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Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittelsensibilisierungen

Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin.

Kreuzreaktionen: Welche Nahrungsmittel-Sensibilisierungen sind selten?

Viele wissen, dass es bei einer Pollenallergie wie der Birkenpollenallergie auch zu Unverträglichkeitsreaktionen auf Äpfel kommen kann, z.B. in Form des oralen Allergiesyndroms. Es gibt jedoch noch andere Nahrungsmittel, die eine allergische Reaktion auslösen können. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin über Kreuzreaktionen und seltene Nahrungsmittelsensibilisierungen.

Herr Prof. Zuberbier, bei Birkenpollenallergikern kommt es häufig zu Kreuzreaktionen auf z.B. Äpfel. Welche Nahrungsmittelsensibilisierungen sind eher selten und auf welchen Atemwegsallergien beruhen sie jeweils?

Bei einer Allergie auf Birken- oder Beifußpollen können sich als Kreuzreaktion Nahrungsmittelallergien entwickeln. Hierbei sind seltene Nahrungsmittelallergieauslöser Kürbis- oder Sonnenblumenkerne, Senf oder Zitrusfrüchte. Bei diesen seltenen Auslösern einer Nahrungsmittelallergie kann man jedoch nicht immer zurückverfolgen, ob sie jetzt ausschließlich z.B. durch eine Birkenpollenallergie oder Beifußpollenallergie ausgelöst wurde.

Auch eine Latexallergie kann über eine Kreuzreaktion zu einer Nahrungsmittelallergie führen. Hier sind Allergien auf Avocado oder Banane möglich, aber selten.

Wie erfolgt die Diagnostik?

Die Diagnostik, auch für seltene Nahrungsmittelallergien, stützt sich immer auf mehrere Säulen. Eine eingehende Anamnese durch einen Allergologen und einer Ernährungsfachkraft ist die Basis. Durch die Auswertung eines Ernährungs- und Symptomprotokolls, die Durchführung von Sensibilisierungstests wie Hauttestung und Bestimmung von speziellen Allergiemarkern im Blut, kommt man dem Auslöser in vielen Fällen auf die Spur. Die klinische Relevanz sollte idealerweise mit einer oralen Nahrungsmittelprovokationstestung bestätigt werden.


Gibt es auch für die selteneren Sensibilisierungen die entsprechenden Extrakte?

Für eine Vielzahl von Nahrungsmittelallergenen liegen leider keine Extrakte vor, Grund ist eine neue gesetzliche Regelung, die gut gemeint Testallergene als Arzneimittel einstuft, aber damit leider erreicht, dass Allergietestungen im Hauttest nur noch sehr eingeschränkt möglich sind. Ist dies der Fall, so kann man mit den frischen Nahrungsmitteln testen  -  der ausführlichen Anamnese und der oralen Provokationstestung kommen daher noch mehr Bedeutung zu.

Wann ist ein oraler Provokationstest nötig?

Besteht nach Testung nicht eindeutig Klarheit, kann durch eine standardisierte orale Nahrungsmittelprovokationstestung der Auslöser gefunden werden. Hierbei werden die verdächtigen Nahrungsmittel unter ärztlich kontrollierten Bedingungen wiederholt verzehrt. 

Wie sieht die Therapie aus, müssen die relevanten Nahrungsmittel strikt gemieden werden?

Das ist genau richtig. Die derzeit einzige Therapie der Nahrungsmittelallergie ist der strikte Verzicht auf den Auslöser. Daher ist es sehr wichtig, den oder die individuellen Auslöser so genau wie möglich zu kennen, damit eine unnötig strenge und einschränkende Diät vermieden werden kann.

Inwiefern hilft die Hyposensibilisierung auf das Primärallergen?

Falls bei Allergien auf Äpfel oder Nüsse, eine Allergie auf z.B. Birken- oder Beifußpollen zugrunde liegt, bietet eine Hyposensibilisierung auf das Atemwegsallergen eine gute Therapieoption, die Chance auch auf Besserung der Kreuzallergie liegt bei ca. 50 Prozent.

Herr Prof. Zuberbier, herzlichen Dank für dieses Interview!