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Nasale Glukokortikosteroide: Ein Risiko für COVID-19?

Kortisonhaltige Nasentropfen oder –sprays, auch als nasale Glukokortikosteroide (nGKS) bezeichnet, gelten als Standardtherapie entzündlicher Erkrankungen der Schleimhäute von Nase und Nasennebenhöhlen. Zu diesen Erkrankungen gehören die allergische Rhinitis (AR) und die chronische Rhinosinusitis (CRS). Dabei umfasst die Bezeichnung “allergische Rhinitis“ die Pollenallergien, auch als “Heuschnupfen” bezeichnet, Allergien auf Hausstaubmilben, Tierhaarallergien und Allergien auf Schimmelpilze. Angesichts der Coronavirus-Pandemie fragen sich viele Patienten, ob die Therapie mit kortisonhaltigen Nasentropfen oder –sprays, auch als nasale Glukokortikosteroide (nGKS) bezeichnet, ein Risiko für COVID-19 darstellt, ob sie sie weiterführen sollten und was dabei zu beachten ist. Zu dieser Frage erreichten MeinAllergiePortal Empfehlungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA), des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte (BVHNO) und der AGen Klinische Immunologie, Allergologie und Umweltmedizin und Rhinologie und Rhinochirurgie der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNOKHC).

Allergische Rhinitis, chronische Rhinusinusitis und Asthma: „Nicht behandeln“ kann schaden!

Die allergische Rhinitis und die chronische Rhinusinusitis gehören zu den häufigsten entzündlichen Erkrankungen überhaupt und mit der Chronifizierung sind häufig Epithelschädigungen und Gewebsdestruktionen verbunden, die Virusinfektionen Vorschub leisten können. Ein Asthma bronchiale ist eine wichtige Komorbidität von AR und CRS. Verschlechterungen in der Kontrolle von AR und CRS können Asthmaexazerbationen begünstigen.

Nasale Glukokortikosteroide (nGKS): Erhöhen sie das Risiko, an COVID-19 zu erkranken?

Zu der Frage, ob nasale Glukokortikosteroide (nGKS), das heißt kortisonhaltige Nasentropfen oder –sprays, ein Risiko für die Patienten darstellen, heißt es in den Empfehlungen:

  1. Es existieren keinerlei Hinweise, dass eine Anwendung von nasalen Glukokortikosteroiden in den laut Fachinformation zugelassenen Dosierungen und Indikationen ein erhöhtes Risiko für eine SARS-Cov-2 Infektion hervorrufen, oder einen schwereren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung auslösen.
  2. Erwachsene und Kinder mit AR und CRS sollten ihre verordneten nasalen Glukokortikosteroide konsequent und regelmäßig in der individuell verordneten Dosis einnehmen und nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ändern oder gar beenden.
  3. Die Gefahr, dass sich durch Absetzen von nasalen Glukokortikosteroiden eine allergische Rhinitis oder chronische Rhinusinusitis verschlechtern, ist gegeben. Eine solche Verschlechterung kann durch vermehrten Niesreiz bei COVID-19 Erkrankten eine Tröpfcheninfektion anderer Personen fördern. Zudem kann eine Anwendung von systemischen Cortisonpräparaten notwendig werden, die dann ggfls. tatsächlich negativ auf die Immunabwehr gegen COVID-19 wirken könnte. Letztlich kann eine Verschlechterung der allergischen Rhinitis oder chronischen Rhinusinusitis eine Exazerbation eines Asthma bronchiale auslösen, was von der WHO ebenfalls als Risikofaktor für schwere Verläufe einer COVID-19 Erkrankung angesehen wird.
  4. Systemische Glukokortikosteroide sollten bei einer allergischen Rhinitis oder chronischen Rhinusinusitis in der derzeitigen COVID-19 Pandemie zurückhaltend und nur bei fehlender therapeutischer Alternative eingesetzt werden. Eine solche Indikation könnte bei CRS-Patienten bestehen, falls eine operative Behandlung in der derzeitigen Pandemie-Situation nicht möglich ist und das für eine chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) zugelassene Biologikum Dupilumab keine ausreichende Wirkung zeigt.
  5. Die Empfehlungen der deutschen Asthma-Spezialisten zur Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit Asthma mit adäquaten und individuell eingestellten antiasthmatischen Inhalations-Therapien ergänzen in idealer Weise diese Empfehlungen für diejenigen Patienten mit allergischer Rhinitis oder chronischer Rhinusinusitis, bei denen Asthma als Komorbidität besteht.

Laut der Experten gibt es zwar „aktuell keine belastbaren Daten zum Verlauf von COVID-19 zu Patienten mit AR, CRS und Asthma bronchiale“. Aber „derzeit gilt: eine gute antientzündliche Kontrolle der oberen und unteren Atemwege durch topische Steroide ist nach gegenwärtigem Stand des medizinischen Wissens der beste Schutz vor durch Viren ausgelösten Exazerbationen. Patienten, die ihr Therapieregime (Anm. der Redaktion: ihre Therapie) unterbrechen und somit eine schlechtere Kontrolle ihrer Atemwege erleiden, sind mutmaßlich auch suszeptibler (Anm. der Redaktion „empfänglicher“) für schwere Verläufe bei viralen Infektionen.“

Quelle:  

Positionspapier Glukokortikosteroide bei COVID 19 AeDA DGHNO (Kurzversion), 28.03.2020, Autoren im Auftrag des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA), des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte (BVHNO) und der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNOKHC)