Ambrosie hohes Allergierisiko

Ambrosie

Ambrosie: Starke Vermehrung der letzten Jahre bedingt höhere Allergierisiken

Sie hatten den Klimawandel als Grund für das gute Gedeihen der Ambrosie in Europa genannt – gibt es weitere Gründe?

ambrosia artemisiifolia maennliche und weibliche bluetenAmbrosia artemisiifolia: Männliche und weibliche Blüeten ©Dr. Oliver Tackenberg, Institut für Ökologie, Evolution & Diversität, Goethe-Universität FrankfurtZurzeit untersuchen wir gerade, welche weiteren Faktoren für das gute Gedeihen der Ambrosie verantwortlich sein könnten. Eine Vermutung ist, dass die Ambrosie in Europa davon profitiert, dass sie ihre Fraßfeinde, wie z.B. Insekten, oder Krankheitserreger wie Pilze, Parasiten etc. hier nicht vorfindet. In Amerika gibt es allein hunderte von Käferarten, welche Ambrosien befallen und auch zahlreiche weitere Erreger, die die Pflanze schädigen können. In Europa gibt es deutlich weniger negative Einflüsse für die Ambrosie und die Pflanze ist so nicht gezwungen, Energie in die Bildung von Abwehrstoffen zu investieren. Das führt dazu, dass die Art regelrecht "Ballast abwerfen" kann und dadurch Energien freisetzt, die in das Wachstum investiert werden können – so wird eine regelrechte Evolution ausgelöst.

Kollegen haben sogar Hinweise darauf gefunden, dass bei der Ambrosie spezielle Gene, die für die Abwehr von Pathogenen, d.h. Krankheitserregern und Giften, zuständig sind, gezielt abgeschaltet werden – auch das setzt für die Pflanze enorme Ressourcen frei.

Ein weiterer Faktor, der sich in unseren Studien gezeigt hat und der dafür spricht, dass die Ambrosie hier gut gedeihen wird, ist, dass die europäischen Populationen der Ambrosie sehr variabel sind. Es gibt in Europa z.B. sowohl Ambrosia-Pflanzen, die früh blühen, als auch Spätblüher, genauso gibt es Populationen, die schnell wachsen, während andere langsamer wachsen und auch die Wuchsformen unterscheiden sich. Im Hinblick auf die Evolution bedeutet dies, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Ambrosie sehr gut an die hier vorherrschenden Umweltbedingungen anpasst und dass stärkere, schneller wachsende Ökotypen entstehen, durchaus hoch ist.

Wie kommt es zu dieser großen Variabilität bei der europäischen Ambrosie?

Die große Variabilität der europäischen Ambrosie hängt damit zusammen, dass die Art in Europa in gewisser Weise jeweils "isoliert" auftritt, während die Ambrosie in den USA ein großes in sich zusammenhängendes Verbreitungsgebiet abdeckt, bei dem die jeweiligen Populationen über einen langen Zeitraum hinweg miteinander in Verbindung bleiben.

In Europa wurden die Samen, oft durch Vogelfutter oder verunreinigtes Sonnenblumen-Saatgut aus Südost-Europa, in bestimmte Gebiete eingeschleppt und konnten sich dort isoliert von anderen Populationen, d.h. ohne einen Genfluss, entwickeln. So entstanden viele verschiedene Populationen, die, anders als in Amerika, genetisch nicht miteinander in Verbindung standen.

Wenn Schädlinge die Ambrosie in den USA "in Schach halten", könnte es dann sinnvoll sein, diese auch in Europa einzuführen?

Zu dieser Frage wird in der Tat zurzeit massiv geforscht und man hat die Wirkung von verschiedenen Käferarten, Pilzarten und Bakterienarten auf die Ambrosie untersucht. Bisher gibt es allerdings aus unterschiedlichen Gründen noch keine verwertbaren Ergebnisse. Zum einen kann eine biologische Schädlingsbekämpfung die Ausbreitung einer Population immer nur begrenzen, nicht aber komplett "auslöschen". Man kann dadurch auch nicht verhindern, dass Populationen überhaupt entstehen.

Die weit wichtigere Maßnahme wäre zum aktuellen Zeitpunkt, die Ausbreitung der Ambrosie in Mitteleuropa zu verhindern, solange sie noch nicht flächendeckend auftritt. Außerdem sollten die bereits bestehenden Populationen unbedingt bekämpft und regelmäßig und über mehrere Jahre hinweg kontrolliert werden.

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