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Gräserpollen Allergie

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Gräserpollen-Allergie: Ist die Allergie-Potenz entscheidend für Symptome?

Gräserpollen sind ein Gemisch aus Pollen von verschiedenen Gräser-Spezies, die ab dem Frühsommer anfangen zu blühen. Viele Pollenallergiker reagieren in dieser Zeit mit heftigen Heuschnupfen-Symptomen. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Anzahl der Pollen ausschlaggebend für die Schwere der Symptome ist. Durch das EU-Projekt „HIALINE“ konnte man jedoch Erkenntnisse gewinnen, die weitere Faktoren ins Spiel bringen. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München, über Allergie-Potenz, seine Gräserpollenstudie und die daraus gewonnen Erkenntnisse.1)

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters

Gräserpollen sind in Europa die wichtigsten Aeroallergene. Um das Ausmaß der Allergenität der Gräserpollen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beurteilen, wird deshalb klassischerweise eine Zählung der Pollen vorgenommen.

Eine Erkenntnis aus unserem Projekt HIALINE (Health Impacts of Airborne Allergen Information Network) hat jedoch gezeigt, dass diese Vorgehensweise nicht unbedingt aussagekräftig ist. Im Rahmen unserer Untersuchung an Birkenpollen und Olivenpollen haben wir gesehen, dass die Anzahl der Pollen nicht unbedingt mit der Allergenität der Pollen übereinstimmt. Deshalb wollten wir wissen, ob dies für Gräserpollen auch zutrifft.

Wie sind Sie bei Ihrer Gräserpollen-Studie vorgegangen?

Für unsere Gräserpollen-Studie haben wir im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 in acht europäischen Ländern tägliche Messungen vorgenommen. Dafür haben wir parallel die Anzahl der Gräserpollen in der Luft und die Konzentration der Majorallergene der Gruppe 5 vorgenommen.

Zur zahlenmäßigen Erfassung der Grässerpollenallergene der Gruppe 5 (Phl p 5)  haben wir einen High-Volume- Kaskadenimpaktor für Feinstaub verwendet, der Feinstaubpartikel in einer gewissen Größe erfasst, d.h. Feinstaub mit Partikeln >10µm, oder Feinstaub mit einer Größe kleiner als 10µm aber größer als 2,5µm (10µm>PM>2.5µm). Dazu wurden volumetrische Pollenfallen von Hirst genutzt.

Parallel dazu wurde die Allergenität der Grässerpollen mit einem Test nach ELISA-Standard gemessen. Mit Hilfe eines speziellen Verfahrens, dem  „System for Integrated modeLing of Atmospheric coMposition“ (SILAM), haben wir zusätzlich die Herkunft der gesammelten Gräserpollen ermittelt.

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Welche Erkenntnisse haben Sie mit Ihrer Gräserpollenstudie gewonnen?

Das Ergebnis unserer Studie war, dass wir bei den Feinstaubpartikeln der Größe über 10 µm in über 85 Prozent der Fälle Allergene nachweisen konnten, die eindeutig von Gräserpollen stammten. Durchschnittlich setzten die Gräserpollen 2.6 pg Phl p 5/pollen frei, ähnlich wie bei den zuvor untersuchten Birken- und Olivenpollen. Allerdings gab es erheblich Unterschiede in Bezug auf die Ursprungsländer der Gräserpollen und auch in Bezug auf das Erfassungsjahr.

Welche Unterschiede gab es zwischen Ländern und Erfassungsjahren?

In Evora, einer Stadt in Portugal und der italienischen Stadt Parma zeigte sich z.B. dass Gräserpollen im Vergleich zum europäischen Durchschnitt im Mittel 40 Prozent weniger Allergene freisetzten. Beim Vergleich der einzelnen Jahre haben wir Differenzen von bis zu 700 Prozent vorgefunden, z.B. beim Vergleich von Italien im Jahr 2011 zu England im Jahr 2009. Unsere Analyse bezieht sich dabei auf die jährlichen Durchschnittswerte, die ebenfalls bereits einen auf ca. 90 Tage bezogenen Durchschnittswert repräsentieren. Vergleicht man einzelne Länder auf Tagesebene sind die Unterschiede sogar noch extremer.

Das Fazit Ihrer Gräserpollenstudie lautet also?

Das Ergebnis der Gräserpollenstudie ist: Gräserpollen enthalten unterschiedliche Allergenmengen, je nach Herkunftsland und Tag bzw. Jahr. Wir denken, dass sich der Allergen-Austoß der Gräserpollen - Phl p 5 - aus einer Mischung der Faktoren Gräserart, dem Herkunftsland und den spezifischen Umweltbedingungen vor Ort definiert.

Momentan wissen wir, dass die traditionellen Pollenzählungen eine relevante Information sind. Unsere Daten zeigen jedoch, dass es, abgesehen von der bloßen Anzahl der Pollen Faktoren gibt, die zusätzlich relevant sind und die die Allergenfreisetzung der Gräserpollen maßgeblich beeinflussen. Ein Beispiel: In etwa 10 Prozent der Fälle setzen Gräserpollen überhaupt kein Gruppe 5 Allergen frei. Dies ist besonders am Anfang der Gräserpollensaion zu beobachten.

Wie geht es weiter mit der Gräserpollenstudie?

Für die Forschung ist es ein wichtiges Ziel herauszufinden, worauf genau die Patienten reagieren, auf die Pollenmenge oder die Pollenallergenität. Um das herauszufinden, müssen die Patienten ihre Allergie-Symptome während der Pollenflugzeit aufzeichnen und wir müssen Zugang zu diesen Daten haben.

Wenn die Patienten dazu das elektronische Pollentagebuch „Pollen“ benutzen, eine kostenlose App für iPhone und Android, schlagen wir „zwei Fliegen mit einer Klappe“. Wir Forscher sehen Zusammenhänge zwischen Pollenflug, Allergenmenge und Symptomen und der Patient bekommt einen Überblick darüber, auf was er allergisch reagiert und in welcher Intensität. Der Patient kann dann besser einschätzen, wann und in welcher Dosierung er seine Medikamente einnehmen muss, um Symptomfreiheit zu erreichen und wir Forscher lernen mehr über die entsprechenden Mechanismen.

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) The HIALINE working group, Jeroen Buters, PhD, et. al., Variation of the group 5 grass pollen allergen content of airborne pollen in relation to geographic location and time in season, Journal of Allergy and Clinical Immunology Published Online: May 06, 2015

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.