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COVID-19 Risiko Pollenflug

Hohe Pollenzahlen erhöhen nicht das Risiko für COVID-19 Infektion bei Patienten mit Heuschnupfen und Asthma!

COVID-19: Kein erhöhtes Risiko durch Pollenflug!

Wiesbaden, 10.März 2021– In den vergangenen Wochen ist der Pollenflug von Erle und Hasel explodiert – der Frühling ist also da und Pollenallergiker leiden wie jedes Jahr. Doch Patienten mit Heuschnupfen und Asthma sind nun zusätzlich in großer Sorge durch Pressemeldungen über ein möglicherweise erhöhtes COVID-19-Infektionsrisiko durch hohen Pollenflug.

Im Durchschnitt 44 Prozent der Varianz in den Infektionsraten verschiedener Regionen aus mehr als 31 Ländern weltweit seien durch erhöhten Pollenflug zu erklären, schlussfolgert eine Studie unter Leitung von Forschern der Technischen Universität München und des Helmholtz-Zentrums München im angesehenen Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) [Damialis et al. 2021]. Der Pollenflug könne somit gemeinsam mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit einen Teil der erhöhten Infektionen erklären. Je 100 Pollen pro Kubikmeter Luft pro Tag steige die Infektionsrate um ca. 4%. Bei bis zu 500 Pollen je Kubikmeter in Deutschland seien die Infektionsraten um 20% angestiegen. In Ländern mit und ohne Lockdown korrelierten die Pollenzahlen mit den täglichen Infektionszahlen – in einer Lockdown Situation halbierten sich die Infektionen jedoch im Durchschnitt. Diese Daten klingen zunächst überzeugend und höchst beunruhigend. Tatsächlich wurde auch für Erkältungsviren bereits gezeigt, dass Pollenallergiker ein erhöhtes Infektionsrisiko für virale Atemwegsinfekte haben können. Ursache hierfür könnten
neben entzündlichen Schädigungen der Atemwegsschleimhäute durch die Pollenallergie auch gestörte Immunprozesse der Virenabwehr sein.

Hohe Pollenzahlen erhöhen nicht das Risiko für COVID-19 Infektion bei Patienten mit Heuschnupfen und Asthma!

Ob Pollen jedoch wirklich ursächlich für diese erhöhten COVID-19 Infektionen sind, bezweifelt Professor Ludger Klimek vom Allergiezentrum in Wiesbaden: „Bei genauerer Betrachtung sind Pollen in der o.g. Studie nur einer von vielen möglichen Einflussfaktoren auf das Infektionsgeschehen“ erläutert der Allergologe. „Der ausgewertete Zeitraum von März bis Mai 2020 war durch die Besonderheit geprägt, dass COVID-19 Pandemie und Pollensaison fast zeitgleich anstiegen. Hohe Pollenzahlen in der Luft mit steigenden Infektionszahlen in den folgenden 4 Tagen könnten daher auch zufällig aufgetreten sein.“

Dem pflichtet Professor Christian Bergmann von der Charité in Berlin zu: „Zwar verwendeten die Forscher*Innen in ihrer Studie die bestverfügbaren Daten, jedoch lassen sich in einer solchen epidemiologischen Studie nie exakte Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung klären“. Als Beispiel nennen beide Allergieexperten eigene Daten zu Pollenflug und Infektionsgeschehen, die nicht nur die erste Welle der Pandemie im Frühling 2020, sondern das gesamte Jahr 2020 für Berlin, Wiesbaden und München betrachten.

„In unseren Daten können wir in der Frühblüher-Saison 2020 einen ähnlichen Zusammenhang zwischen ansteigendem Pollenflug und ansteigenden COVID-19 Infektionszahlen erkennen“ so die Experten. „In der zweiten Welle im Herbst/Winter 2020 jedoch steigen die Infektionszahlen sogar noch deutlich stärker und schneller an als in der ersten Welle, jedoch fehlt hier der Pollenflug weitgehend“. Daher kann kein klarer Zusammenhang zwischen Pollen und Infektionszahlen herausgelesen werden und so bleibt es schwer, den genauen Einfluss der Pollen zu beziffern.

Wichtig erscheint aber auch Bergmann und Klimek, dass Patienten mit Heuschnupfen und Asthma ihre entzündliche Atemwegserkrankung auch in der Pandemie sehr ernst nehmen und nun besonders gründlich behandeln. „Juckende Augen- und Nasenschleimhäute, Niesreiz, Schnupfen, Husten und Atemnot sind bei Atemwegsallergien Anzeichen für entzündliche Reizungen der Schleimhäute, die auch unabhängig von der Allergie konsequent behandelt werden sollten, um Dauerschäden und chronische Beschwerden zu vermeiden“, erläutert Prof. Klimek, der auch Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen ist. „Hierfür haben sich moderne Allergie-Medikamente als Nasensprays, Tabletten und Augentropfen und besonders auch die allergenspezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bewährt“ betonen die Allergie-Experten.

Quellen:

[1] Damialis et al. Higher airborne pollen concentrations correlated with increased SARS-CoV-2 infection rates, as evidenced from 31 countries across the globe. PNAS.