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Allergische Rhinitis

Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden

"Normale Erkältung" oder Allergische Rhinitis?

Die Außentemperaturen sinken und die Nase läuft – die Erkältungssaison hat begonnen. Zumindest ist dies oft die erste Vermutung der Betroffenen. Leider ist eine simple Erkältung jedoch nicht immer die Ursache für Symptome, die sich im Winter verstärkt zeigen. Auch eine Allergische Rhinitis kann sich hinter ganz ähnlichen Symptomen verbergen. Wie funktioniert unser Atemsystem? Wie unterscheiden sich die Symptome eines grippalen Infektes von denen einer Allergischen Rhinitis? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Diese Fragen beantwortet Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden im Interview mit MeinAllergiePortal.

Herr Prof. Klimek, wie viele Ihrer Patienten, kommen zu Ihnen, weil sie glauben, eine Erkältung zu haben, obwohl sie in Wirklichkeit unter einer Allergischen Rhinitis leiden?

Diese Situation ist im Winter garnicht selten. Gerade bei den Patienten mit häufig wiederkehrenden Erkältungen ist es wohl ca. jeder Zehnte.

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Was ist in der Regel der Auslöser der Allergischen Rhinitis?

Am häufigsten sind Hausstaub- und Vorratsmilben, gefolgt von Tierhaaren und Schimmelpilzen.

Haben Patienten, die unter diesen Formen der Allergischen Rhinitis leiden, im Sommer keine Symptome? Eigentlich sind Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder auch Haustiere doch das ganze Jahr über vorhanden?

Doch,  das haben sie durchaus. Im Sommer halten wir uns jedoch viel weniger in Innenräumen auf. Zudem wird mit Beginn der Heizperiode viel Allergen-haltiger Staub aufgewirbelt und das Innenraumklima ändert sich entscheidend.

Wie merkt man als Patient, dass mehr hinter den Symptomen steckt, als eine simple Erkältung?

Ein grippaler Infekt und eine Allergische Rhinitis äußern sich in sehr ähnlicher Form. Mögliche Symptome sind z.B. eine laufende Nase, also Schnupfen, Niesreiz, rote Augen, Beschwerden beim Atmen, Husten und Abgeschlagenheit. Es verwundert daher nicht, dass viele Betroffene diese Symptome mit einem grippalen Infekt, also einer simplen Erkältung verwechseln.

Es gibt jedoch auch Anzeichen, die auf eine Allergische Rhinitis hinweisen können. Wenn z.B. bestimmte Symptome immer wieder im gleichen Zeitraum, d.h. saisonal, oder unter ähnlichen Umständen auftreten, könnte eine Allergie dahinterstecken.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen grippalem Infekt und Allergischer Rhinitis ist, dass grippale Infekte oft von erhöhter Temperatur begleitet werden – bei der Allergischen Rhinitis ist dies nicht der Fall.

Auch sind bei grippalen Infekten häufig die Lymphknoten am Hals angeschwollen und oft kommt es auch zur Bildung von eitrigen Sekreten in den Nebenhöhlen, was bei Allergien eher selten der Fall ist.

Ein häufiges Phänomen, das für eine Allergische Rhinitis sprechen kann, ist wiederum ein Juckreiz an Nase und Augen. Juckreiz ist für den grippalen Infekt nicht typisch.


Nicht bei jedem sind die Symptome sehr stark ausgeprägt und viele Menschen gehen wegen einer Erkältung ehernicht zum Arzt…

Man sollte diese Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn sie schränken die Funktion der Nase empfindlich ein - auch bei leichten Symptomen - und können eine Kettenreaktion auslösen.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass eine Nase die Aufgaben hat, die Atemluft für die Lunge zu reinigen, anzufeuchten und zu klimatisieren. Außerdem spielt unser Riechvermögen eine wichtige Rolle, u.a. bei der Steuerung des Essverhaltens. Wird dieses sensible System aus dem Gleichgewicht gebracht, z.B. durch permanente Reizung, wie dies bei einer Allergie der Fall ist, schädigt dies die Schleimhäute und ihre Funktion.

Wenn dann noch trockene Luft in geheizten Räumen, durch Klimaanlagen im Auto, in Restaurants oder in Flugzeugen hinzukommt, schädigt dies die Nasenschleimhaut zusätzlich und trocknet sie aus. Durch kleine Schäden bzw. Risse in der Schleimhaut steigt die Gefahr für virale Infektionen. Dadurch kann es zu Niesreiz, Juckreiz und Brennen der Augen kommen und die Nasenatmung wird behindert – es kommt zur typischen "verstopften Nase".

Gleichzeitig steigt die Gefahr von Infektionen von Bronchien und Lungen, denn die Nase arbeitet nicht optimal. Da die Atemluft nicht mehr ausreichend  gefiltert, erwärmt und angefeuchtet wird können Viren und Allergene ungefiltert in die Bronchien eindringen. Letztendlich besteht sogar die Gefahr des gefürchteten Etagenwechsels zum Allergischen Asthma.

Wie stellt der Arzt fest, ob es sich um eine Allergische Rhinitis handelt?

Der Allergologe wird Hauttests und Bluttests, eventuell auch Provokationstests durchführen.

Bei einer durch Pollen ausgelösten Allergischen Rhinitis ist eine Spezifische Immuntherapie (SIT) möglich. Ist dies auch möglich, wenn Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare die Ursache sind?

Ja, für die meisten Auslöser steht uns eine Immuntherapie zur Verfügung.

Wann kann man bei einer Spezifischen Immuntherapie mit dem Rückgang der Symptome rechnen? Und: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, bis dies der Fall ist?

Wir gehen davon aus, daß die Wirksamkeit bei Milben, Schimmelpilzen und Tierhaaren etwas später einsetzt, als bei den Pollen– meist nach 6 bis 8 Monaten.

Bis dahin sollten antientzündliche und antiallergische Medikamente angewendet werden. Dies kann z.B. mit einem neuen Kombinations-Nasenspray geschehen.

Falls die Bronchien betroffen sind, stehen Inhalationsmittel zur Verfügung, die einen guten Schutz vor weiteren Schleimhautschädigungen bieten.

Herr Prof. Klimek, vielen Dank für dieses Interview!