Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Mehr Heuschnupfen Symptome durch Sport? Auswirkungen der Pollenallergie auf Sportler!

Die Zahl der Freizeitsportler wächst und die Anzahl der Menschen, die unter einer Pollenallergie leiden, ist hoch. Kölner Sportwissenschaftler haben sich in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie – IMSIE der Universität Köln deshalb die Frage gestellt, ob professionelle Athleten oder sportlich aktive Freizeitsportler in der entsprechenden Pollensaison unter stärkeren Heuschnupfensymptomen leiden, als die „sportabstinente“ Normalbevölkerung. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Markus de Marees, Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik, Deutsche Sporthochschule Köln über erste Erkenntnisse seiner Untersuchung.

Herr Dr. de Marees, Sie haben die Auswirkungen der Pollenallergie auf verschiedene Sportlergruppen untersucht. Was konnten Sie feststellen?

Mit unserer Studie haben wir untersucht, inwieweit die Sport treibende Bevölkerung vermehrt unter Heuschnupfen-Symptomen leidet. Freizeitsportler halten sich beim Ausüben ihrer Sportart häufig im Freien auf und kommen so vermehrt mit dem Allergen in Kontakt. Deswegen wollten wir überprüfen, ob die Sportler dadurch auch stärker unter Symptomen leiden.

In der Tat konnten wir eine Tendenz feststellen, dass die Pollenallergie-Symptome bei Sportlern in der Pollensaison im Vergleich zur Normalbevölkerung geringfügig verstärkt auftreten. Die Sportler berichteten zum einen von typischen Symptomen wie Augenjucken, Nase laufen, Niesreiz etc., klagten aber auch unter Leistungsabfall. Einige gaben an, bei Beschwerden ihr Trainingspensum entsprechend anzupassen, einig wenige mussten sogar das Training aussetzen oder Wettkämpfe abbrechen.

Wie sind Sie bei Ihrer Studie vorgegangen und welche Sportarten haben Sie untersucht?

Wir haben eine Gruppe von über 600 Sportlern in unsere Studie eingeschlossen, haben ermittelt, wie häufig der Heuschnupfen auftrat und haben diese Daten dann mit Publikationen zu Nicht-Sportlern verglichen.

Unter den Sportlern waren sehr viele Läufer, Radfahrer und Schwimmer. Bei den Mannschaftssportarten waren Fußball, Volleyball, Handball und Tennis vertreten – alles Sportarten, die man im Freien ausübt. 


Gab es Auffälligkeiten in Bezug des zeitlichen Auftretens der Symptome?

Das zeitliche Auftreten der Symptome entsprach den jeweils relevanten Allergenen. Bei den Sportlern, die z.B. gegen Frühblüher allergisch waren, traten die Symptome zu der Zeit auf, in denen die Frühblüher Pollen flogen und danach hatten sie keine Probleme mehr.

Dabei sollte man aber beachten, dass sich bei 40 Prozent der Pollenallergiker irgendwann ein allergisches Asthma einstellt. Eine frühzeitige Behandlung ist deshalb äußerst wichtig, um diesen Etagenwechsel zu verhindern, auch, wenn man nur für kurze Zeit unter Symptomen zu leiden hat.

Haben denn die Sportler in Ihre Studie entsprechende therapeutische Maßnahmen ergriffen?

Wir haben die Sportler in unserer Studie auch in Bezug auf die ergriffenen Maßnahmen bzw. die angewendeten Therapien befragt. Eine Vielzahl der Sportler gab an, „ihr“ Allergen zu meiden und in der entsprechenden Pollensaison nicht ins Freie zu gehen und ein weiterer großer Teil gab an, den Heuschnupfen symptomatisch mit Medikamenten zu behandeln, durch Antihistaminika, Nasentropfen etc. und einige nutzten alternative Heilverfahren. Nur ein geringer Prozentsatz der Befragten versuchte nicht nur die Symptome der Allergie zu lindern sondern unterzog sich einer Hyposensibilisierung.

Zurück zu den Trainingseinbußen. Konnten sie beziffern, wie stark diese Beeinträchtigungen waren?

Wir haben versucht diese Frage zu klären, indem wir die Sportler gefragt haben, wie häufig sie ihr Training heuschnupfenbedingt anpassen mussten und wie häufig sie ein Training ausfallen lassen mussten. Das Spektrum reichte zwischen „ich musste das Training nie ausfallen lassen“ bis „ich musste jedes zweite Training ausfallen lassen“. Unter den befragten Allergikern gab es niemanden, der keine Einschränkungen hinnehmen musste.


Konnten Sie ermitteln, aus welchen Gründen die Sportler bestimmte Therapieformen wählten? Warum z.B. entschieden sich nur wenige Sportler für eine spezifische Immuntherapie (SIT)?

Die Gründe, die bei den Sportlern zur Entscheidung für bestimmte Therapieformen führten, waren vielfältig. Bei der Hyposensibilisierung spielte das Wissen bzw. Nicht-Wissen um diese Therapieformen eine Rolle. Ein weiterer Faktor war die Frage nach der Übernahme der Therapiekosten durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Auch das Thema „Nebenwirkungen“ spielte im Zusammenhang mit der SIT eine Rolle. Die Sportler stellten sich Fragen wie: Wirkt sich die Behandlung leistungsmindernd aus? Wie lange muss ich die Therapie durchführen? Wieviel Zeit muss ich in die Therapie investieren? Eine ganz besonders wichtige Frage für die Sportler war: Inwieweit ist die Therapie dopingrelevant?

Gab es in Ihrer Untersuchung Unterschiede je nachdem, wie professionell die Sportart betrieben wurde?

Die befragte Gruppe war sehr heterogen, d.h. die Befragten betrieben ihren Sport auf sehr unterschiedlichem Niveau. Man konnte in unserer Studie zwei Tendenzen erkennen.

Zum einen fragten sich viele betroffene Allergiker: Wie stark ist meine Leistung trotz Allergie steigerungsfähig? Kann ich trotz Allergie eine Trainingsleistung erbringen, die mich in internationalen Spitzenwettkämpfen konkurrenzfähig macht?

Zum anderen gibt es Medikamente zur Behandlung von Allergien, die eine leistungsfördernde Wirkung haben und von Nicht-Allergikern zur Leistungssteigerung eingesetzt werden. Kortisonhaltige Asthmasprays z.B. verhelfen Asthmatikern durch ihre bronchienerweiternde Wirkung zu einer normalen Atemleistung. Bei Menschen mit Asthma führt der Allergenkontakt zu Entzündungsreaktionen und dadurch sind die Bronchien verengt.

Bei gesunden Menschen führen die kortisonhaltigen Asthmasprays dazu, dass man eine geringere Atemleistung bringen muss um eine entsprechende Luft in die Lungen zu bringen und das kann die Leistung steigern. Wenn gesunde Menschen diese Sprays nutzen – und dies kommt tendenziell eher im Profisport und nicht bei Freizeitsportlern vor – muss man dies allerdings als Doping bezeichnen. Deswegen stehen diese Substanzen auch auf der Dopingliste. Außerdem sollte man immer bedenken, dass man von Asthmasprays auch psychisch abhängig werden kann. Dies gilt übrigens auch für den übermäßigen Gebrauch von Nasentropfen, der bei Schwimmern hin und wieder zu beobachten ist. Und: Es gibt auch Nasentropfen, die auf der Dopingliste stehen.

Besteht jedoch tatsächlich ein vom Arzt bescheinigtes Belastungsasthma lassen die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) und World Anti-Doping Agency (WADA) für betroffene Sportler Ausnahmen zu.  

Herr Dr. de Marees, herzlichen Dank für dieses Gespräch!