Heuschnupfen Selbstmedikation

Dr. med. Adam Chaker, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie, Oberarzt am Klinikum rechts der Isar

Heuschnupfen: Wann reicht Selbstmedikation, wann muss man zum Arzt gehen?

Unter Heuschnupfen leiden viele Menschen. Deswegen zum Arzt zu gehen, empfinden manche aber als einen zu hohen Aufwand. Das Argument: Die Heuschnupfen-Symptome beschränken sich nur auf eine begrenzte Zeit im Jahr und es gibt eine breite Palette von Nasentropfen, Augentropfen, Tabletten etc., die in den Apotheken frei verkäuflich sind. Für viele Heuschnupfen-Geplagte ist die Selbstmedikation deshalb der einfachere Weg, ein Verhalten, das jedoch nicht immer frei von Risiken ist. MeinAllergiePortal sprach deshalb mit Dr. med. Adam Chaker, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie, Oberarzt am Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München über mögliche Nebenwirkungen der Selbstmedikation bei Heuschnupfen und Alternativen.

Herr Dr. Chaker, welche Wirkstoffe können Heuschnupfen-Patienten ohne Rezept in der Apotheke erwerben?

Ohne Rezept kann man die folgenden Heuschnupfen-Medikamente erwerben:

•    Abschwellende Nasentropfen
•    Cromone
•    Antihistaminika
•    In sehr seltenen Fällen: Mischzubereitungen, die ein topisches Steroid enthalten, d.h. kortisonähnliche Nasensprays

In welchen Fällen ist die Selbstmedikation von Heuschnupfen mit diesen Wirkstoffen sinnvoll?

Beim Einsatz von Heuschnupfen-Medikamenten sollte man unbedingt differenzieren zwischen einem akut intermittierenden Heuschnupfen, d.h. die Symptome sind nur manchmal vorhanden und einem chronisch persistierenden Heuschnupfen, d.h. die Symptome treten länger als vier Tage die Woche und länger als vier Wochen pro Jahr auf.

Wenn man akute, leichte Heuschnupfen-Symptome hat, die nur ein paar Tage andauern, dann kann man durchaus eine Selbstmedikation durchführen. Voraussetzung ist, dass man weiß, wie man mit diesen Medikamenten umzugehen hat. Dafür kann man sich von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt, Lungenarzt, Dermatologen, Kinderarzt oder fachkundigen Hausarzt Empfehlungen geben lassen. Man kann sich natürlich auch selbst kundig machen oder sich in einer Apotheke gut beraten lassen.

Ein schönes Beispiel sind die Cromone: Cromone sind Wirkstoffe, die in Augentropfen zur Behandlung der Allergischen Konjunktivitis eingesetzt werden. Am Auge eingesetzt, zeigen Cromone eine sehr gute Wirkung, weil man hier eine hohe Wirkstoffkonzentration erreicht. Insbesondere die Präparate ohne Konservierungsstoffe, die in Einzelviolen erhältlich sind, sind ausgesprochen gut verträglich.


Worin besteht denn die Schwierigkeit beim Umgang mit Heuschnupfen-Medikamenten?

Die Selbstmedikation beim Heuschnupfen ist "kein Hexenwerk", aber wenn man die Medikamente effektiv einsetzen will, muss man individuelle Gegebenheiten berücksichtigen. Beim Heuschnupfen gibt es keine Standardtherapie, die für alle Patienten passt. Aber man kann sich zumindest an die ersten beiden der 3 Säulen der Allergietherapie halten: Vermeiden, symptomatisch behandeln und "impfen".

Man sollte versuchen, den Pollen auszuweichen, indem man sich z.B. überwiegend in geschlossenen Räumen aufhält, in Abhängigkeit vom Pollenflug lüftet und im Auto einen Pollenfilter nachrüstet. Des weiteren kann man vor dem Schlafengehen die Haare waschen und Nasenduschen durchführen, um nachts nicht einem "Dauerbeschuss" durch Pollen ausgesetzt zu sein.

Besteht das Hauptproblem beim Heuschnupfen darin, dass für wenige Tage die Nase völlig verstopft ist, dann kann ein Patient problemlos entsprechende abschwellende Nasentropfen benutzen, das entspricht sogar der Europäischen Leitlinie. Allerdings sollte man auch bei einem Heuschnupfen die Nasentropfen nicht länger als 5 Tage anwenden, denn sonst kann die Nasenschleimhaut dauerhaft geschädigt werden.

Zeigt sich der Heuschnupfen hingegen auch durch Juckreiz, Niesreiz und eine laufende Nase, kann ein freiverkäufliches Antihistaminikum eingesetzt werden. Bei leichten Heuschnupfen-Beschwerden und bedarfsweise eingesetzt, wird man mit Antihistaminika in vielen Fällen Symptomfreiheit erreichen. Je nach Symptomlage muss der Patient bei der Selbstmedikation also das richtige Medikament auswählen.

Handelt es sich um Heuschnupfen-Symptome, die über einen längeren Zeitraum bestehen, muss die Medikation allerdings anders aussehen. Auch hier ist eine Selbstmedikation möglich, der Patient benötigt dafür aber mehr Erfahrung und eine gute Instruktion durch den Arzt. Konkret heißt das: Der Patient muss wissen, welches Medikament er gegen welche Symptome, wann und in welcher Dosis einsetzt. Man könnte dann z.B. mit der Einnahme eines Antihistaminikums zu Beginn der Pollenflugsaison anfangen und dieses dann dauerhaft einnehmen. Zusätzlich, bei Bedarf, kann man weitere Medikamente im Sinne einer Stufentherapie einsetzen. Der Patient muss sich aber gut mit den jeweiligen Medikamenten auskennen und dies setzt eine Patientenschulung voraus, die aber leider viel zu selten stattfindet.

Sie haben betont, dass bei der Eigentherapie von Heuschnupfen zwischen einem kurzen und einem längeren Einsatz der Medikamente differenziert werden muss, warum ist diese Unterscheidung so wichtig?

Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil sich nach diesen Kriterien auch die Therapie unterscheidet. Auch die EAACI, die Europäische Allergiegesellschaft und die Initiative ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma), haben deshalb für den Heuschnupfen in ihrer Leitlinie eine Differenzierung nach Dauer der Symptome festgelegt. Inzwischen teilen wir Symptome des Heuschnupfens in akut intermittierende und chronisch persistierende Symptome ein und differenzieren damit zwischen den Patienten, die gelegentlich und kurzzeitig Symptome haben und denjenigen, die chronisch langfristig unter Symptomen leiden.

Diese Einteilung trifft die individuellen Beschwerdebilder besser, als die alte Einteilung in saisonale Allergien, das wäre ein Heuschnupfen, egal auf welche Pollenart man allergisch ist und eine perenniale Allergie, das wären Allergien auf z.B. Hausstaubmilben oder Schimmelpilze, d.h. auf Allergene, mit denen man ganzjährig konfrontiert ist.   

Dazu zwei Beispiele, die nach der alten Einteilung beide als "saisonale Allergie" gelten:

Nicht jeder Patient, der z.B. nur leicht auf Birkenpollen allergisch reagiert, hat über den gesamten Zeitraum der Früh- und Mittelblüher-Zeit Heuschnupfen-Symptome. Es gibt Patienten, die abhängig vom Pollenflug und von der Exposition, mal mehr und mal weniger Beschwerden haben. Nach der Einteilung der Europäischen Allergiegesellschaft würden solche Patienten in die Kategorie der akut intermittierenden Symptome zugeordnet. Nach adäquater Diagnostik und allergologischer Aufklärung ist hier eine Selbstmedikation sehr gut möglich.

Wenn aber ein Patient gegen Frühblüher, Gräser und Kräuter allergisch ist – und das ist eine nicht seltene Kombination – hätte man dies vor 10 Jahren noch als "saisonale Allergie" bezeichnet. Das Argument: Die jeweiligen Pflanzen blühen ja nur ein paar Wochen im Jahr! De facto ist es jedoch so, dass die Frühblüher z.B. im Rheinland, im Januar anfangen zu blühen und die Kräuter im September aufhören. Der Patient wird also 9 Monate im Jahr mit Allergenen konfrontiert und das kann man nicht mehr als saisonale Allergie bezeichnen. Entsprechend der, aus meiner Sicht stimmigeren, EAACI-Definition, handelt es sich hier um chronisch persistierende Symptome.

Nach welchen Kriterien sollte ein Patient entscheiden, ob er zur Selbstmedikation greift, oder einen Arzt aufsucht?

Jeder Patient, der bemerkt, dass sein Heuschnupfen störend ist und dass er trotz fachkundiger Beratung in der Apotheke durch die Medikamente keine Symptomfreiheit erreicht, sollte sich an einen kundigen Allergologen oder allergologisch geschulten Arzt wenden. Wichtig ist zunächst eine akkurate Diagnostik, denn viele Patienten wissen im Grunde nicht, ob sie an einem Infekt leiden oder an einem Heuschnupfen.


Zurück zu den Symptomen: Welche Symptome können denn bei einem Heuschnupfen auftreten?

Typische Symptome für den Heuschnupfen sind:

•    Die Nase läuft
•    Niesreiz
•    Ein leichtes Engegefühl in der Brust, wenn auch die Lunge betroffen ist, evtl. auch Husten und Asthmaanfälle
•    Die Augen sind rot, tränen und jucken
•    Der Gaumen juckt
•    Die Ohren jucken
•    Hautreaktionen inkl. Juckreiz
•    Juckreiz im Gesicht
•    Schlafprobleme
•    Müdigkeit und Abgeschlagenheit
•    Wechselspiel zwischen Allergie und Infekten
•    "Heufieber" mit z.B. Gelenkbeschwerden und Nackenschmerzen

Es kann auch sein, dass Nahrungsmittel, die man normalerweise problemlos verträgt, in der Zeit des Pollenfluges nicht mehr vertragen werden, d.h. man isst als Birkenallergiker einen Apfel und plötzlich juckt es im Mund. Möglich ist auch, dass man auf einmal keine Nüsse mehr verträgt, weil das Immunsystem, ausgelöst durch die extreme Konfrontation mit den Pollen, auch die ähnlichen Proteine in den Nüssen "angreift". Man spricht dann von einer Kreuzreaktion zwischen den Allergenen aus der Luft mit den Allergenen in Nahrungsmitteln. Die Auswirkungen dieser Kreuzreaktion im Mund bezeichnet man als Orales Allergiesyndrom (OAS).

Was versteht man unter einem Oralen Allergiesyndrom?

Das OAS ist eigentlich harmlos, d.h., solange es beim Juckreiz bleibt. Wenn ein Orales Allergiesyndrom jedoch dazu führt, dass Gaumenzäpfchen, Zunge oder Zungengrund anschwellen, kann es sehr gefährlich werden, weil es zu Luftnot kommen kann.  

Von den möglichen Kreuzreaktionen bei Pollenallergikern abzugrenzen sind in diesem Zusammenhang die "echten Lebensmittelallergien", die wesentlich gefährlicher aber glücklicher Weise auch seltener sind. Bei einer echten Lebensmittelallergie kann es bei Allergenkontakt sofort zu einer systemischen Reaktion kommen, d.h. zu einem Anaphylaktischen Schock, was bei einer Kreuzreaktion normalerweise nicht der Fall ist.

Ein Pollenallergiker mit einer Kreuzreaktivität hat aber dadurch keine Nahrungsmittelallergie?

Normalerweise handelt es sich bei Pollenallergikern mit oralem Allergiesyndrom und Nahrungsmittelallergikern um eher unterschiedliche Sensibilisierungstypen.

Die meisten Allergene, bei denen eine kreuzreaktive Sensibilisierung besteht, sind hitzelabil, also können durch Kochen oder Backen unschädlich gemacht werden. Hingegen sind die Allergene, die bei echten Lebensmittelallergien eine Rolle spielen, hitzestabil, d.h. auch in erhitztem Zustand können sie bei Lebensmittelallergikern eine anaphylaktische Reaktion auslösen.

Es gibt auch noch additive Phänomene, und dann werden die eigentlich eher weniger gefährlichen kreuzreaktiven Allergene auf einmal gefährlich: Ein Patient mit Heuschnupfen gegen Birkenpollen, der eine leichte Kreuzreaktivität zeigt, trinkt im Frühsommer, d.h. zur Pollenflugzeit, ein Glas Sojamilch, die er im Winter immer problemlos vertragen hat, und reagiert plötzlich mit einem Anaphylaktischen Schock! Das hätten wir zuvor so nicht mit einer normalen Kreuzreaktivität bewertet. Die molekulare Allergendiagnostik kann uns hier helfen, genauere Diagnosen zu stellen.

Wichtig für die Patienten ist es zu wissen, bei welchen Nahrungsmittelallergenen es aufgrund der Pollenallergie zu Kreuzreaktivitäten kommen könnte. Hierfür gibt es gute Informationsbroschüren und natürlich auch ärztliche Beratung. Ein ausführliches Anamnesegespräch ist wichtig, ergänzt um einen Allergietest und eventuell ergänzt um molekulare Allergiediagnostik. Eine Selbstmedikation ist hierbei nicht mehr so einfach möglich, denn die Diagnose ist in diesem Fall komplex. Zum Teil sind diese Verfahren teuer und man sollte sich hier an Ärzte wenden, die mit diesen Methoden robuste Erfahrung haben.


Welche Rolle spielen IgG-Tests, die ja auch frei verkäuflich sind, in diesem Zusammenhang?

IgG-Tests werden zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten angeboten. Nach meiner Erfahrung gibt es jedoch keine IgG-vermittelte Allergie von klinischer Relevanz. Deshalb ist es aus fachlicher Sicht eher fragwürdig, was bei IgG-Tests eigentlich gemessen werden soll, außer vielleicht die "Toleranz" auf ein Lebensmittel und nicht die "Intoleranz".

Die Tests haben für den Patienten keinerlei Nutzen, was auch schon die allergologischen Fachgesellschaften in ihren Stellungnahmen so bestätigt haben. Ich bezweifele ernsthaft, dass uns dieses Instrument auch nur im Ansatz helfen kann, unseren Patienten zu helfen. Die IgG-Tests sind außerdem richtig teuer und können bis zu 500,- € kosten. Auch wenn der Fokus dieses Gespräches Selbstmedikation ist – die Selbstdiagnostik mit solchen Instrumenten ist nicht sinnvoll.

Sinnvoller, gerade für komplexere Diagnosen, ist hingegen die neue chipbasierte Allergiediediagnostik auf IgE-Basis, deren Kosten aber leider nur in Ausnahmefällen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Die chipbasierte Allergiediediagnostik testet eine repräsentative Auswahl an Allergenen. Mit nur einer Blutprobe bekommt der Patient ein sehr präzises Allergieprofil und erspart sich ca. 20 Bluttests auf Einzelallergene. Dieses sollte aber nicht als Screeningtest eingesetzt werden und gehört in die Hand erfahrener Allergologen.

Die Selbstmedikation bei Heuschnupfen haben wir ausführlich besprochen, welche Medikamente gegen Heuschnupfen bekommen die Patienten nur auf Rezept?

Mit der Selbstmedikation können die Patienten bis zu einem gewissen Grade versuchen, Symptome zu reduzieren, entweder durch Vermeiden des Allergens oder durch die besprochenen Medikamente.

Nur auf Rezept bekommen Heuschnupfen-Patienten die folgenden Medikamente:

Zunächst zu den kortisonähnlichen inhalativen Medikamenten: Häufig heißt es, man könne diese nicht rezeptfrei erwerben, was so nicht stimmt. Wenn man kortisonähnliche inhalative Medikamente aber in einer höheren Dosierung benötigt, in der sie übrigens eine ausgezeichnete Wirksamkeit zeigen, ist dies nur über eine ärztliche Verordnung möglich.

Zusätzlich sind z.B. auch Kombinationspräparate, wie z.B. Kombinationen aus topischen nasalen Steroiden und Antihistaminika in einer topischen Applikationsform nur auf Rezept erhältlich. Nach aktueller Studienlage sind diese Präparate bei den meisten Patienten sehr effektiv.

Die aktuell modernsten Antihistaminika der 3. Generation sind alle rezeptpflichtig und hier gibt es aus meiner Sicht sehr gute Präparate, die für die Patienten sehr gut verträglich sind.

Auch Leukotrienantagonisten, von denen manche Patienten deutlich profitieren, überwiegend Kinder mit Asthma, sind rezeptpflichtig.

Ebenso sind die inhalativen Kombinationspräparate für die Lunge rezeptpflichtig. Dies sind Kombinationen von lang wirksamen bronchienerweiternden Wirkstoffen (long acting beta agonists oder LABAs) mit topisch inhalativen Steroiden. Topisch inhalative Steroide wirken ähnlich wie Kortison, gehen aber nicht mit den dafür typischen Nebenwirkungen einher.

Auch die Notfallmedikation für Patienten mit Anaphylaxie ist nur über eine Verordnung durch den Arzt erhältlich. Dazu gehören z.B. die klassischen "alten" Antihistaminika, die man heutzutage nicht dauerhaft einsetzen würde, die aber als Notfallindikationen zugelassen und hier auch eine wichtige Funktion erfüllen.  Auch der Adrenalin-Pen fällt in diese Kategorie.

Schließlich gehört auch die Allergieimpfung oder Spezifische Immuntherapie (SIT) zu den Therapien, die nur nach einer präzisen allergologischen Diagnostik und Beratung vom Arzt verordnet und durchgeführt werden. Die SIT ist die einzige Therapie, die einen Heuschnupfen "an der Wurzel" bekämpft.

Bei Allergien besteht generell die Tendenz zu einer Ausweitung der Beschwerden. Oft beginnen die Heuschnupfensymptome an der Nase, dann kommen die Augen hinzu, dann folgen die Bronchien, dann Lebensmittelallergien etc. Dazu kommt, dass auch die Gefahr für eine fortschreitende Sensibilisierung gegen weitere Allergene besteht. Bisher kann nur die Allergieimpfung diesen Prozess aufhalten und diese Behandlung kann man nur bei einem Allergologen oder einem allergologisch versierten Arzt durchführen.  

Heißt das, durch die Selbstmedikation steigt das Risiko für Heuschnupfen-Patienten, weitere Allergien zu entwickeln?

Ja, denn man bekämpft mit den genannten Präparaten nur die Symptome, aber nicht die Ursachen. Allerdings muss man wissen: Auch die Allergieimpfung ist nicht immer zu 100 Prozent erfolgreich. In der Regel erreicht man mit der SIT eine Symptomreduktion, die zwischen 50 und 70 Prozent liegt. Viele Patienten denken deshalb, dass sie mit den Antihistaminika das gleiche Ergebnis erzielen, was zunächst auch stimmt.

Der signifikante Unterschied zwischen den beiden Therapieformen ist jedoch, dass die Antihistaminika die Entwicklung der allergischen Erkrankung nicht stoppen können. Für die SIT zeigen uns hingegen viele gute Studien, dass z.B. bei einem Großteil der jungen Patienten, die Neuentwicklung eines Asthmas, also der gefürchtete Etagenwechsel, verhindert werden kann. Das gilt auch für das Fortschreiten von Sensibilisierungen.

Wir wissen allerdings heute noch nicht, wie lange dieser protektive Effekt der Allergieimpfung anhalten kann. Bei regulären Impfungen lässt sich anhand des Blutes bestimmen, ob noch eine Immunität vorhanden ist, aber bei Allergien ist dies leider nicht möglich. Deshalb gehen wir hier am Klinikum Rechts der Isar und am ZAUM in einer aktuellen Studie der Frage nach: Wann ist der richtige Zeitpunkt, nach Abschluss einer Spezifischen Immuntherapie, erneut zu impfen?

Herr Dr. Chaker, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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