Gram-negative Bakterien Adjuvante Wirkung Artemisia-Allergen

Haben Gram-negative Bakterien eine adjuvante Wirkung auf das Artemisia-Allergen?

Gram-negative Bakterien: Adjuvante Wirkung auf Artemisia-Allergen?

Was bedeutet die Tatsache, dass Gram-negative Bakterien zusammen mit manchen Artemisia-Pollen in der Luft sind, für Allergiker?

Das bedeutet, wenn die Artemisia-Pollen fliegen, sind Pollenallergiker mit einer extrem hohen Anzahl adjuvanter, das heißt verstärkender Faktoren konfrontiert.


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Sie hatten erwähnt, dass die Gram-negativen Bakterien eigentlich am häufigsten in der Erde zu finden sind, und der in der modernen Gesellschaft mangelnde Kontakt mit Erde wird auch in Verbindung mit den steigenden Allergikerzahlen gebracht. Könnte es sein, dass der erstmalige massive Kontakt mit Artemisia über die Luft die allergische Reaktion verstärkt?

Das ist zwar möglich, aber noch sehr spekulativ. Das heißt, wenn man in der Kindheit und Jugend tatsächlich jeden einzelnen Tag Erdkontakt hatte, könnte dies einen protektiven Effekt haben. Anzunehmen ist eher, dass es die extrem hohe Menge an Gram-negativen Bakterien an den Artemisia-Pollen ist, die alle anderen Faktoren weitgehend überlagert.

Wir wissen, dass der Grün- oder Erdkontakt, und damit auch der Kontakt zu Bakterien, einen gewissen immunmodulierenden Effekt hat, wenn er früh genug, das heißt im Kindesalter, und auch häufig erfolgt. Der Kontakt mit den Gram-negativen Bakterien, die an Artemisia kleben, erfolgt sehr punktuell. Das heißt das Immunsystem wird mit geringen Mengen von Artemisia-Pollen, die aber mit vielen Gram-negativen Bakterien belegt sind, konfrontiert, und dies während eines begrenzten Zeitraums von Juni bis August.

In unseren Versuchen haben wir gesehen, dass die Kombination von Artemisia-Pollen und Gram-negativen Bakterien zu einer starken Sensibilisierungsreaktion kommt. Ohne die Bakterien ist dies aber nicht der Fall. Wenn man dann aber die Gram-negativen Bakterien von den Artemisia-Pollen entfernt und sie auf die Artemisia-Pollen überträgt, die zuvor nicht mit diesen Bakterien behaftet waren, kommt es erneut zu starken Sensibilisierungsreaktionen.

 

Könnte man aus Ihren Studienergebnissen schließen, dass es nicht allein das Allergen ist, das die allergische Reaktion bestimmt?

Es sieht ein wenig so aus, als würden manche Pollenallergene auch ein Adjuvans benötigen, um ein starkes allergenes Potenzial zu entfalten. Dazu gehören pollen associated lipid mediators (PALMS), NADPH-Oxidase und jetzt auch die Gram-negativen Bakterien.

Andere Allergene hingegen, wie z.B. das Allergen der Hausstaubmilbe, bringen ihr eigenes Andjuvans mit.

Welche Konsequenz ergibt sich aus Ihrer Studie für die Pollenallergiker?

Wir müssen aufpassen, dass sich Artemisia nicht stärker verbreitet, denn je nach Vorkommen und Vorhandensein Gram-negativer Bakterien, könnte es zu einer starken Zunahme von Artemisia-Sensibilisierungen kommen. Dies ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die Ausbreitung der Artemisia ist bereits weit fortgeschritten und das Rad lässt sich nicht zurückdrehen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, was passiert, wenn die mit Gram-negativen behafteten Artemisia-Pollen mit einem weiteren Allergen zusammentreffen. Möglicherweise wirken dann die Gram-negativen Bakterien auch bei weiteren Allergenen als Adjuvans. Dies könnte die Heftigkeit der allergischen Reaktion verstärken, insbesondere bei stark allergischen Pollenallergikern.

Unsere Studie macht deutlich, dass die Mechanismen der allergischen Reaktionen auf luftgetragene Allergene deutlich komplizierter sind, als angenommen. Mit den Gram-negativen Bakterien haben wir einen neuen Faktor entdeckt, der in Zukunft bei der Bewertung des allergischen Geschehens berücksichtigt werden muss. Umso wichtiger sind flächendeckende Pollenmessstationen, die ein permanentes Monitoring des Pollenfluges und auch der biologischen Komponenten ermöglichen.

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quellen:

1) Oteros J, Bartusel E, Núñez-Hernández A, Moreno-Gómez D, Behrendt H, Schmidt-Weber C, Traidl-Hoffmann C, Buters J. Artemisia pollen is the main vector for airborne endotoxin, J Allergy Clin Immunol in press 2018

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