 1) sich auch in der Hasel und z. B. der Erle findet.

Hasel gehört zu den sogenannten „Frühblühern“, in welchen Monaten müssen Haselpollen-Allergiker klassischerweise mit „ihren“ Allergenen rechnen?

Der Pollenflug ist regional unterschiedlich. In warmen Regionen kann der Pollenfug der Hasel bereits im Januar beginnen, in kälteren Regionen startet die Saison etwas später. Die höchste Belastung mit Haselpollen findet man um den Monat März herum. Warme Winter können den Pollenflug etwas früher beginnen lassen.


Bei Pollenallergikern kann es zu Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel kommen. Worauf müssen Hasel-Pollenallergiker achten?

Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel bei Pollenallergikern spielen sich zumeist an der Mundschleimhaut ab und werden als orales Allergiesyndrom bezeichnet. Patienten mit einer Pollenallergie auf frühblühende Bäume zeigen dabei häufig eine Unverträglichkeit gegen Stein- und Kernobst aber auch gegen verschiedene Nussarten.

Bei den folgenden Kernobst- oder Steinobst-Sorten kann es bei einer Allergie auf Hasel-Pollen zu allergischen Reaktionen, wie z.B. dem oralen Allergiesyndrom kommen:

-    Apfel (am häufigsten)

-    Birne

-    Pfirsich

-    Aprikose

-    Kirsche

-    Nektarine

-    Pflaume

-    Kiwi (selten)

Bei den folgenden Nussarten kann es bei einer Allergie auf Hasel-Pollen zu allergischen Reaktionen, wie z.B. dem oralen Allergiesyndrom, kommen:

-    Haselnuss

-    Walnuss

-    Mandeln

-    Paranuss

-    Erdnuss

-    Soja

Bei Genuss dieser Nahrungsmittel kann es bei Haselpollen-Allergikern zu Kribbelgefühl und Schwellungen im Bereich der Schleimhäute, vor allem im Bereich des Mundes kommen.

Die Beschwerden können ganzjährig auftreten, sie können aber während der Pollenflugsaison deutlich stärker ausgeprägt sein, da sich der Körper hier bereits intensiv mit den in der Luft befindlichen Pollen auseinander setzten muss.


Welche Therapien stehen bei der Allergie auf Hasel-Pollen zur Verfügung?

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit der symptomatischen Therapie und der kausalen Therapie (spezifische Immuntherapie). Die symptomatische Therapie beinhaltet die Gabe von topischen Steroiden und Antihistaminika (Nasensprays), sowie die orale Therapie mittels Antihistaminika, Leukotrien-Rezeptorantagonisten und Mastzellstabilisatoren. Diese Therapieform lindert lediglich die Symptome, bekämpft die Allergie aber nicht kausal. Die spezifische Immuntherapie dagegen greift in die Immunantwort des Körpers ein und normalisiert die Reaktion auf die Haselpollen.

Ab welchem Schweregrad der Symptome sollte man bei einer Hasel-Pollenallergie eine spezifische Immuntherapie erwägen?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da eine ganze Reihe von Faktoren bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden müssen. Hierzu zählen Begleiterkrankungen, Medikamente, aber auch die zu erwartende Compliance des Patienten.

Gegen die Behandlung einer Allergie auf Haselpollen durch eine spezifische Immuntherapie spricht z.B. ein Bluthochdruck, der mit einem Betablocker behandelt wird. Die aktuellen Leitlinie weist dies als eine klare Kontraindikation bei einer Immuntherapie aus. Dabei liegt das Problem nicht in der Erkrankung „Hypertonie“, sondern beim Medikament, mit dem man den Bluthochdruck behandelt, den Betablockern. In diesem Fall wäre es eine Option, den Patienten auf ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe umzustellen, bevor mit der Therapie begonnen wird.

Eine weitere Kontraindikation bei der spezifischen Immuntherapie stellt das schwere, unkontrollierte Asthma bronchiale dar. Eigentlich bräuchten gerade diese Patienten eine Therapie mit der SIT, aber das Risiko, dass es unter der spezifischen Immuntherapie zu schweren allergischen Reaktionen kommt, ist hier zu hoch.  

Bei der Therapieentscheidung spielt aber auch die zu erwartende Compliance des Patienten eine zunehmend wichtigere Rolle.

Welche Rolle spielt die Compliance des Patienten bei der Immuntherapie?

Bei einem Patienten, der dazu neigt, Behandlungstermine häufig ausfallen zu lassen, macht eine Therapie wie die spezifische Immuntherapie oft keinen Sinn.

Die bisher durchgeführten Studien haben gezeigt, dass die Compliance bei der SIT oft erstaunlich schlecht ist, insbesondere bei der sublingualen Immuntherapie mittels Tropfen oder Tabletten, die die Patienten zu Hause durchführen können. Eine bessere Compliance wird mit der subkutanen Immuntherapie (meist monatliche Spritze) erreicht, denn dafür muss der Patient in die Arztpraxis kommen.

Generell sollte eine Immuntherapie immer angestrebt werden, wenn die Lebensqualität des Patienten spürbar beeinträchtigt ist, dies bezieht sich auf das Arbeitsleben genauso wie auf die Freizeit. Neben der Reduktion der Symptome verhindert die spezifische Immuntherapie darüber hinaus das Auftreten weiterer Allergien sowie die Ausbildung eines allergischen Asthma bronchiale (Etagenwechsel).


Welche SIT-Formen stehen aktuell zur Verfügung?

Aktuell stehen unterschiedliche Therapieformen zur spezifischen Immuntherapie der Hasel-Allergie zur Verfügung. Sie kann konventionell subkutan mit der Spritze oder sublingual in Form von Tropfen durchgeführt werden. Bei der subkutanen Immuntherapie gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Dosierungsschemata, die an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden können.

Klassischerweise wird eine Therapie in der Haselpollen-freien Zeit, also z.B. in den Sommermonaten, begonnen. Verschiedene Firmen bieten aber auch Präparate an, die co-saisonal, also während oder kurz vor der Pollenflugsaison, begonnen werden können. Die Erfolgsquote ist hoch. Der Diagnostik kommt dabei ein sehr hoher Stellenwert zu. Das Wissen um die chemische Struktur der allergieauslösenden Stoffe hat in den letzten Jahren stark zugenommen und trägt wesentlich zur Verbesserung der Therapieentscheidung bei.

Zum Thema Diagnostik, welchen Stellenwert hat die molekulare Allergiediagnostik  für den Therapieerfolg?

Aus meiner Sicht hängt der Therapieerfolg in hohem Maße von der Qualität der Diagnostik ab. Mit der molekularen Allergiediagnostik ist es im Gegensatz zur herkömmlichen Allergiediagnostik möglich, das auslösende Allergen exakt zu bestimmen. Das gibt Sicherheit bei der Wahl des richtigen Präparates.

Viele Ärzte nutzen jedoch die Möglichkeiten der molekularen Allergiediagnostik noch nicht, da der Einsatz der Allergenkomponenten, genau wie die korrekte Interpretation der Ergebnisse, einer gewissen Erfahrung bedarf.

Für Patienten mit komplexeren Fragestellungen (z. B. Polysensibilisierte oder Patienten mit zusätzlichen Nahrungsmittelallergien oder einem ausgeprägten oralen Allergiesyndrom) trägt die molekulare Allergiediagnostik maßgeblich zur Klärung einer entsprechenden Allergie bei. Auch für Patienten, die eine erfolglose SIT hinter sich gebracht haben, lohnt sich eine erneute Untersuchung mit der molekularen Diagnostik, da diese das zugrunde liegende Problem aufdecken kann.

Herr Dr. Becker, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.