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Heuschnupfen Pollenallergie

Matthias Werchan, Pollenanalyst bei der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID)! Quelle: Barbora Werchan

Frühling im Winter? Heuschnupfen? Welche Pollen fliegen schon?

Nach dem Kalender gehören die Monate Januar und Februar zum Winter, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Es ist nicht nur deutlich milder als der Winter sein sollte, an manchen Tagen sind die Temperaturen regelrecht frühlingshaft. Für Heuschnupfen-Geplagte sind das keine guten Nachrichten. Deshalb sprach MeinAllergiePortal mit Matthias Werchan, Dipl.-Landschaftsökologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Pollenanalyst bei der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) darüber, welche Pollen schon fliegen.

Herr Werchan, wir haben Januar, aber die Temperaturen sind nicht winterlich – fliegen schon die Pollen?

Immer dann, wenn der Winter mild ist, reagiert die Vegetation auf diese milden Temperaturen. Klassischerweise macht die Gemeine Hasel (Corylus avellana) den Anfang, zusammen mit der Purpurerle (Alnus x spaethii), die kein einheimisches Gewächs ist.

Unsere einheimische Erle, die Schwarzerle (Alnus glutinosa), beginnt erst kurz nach der Gemeinen Hasel mit ihrer Blüte, ab Mitte Januar fliegen häufig erste Schwarzerlenpollen. Die Gemeine Hasel hat dann jedoch bereits einen gewissen Vorsprung, denn die ersten Haselbüsche blühen häufig bereits im Dezember. 

 

Ist das der Startschuss in die Pollenflugsaison?

Nein, solange nur einzelne Büsche an wärmebegünstigten Standorten blühen, spricht man eher von einer Pollenflugvorsaison. Flächendeckend beginnt die Pollenflugsaison für Hasel und Erle im Westen und Süden Deutschlands erst jetzt, Mitte Januar. Allerdings ist das selbst für einen milden Winter ein sehr zeitiger Start in die Pollenflugsaison, zumal auch die Pollenkonzentrationen bereits vergleichsweise hoch sind. Wenn das Wetter weiterhin so mild bleibt, kann die Belastung für Pollenallergiker schon in den mittleren bis hohen Bereich gehen. Natürlich gilt das noch nicht für ganz Deutschland.

In welchen deutschen Regionen ist der Pollenflug von Hasel und Purpurerle denn aktuell am stärksten?

Der Pollenflug von Hasel und Purpurerle ist dort am stärksten, wo diese Pflanzen am weitesten entwickelt sind. Das ist, wie gesagt, tendenziell im Süden und Westen des Landes der Fall und im Tiefland deutlich eher als im Bergland. Die Purpurerlenblüte ist bereits abgeklungen, die heimischen Schwarzerlen (Alnus glutinosa) sind nun die nächsten in der Reihe.

Für den Pollenflug von Hasel und Erle zählen weniger die Lichtverhältnisse, als vielmehr die Temperaturen und hier tatsächlich jedes Grad Celsius mehr. Deshalb ist der Pollenflug in Städten am Beginn der Pollensaison oft stärker ausgeprägt. Die „Wärmeinsel Stadt“ begünstigt frühere Blühzeiten. In Großstädten, auch im deutlich kühleren Osten und Norden, sind die Sträucher von Hasel und Erle deshalb oft auf dem gleichen Entwicklungsstand wie in ländlichen Gebieten Süddeutschlands. Man kann deshalb nicht sagen, der Pollenflug sei nur auf bestimmte westliche und südliche Regionen begrenzt. Auch in größeren Städten wie Berlin oder Leipzig fliegen die Pollen schon.

Haselsträucher sieht man sehr häufig und erkennt sie auch leicht an den langen Kätzchen, aber wie häufig sind denn Purpurerlen?

Die Purpurerle (Alnus spaethii) kommt in der Natur eigentlich gar nicht vor. Es handelt sich um eine Züchtung, die aus der Kreuzung einer kaukasischen mit einer japanischen Erlenart hervorgegangen ist. Purpurerlen sind ausgesprochen klimarobust. Sie halten Trockenheit genauso gut aus wie Fröste und sind deshalb für das städtische Klima hervorragend geeignet. Purpurerlen wachsen bislang nicht wild, sondern sie werden gepflanzt, eben aufgrund ihrer positiven Eigenschaften. Außerdem ist die Auswahl an Gewächsen, die mit den städtischen Klimaanforderungen zurechtkommen, limitiert. Ob sich die Purpurerle jedoch in Zukunft von selbst ausbreiten wird, ist nicht vorhersehbar.

 

  • Blühende Erle
    Blühende Erle

    Die Kätzchen einer blühenden Erle (Alnus glutinosa), Quelle: Barbora Werchan.

  • Blühende Erle
    Blühende Erle

    Blühende Erle (Alnus glutinosa), Quelle: Matthias Werchan.

  • Blühender Haselstrauch
    Blühender Haselstrauch

    Haselstrauch (Corylus avellana) in Blüte, Quelle: Matthias Werchan.

  • Die Kätzchen des Haselstrauchs
    Die Kätzchen des Haselstrauchs

    Blühender Haselstrauch (Corylus avellana), Quelle: Barbora Werchan.

  • Blühende Purpurerle
    Blühende Purpurerle

    Blühende Purpurerle (Alnus spaethii), Quelle: Matthias Werchan.

 

Das heißt aber doch, dass die Anzahl der Purpurelen momentan noch nicht so hoch sein dürfte, zumindest im Vergleich zu wild wachsenden Sträuchern …

In der niederländischen Stadt Leiden nutzt man Purpurerlen bereits deutlich länger als hierzulande. Dort hat man bereits zum Jahreswechsel an einzelnen Tagen hohe Pollenkonzentrationen von über 100 Pollen/m3 gemessen. Für eine erst seit wenigen Jahren künstlich angepflanzte Art, die ja in der Natur so gar nicht vorkommt, sind das sehr hohe Pollenkonzentrationen, die bei Menschen mit Heuschnupfen deutliche Allergiesymptome auslösen können. Für Pollenallergiker ist das natürlich von Nachteil, aber die Stadtbegrünung profitiert von der robusten Purpurerle.

Problematisch für Allergiker ist auch die frühe Blühzeit der Purpurerle.

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