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Heuschnupfen Asthma Allergien

Prof. Dr. Eckard Hamelmann zum Thema: Heuschnupfen, Asthma und Co. - wie kommt es zu Allergien?

Heuschnupfen, Asthma und Co.: Wie kommt es zu Allergien?

Allergien scheinen sich zur Volkskrankheit zu entwickeln. Heuschnupfen, Asthma, Nahrungsmittelallergien, Neurodermitis – in vielen Familien ist mindestens ein Familienmitglied betroffen. Warum ist das so? Darüber sprach Kerstin Striewe, Deutsche Allergie Liga (DAL) mit  mit Professor Dr. Eckard Hamelmann, Chefarzt im Kinderzentrum im Evangelischem Klinikum Bethel in Bielefeld und Erster Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).

Im Kindes- und Jugendalter sind allergische Erkrankungen die häufigsten Gesundheitsprobleme. Kennt man die Ursachen?

Allergien haben komplexe Ursachen. Im modernen Lebensumfeld der Menschen industrialisierter Länder sind natürliche Regulatoren des Immunsystems drastisch reduziert. Einfach ausgedrückt kann man sagen, dass das Immunsystem daher die unaufgeregte Auseinandersetzung mit den natürlicherweise vorkommenden Proteinen verlernt hat. Das kann dazu führen, dass das Abwehrsystem auf an sich harmlose Stoffe wie Pollen oder Milbenkot oder Nahrungsmittel überschießend reagiert. Wir konnten in den letzten Jahren lernen, dass diese Toleranz-fördernde Stimulation des Immunsystems besonders in den letzten Monaten der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten bedeutsam und wirkungsvoll ist.

Leiden daher die Kinder von Landwirten deutlich seltener an Allergien?

Ja genau. Allerdings hilft ein gelegentlicher Urlaub mit den Kindern auf dem Bauernhof nicht weiter, denn entscheidend ist die eben erwähnte Prägezeit. Ein Indiz dafür ist, dass Kinder von Frauen, die in einer eher traditionellen Landwirtschaft arbeiten und sich auch in der Schwangerschaft und Stillzeit gelegentlich im Stall aufhalten, kaum Allergien entwickeln.

Welchen Einfluss hat das übrige Lebensumfeld der Kinder auf den Ausbruch allergischer Erkrankungen?

Erst einmal muss gesagt werden, dass die Neigung zu allergischen Erkrankungen und Asthma vererbt wird. Wenn beide Eltern Allergien oder Asthma haben, liegt das kindliche Allergie- bzw. Asthmarisiko sogar bei über 70 Prozent. Wir wissen auch, dass Rauchen während der Schwangerschaft einen starken Einfluss auf die spätere Allergie-Karriere des Kindes hat, ebenso wie Passiv-Rauchen in der frühen Kindheit. Wenn noch eine familiäre Allergieneigung hinzukommt, führt dies zu einem dramatisch höheren Asthma-Risiko. Neben dem Rauchen können frühe und schwere Atemwegsinfekte mit bestimmten Viren ein späteres Asthma begünstigen, ebenso wie Übergewicht des Kindes.

Kann präventiv Einfluss auf die spätere allergische „Karriere“ des Kindes genommen werden? Was raten Sie?

Mütter sollten, wenn möglich, ihre Kinder mindestens vier Monate voll stillen. Wenn dies nicht gelingt, sollten Kinder mit erhöhtem Allergierisiko stattdessen sogenannte hypoallergene Formula zur Nahrung erhalten. Eine ausgewogene, mediterrane Kost mit Seefisch ist für die schwangere Mutter ebenso wie auch als Beikost ab dem 5. Lebensmonat zu empfehlen. Auch wichtig: Impfen nach Plan, viel Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, Zigarettenrauch und Schimmelpilzsporen. Übertriebene Hygiene schadet eher als sie nützt. Falls das Kind ständig verschnupft ist oder an trockenem Reizhusten mit ungeklärter Ursache leidet, dann steht ein Besuch bei einem Kinderarzt mit einer allergologischen Zusatzausbildung an. So kann mit einer soliden Diagnostik die Ursache geklärt und eine angemessene Therapie eingeleitet werden.

Wie verbreitet ist die Immuntherapie bei Kindern?

Bei Kindern mit Heuschnupfen ist eine Spezifische Immuntherapie bisher die einzige Möglichkeit, kausal zu behandeln und auch aktiv etwas gegen die Entwicklung von Asthma zu unternehmen. Wird darauf verzichtet, verpassen wir besonders bei diesen jungen Patienten wertvolle Zeit und die Möglichkeit, nachhaltig die Allergiekarriere zu beeinflussen. Aktuell erhalten viel zu wenige der betroffenen Kinder diese Behandlung. Und es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass sich Asthma im späteren Lebensalter „auswächst“.

Wie wird die Immuntherapie bei Kindern verabreicht?

Die Spezifische Immuntherapie kann in Form von Spritzen, Tabletten oder Tropfen verabreicht werden. Welche Behandlungsform die richtige ist, wird der behandelnde Arzt jeweils auf Basis des individuellen Krankheitsbildes und der Lebensumstände des Kindes entscheiden. Bevorzugt sollten Präparate verwendet werden, bei denen gute Erfahrung und Nachweise hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern vorliegen.

Herr Prof. Hamelmann, vielen Dank für das Interview!

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