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Allergie Gräserpollen Diagnose Kreuzreaktivitäten

Dr. med Christian Otterstedde zum Thema: Allergie auf Gräserpollen - wie lautet die Diagnose? Welche Rolle spielen Kreuzreaktivitäten?

Allergie auf Gräserpollen: Diagnose? Kreuzreaktivitäten?

Besteht der Verdacht, an einer Allergie auf Gräserpollen zu leiden, sollte dies diagnostisch abgeklärt werden. Wie geht man bei der Diagnose vor? Was sagen welche Tests aus? Welche Rolle spielen Kreuzreaktivitäten? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med Christian Otterstedde, HNO und Allergologe, HNO Praxis am Goetheplatz, Frankfurt.

Herr Dr. Otterstedde, wie diagnostiziert man eine Gräserpollenallergie?

Die Diagnose einer Allergie auf Gräserpollen entspricht der Diagnose anderer Atemwegsallergien. Zunächst einmal beginnt man, wie bei allen Allergien, mit der sehr wichtigen Anamnese.

Das heißt, man klärt mit dem Patienten, die folgenden Fragen:

  1. Wie genau sehen die Symptome aus?
  2. In welcher Jahreszeit treten die Symptome auf?
  3. Beobachtet der Patient bei den Symptomen witterungsbedingte Abhängigkeiten?

So kann man sehr rasch eine Vorstellung davon bekommen, was die Ursache der Beschwerden sein könnte.

Der nächste Schritt ist natürlich, dass man die vermutete Ursache der Beschwerden verifizieren muss, um auch eine entsprechende Therapie einleiten zu können.

 

Wie verifiziert man im Rahmen der Diagnose die Vermutung „Gräserpollenallergie“, die sich aus der Anamnese ergibt?

Der diagnostische Standard besteht in der Hautpricktestung. Dabei wird ermittelt, ob es sich ausschließlich um eine Gräserpollenallergie handelt, oder ob noch weitere Allergien bestehen. Dazu ist es zum Beispiel wichtig abzuklären, ob auch zu anderen Zeiten im Jahr, also außerhalb des Gräserpollenflugs, zu Beschwerden kommt.

Im Rahmen einer modernen Allergiediagnostik werden außerdem die RAST-Werte im Blut bestimmt. Damit kann man die spezifischen krankheitsauslösenden IgE-Antikörper auf, zum Beispiel, Gräserpollen oder auch andere Allergene, bestimmen.

Bei Bedarf, das heißt, bei unklaren Ergebnissen, ist es möglich, mit Hilfe der sogenannten molekularen Komponentendiagnostik, die Relevanz weiterer Sensibilisierungen und auch mögliche Kreuzreaktivitäten zu bestimmen.

Was genau wird bei Verdacht auf eine Gräserpollenallergie getestet?

Zunächst einmal ist der Begriff "Gräserpollen" sehr weit gefasst. Deshalb verwendet man zu Testzwecken in der Regel das sogenannte Wiesenlieschgras, denn das Wiesenlieschgras ist ein sehr potentes Allergen, das weit verbreitet ist. Auch in dem Rahmen der RAST-Tests und der molekularen Komponentendiagnostik schaut man insbesondere auf die einzelnen Bestandteile dieses Wiesenlieschgrases.

Das Wiesenlieschgras ist natürlich nicht das einzige Zier- oder Süßgras, das allergische Symptome auslösen kann. Nahezu alle Gräser dieser Gruppe können Allergien auslösen. Gleichwohl nutzt man für die Diagnostik das Wiesenlieschgras, denn damit deckt man auch alle anderen Gräser gleichermaßen ab.

Welche Kreuzreaktivitäten sind bei einer Allergie auf Gräserpollen möglich?

Bei den Gräsern kann es auch zu Kreuzreaktionen auf andere Pollensorten kommen. Hier sind die Roggenpollen an erster Stelle zu nennen, denn der Roggen blüht ungefähr im gleichen Zeitraum wie die Gräser, auch wenn der Pollenflug des Roggens etwas später einsetzt, als der der Gräser. Roggen hat für Gräserpollenallergiker eine sehr hohe Relevanz, weil Roggenpollen eine sehr, sehr hohe allergene Potenz haben.

Anders hingegen als bei den frühblühenden Baumpollen, insbesondere bei der Birke, kommt es bei einer Allergie auf Gräserpollen aber nur sehr, sehr selten zu Kreuzreaktivitäten auf Nahrungsmittel.

Sie erwähnten auch die molekulare Allergiediagnostik, welche Rolle spielt sie bei der Diagnose einer Allergie auf Gräserpollen?

Durch die molekulare Allergiediagnostik, auch Komponentendiagnostik genannt, kann man nicht nur die spezifischen IgE-Werte auf die Gesamtgräserpolle bestimmen, sondern auch auf einzelne Bestandteile. Dazu sollte man wissen: Jedes Allergen, gleich ob es in Pollen, Milben oder anderen Substanzen enthalten ist, besteht aus verschiedenen Eiweißbestandteilen. Und: Eine allergische Reaktion bzw. eine Sensibilisierung kann auf jeden einzelnen dieser Bestandteile stattfinden.

Allerdings haben diese Reaktionen klinisch gesehen ganz unterschiedliche Bedeutungen – nicht jede Sensibilisierung führt tatsächlich auch zu Allergiesymptomen. Durch die die molekulare Komponentendiagnostik lässt sich ermitteln, welche Sensibilisierungen für den Patienten tatsächlich klinisch relevant sind und welche nicht. Insofern ist die molekulare Komponentendiagnostik in vielen Fällen sehr sinnvoll und hilfreich. So kann man, zum Beispiel, den folgenden Fall erklären: Ein Patient reagiert extrem stark im Prick-Test und auch der RAST ist positiv, in der entsprechenden Pollenflugzeit hat er jedoch keinerlei Beschwerden. Das würde bedeuten, der Patient reagiert positiv auf Nebenbestandteile eines Allergens, nicht jedoch auf die Hauptbestandteile. Das bedeutet, es handelt sich um eine nicht behandlungsbedürftige Sensibilisierung. Das lässt sich mit Hilfe der molekularen Komponentendiagnostik sehr schön nachweisen.

Herr Dr. Otterstedde, herzlichen Dank für dieses Interview!

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