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Schnupfen Heuschnupfen

Facharzt Norbert Mülleneisen über das Thema: Nase läuft, Augen tränen! Ist es Schnupfen oder Heuschnupfen?

Nase läuft, Augen tränen! Schnupfen oder Heuschnupfen?

Es herrscht schon wieder Pollenalarm! Dass die klassischen Frühblüher Hasel, Erle und Eibe schon wieder unterwegs sind, merkt Norbert Mülleneisen sofort. Der Facharzt für Lungenheilkunde in Leverkusen ist stolzer Besitzer einer eigenen Pollenfalle und beobachtet seit einer Woche ein vermehrtes Pollenaufkommen. Mit MeinAllergiePortal sprach er über allergene und nicht allergene Pollen und darüber, wie man unterscheidet, ob es ein Schnupfen oder ein Heuschnupfen ist, wenn die Nase läuft und die Augen tränen.

Herr Mülleneisen, welche Pollen sind zurzeit unterwegs? Seit wann?

Zurzeit sind die Pollen von Hasel, Erle und Eibe unterwegs. Haselpollen haben sich schon seit Dezember bemerkbar gemacht, allerdings nur ganz schwach. Seit einer Woche fliegen die Haselpollen allerdings verstärkt und ebenso die Erle und schwach die Eibe.

Sind das die üblichen Pollenflugzeiten oder finden diese normalerweise früher oder später statt?

Die Pollensaison beginnt immer früher und hält auch immer länger an, ein Zeichen der Klimaerwärmung. Allerdings gab es auch in der Vergangenheit schon immer einmal Jahre in denen der Haselpollenflug bereits im Dezember begann. Für die aktuelle Jahreszeit ist es normal, dass die Pollen von Hasel, Erle und Eibe vermehrt fliegen. Beim Hasel kommt es sogar zu einer zweiten Blühphase.

Wie wirkt sich der aktuelle Pollenflug auf Pollenallergiker aus, zeigt sich jetzt bereits die volle Bandbreite der Symptome?

Bei den Pollenallergikern zeigen sich die Symptome langsam. Meist beginnt es mit einem Juckreiz an der Nase und später kommt es dann zum Juckreiz in den Augen.

Zurzeit kommen allerdings auch die normalen Schnupfen-Patienten in meine Praxis - bei uns im Rheinland ist das klassischerweise zur Karnevalszeit der Fall. In dieser Zeit kommt man sich näher und es werden viele “Bützchen” verteilt und dabei werden eben auch reichlich Viren übertragen. Dann stellt sich regelmäßig die Frage: Handelt es sich um eine Erkältung oder um eine Pollenallergie?

Was ist der Unterschied zwischen einer normalen Erkältung und einem Heuschnupfen?

Der Juckreiz macht den Unterschied! Leiden die Patienten unter einem Schnupfen, ohne dass die Nase juckt, handelt es sich um eine normale Erkältung. Kommt der Juckreiz an Nase oder Augen hinzu, ist eine Pollenallergie die Ursache.

Wenn sich der allergische Schnupfen zuerst durch das Jucken der Nase zeigt, wie geht es weiter?

Der Symptomverlauf bei einem allergischen Schnupfen sieht wie folgt aus: Die Nase geht zu und juckt, man muss sich räuspern und husten und es kommt zu Juckreiz an den Augen. Gegebenenfalls kann es auch zu asthmatischen Atembeschwerden bzw. Luftnot kommen.


Verstärken sich die Pollenallergie Symptome mit dem zunehmenden Pollenflug?

Es gibt hier einen groben Zusammenhang. Allerdings wissen wir auch, dass manchmal zwar viele Pollen in der Luft sind, die Allergiepatienten aber trotzdem wenig Beschwerden haben.

Wie kommt es, daß Allergiepatienten keine Symptome haben obwohl der Pollenflug stark ist?

Das liegt daran, dass die Pollen nicht immer Allergene enthalten, wenn sie losfliegen. Man muss sich die Pollen vorstellen wie die Weintrauben an einer Rebe, so wie die Weintrauben von der Rebe fallen, fliegen auch die Pollen los. Kurz vorher gelangt das Allergen durch die Anthere, das ist der Staubbeutel, der Pollen produziert, in die Polle. Sind die Witterungsbedingungen feucht und windig und die Pollen quellen auf, kann es sein, dass sie früher losfliegen, bevor das Allergen hinein gelangt. Dementsprechend gibt es Bäume, die zwar große Mengen an Pollen produzieren, in den Pollen ist aber kein Allergen enthalten.

Kann man erkennen ob die Pollen Allergene enthalten oder nicht?

In den Pollenfallen sieht man lediglich die Pollen und zählt sie. So erhält man eine Aussage über die Pollenkonzentration, ob sie Allergene enthalten sieht man aber nicht.

Dies erklärt das folgende Phänomen: Häufig haben Patienten zu Beginn der Saison nur geringe Heuschnupfen-Beschwerden, obwohl die Pollen bereits verstärkt fliegen. Zum Ende der Saison, wenn die Pollenkonzentration bereits stark reduziert ist, klagen Patienten aber häufig über starke Beschwerden, obwohl in den Pollenfallen dann nur noch wenige Pollen zu finden sind. Das liegt daran, dass die Pollen zu Beginn der Saison oft nur wenig Allergen enthalten, während sie zum Ende der Saison sehr viel Allergene haben. Hinzu kommt, dass gegen Ende der Saison auch häufig Pollenbruchstücke in der Luft sind, die auch allergische Reaktionen hervorrufen können. In den Pollenfallen findet man dann aber bereits keine intakten Pollen mehr und Pollenbruchstücke lassen sich keiner verursachenden Quelle zuordnen, weil sie als Hasel- oder Erlenpollen nicht mehr erkennbar sind.

Das heißt also: Zu Beginn der Pollensaison hat man zwar höhere Pollenkonzentrationen, aber die Patienten haben geringere Beschwerden. Gegen Ende der Pollensaison haben die Patienten dann jedoch stärkere Beschwerden, obwohl der Pollenflug stark zurückgegangen ist.


Was empfehlen Sie Pollenallergikern - können die jetzt schon unter allergischem Schnupfen leiden?

Als erstes empfehle ich den Patienten immer ein Mometasonfuroat-haltiges Nasenspray, das in der Apotheke rezeptfrei erhältlich ist. Damit bekommt man 80% der Heuschnupfenbeschwerden in den Griff.

Wenn das nicht reicht, sollten antiallergische Augentropfen hinzukommen. Hier empfehle ich Präparate, die in Einzeldosen erhältlich sind und jederzeit nach Bedarf eingesetzt werden können. Dahingegen sind Präparate in Fläschchen nach dem Anbrechen nur sechs Wochen verwendbar.  

Hilft auch das nicht, sind gegebenenfalls Antihistaminika anzuwenden. Präparate auf Basis von Cetirizin oder Loratadin sind sehr gut untersucht und auch für Schwangere geeignet.  

Handelt es sich um sehr schwere Heuschnupfen-Symptome ist ein systemisches Cortison-Medikament zu erwägen. Dies ist hier aber nicht frei verkäuflich und muss vom Arzt verordnet werden.

Empfehlen Sie die Anwendung dieser Medikamente bei Auftreten der Symptome oder bereits im Vorfeld?

In einer niederländischen Studie hat man untersucht, ob es besser ist, das Mometason-Nasenspray in der Pollensaison regelmäßig oder nur bei Bedarf anzuwenden. Dabei konnte man sehen, dass das Nasenspray bei Bedarf genommen genauso wirkungsvoll ist, wie bei der regelmäßigen Anwendung. Bei einer Bedarfsmedikation sind die Patienten jedoch einer geringeren Substanzbelastung ausgesetzt und es ist außerdem noch preiswerter.  

Welchen Patienten empfehlen Sie die spezifische Immuntherapie (SIT)?

Die SIT empfehle ich immer dann, wenn die Beschwerden von Jahr zu Jahr zunehmen oder trotz Medikamenteneinnahme so schwer sind, dass sie den Patienten stark belasten.

Welche Pollen kommen als nächstes?

Die nächste “schlimme Polle” nach Hasel, Erle und Eibe wird die Birke sein. Dann kommt die Weide und im weiteren Verlauf kommen Platane, Eiche und Buche hinzu. Später starten die Gräser ihren Pollenflug und auch die Brennnessel, die bei uns in der Region Nordrhein-Westphalen sehr ausgeprägt auftritt. Als nächstes treten die Schimmelpilzsporen in Erscheinung und als letztes die Kräuter, Beifuß und Ambrosia.     

Herr Mülleneisen, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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