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Mastjahr Pollenallergie Heuschnupfen

Prof. Hörmann erklärt, was Mastjahre für Pollenallergiker bedeuten!a

Mastjahr: Was bedeutet das für Pollenallergiker?

Das Mastjahr ist ein Jahr mit einer maximalen Samenproduktion bei Baumarten mit einer unregelmäßigen Fruchtbildung. Der Begriff selbst ist etwas ungewöhnlich und stammt aus der Schweinemast, denn eine gute Samenproduktion, zum Beispiel von Eicheln, bedeutete auch reichlich Futter für die Schweine. Allerdings: In dieser intensiven Pollenzeit haben Pollenallergiker durch die erhöhte Allergenbelastung besonders zu kämpfen. Birkenpollen Allergiker leiden zusätzlich an Kreuzreaktionen auf verwandte Bäume wie Hasel, Erle, Eiche, Hainbuche und Platane. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Karl Hörmann, Chief Medical Consultant International Patient Office CMC IPO, Consultant ENT, Plastic surgery, Allergology, Sleep medicine, Former Head & Chair Dept. of ORLHNS, University Medical Center Mannheim über Mastjahre und ihre Bedeutung für Pollenallergiker bzw. Heuschnupfen-Geplagte.

Herr Prof. Hörmann, wie kommt es zu einem Mastjahr?

In einem Mastjahr produzieren Bäume in einem größeren geografischen Gebiet vermehrt Samen. Mastjahre treten in unregelmäßigen Abständen je nach Baumart auf – beeinflussender Faktor sind auch die klimatischen Gegebenheiten. 2018 ist ein ganz intensives Blühjahr, da durch den verspätet einsetzenden Frühling frühblühende Bäume nun gleichzeitig mit der Birke ihre Pollen abgeben, wie Eiche, Buche, Hainbuche, Fichte, Platane, Rosskastanie. In Süddeutschland kommt noch eine erhöhte Eschenpollenkonzentration hinzu.

Das allergene Potenzial variiert jedoch deutlich unter den einzelnen Baumpollen. Längere warme, trockene und windige Perioden wie nun gerade, begünstigen die Verbreitung der Pollen.

Wie häufig kommt es zu Mastjahren?

Jahre mit einer besonders starken Samenproduktion treten bei unseren Waldbäumen mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf. Jede Baumart mit einem spezifischen Zyklus. Zum Beispiel gibt es alle 3 bis 6 Jahre eine Buchenmast und ca. alle 2 Jahre eine Birkenmast. In Jahren mit einem eher kühlen Frühsommer, produzieren Buchen und andere Laubbäume weniger Blüten und Samen. Ist der Frühsommer dann warm, blühen Bäume und bilden reichlich Samen.

In diesem Zyklus erkennt man eine gewisse Regelmäßigkeit, hierfür scheint auch die Nordatlantik – Oszillation (NAO) verantwortlich zu sein, diese beschreibt die Schwankungen des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden über dem Nordatlantik, was auch für das Wetter in Europa ausschlaggebend ist.

Bei welchen Baumarten treten Mastjahre auf?

Die meisten Waldbäume zeigen ein Mastverhalten. Hierbei weisen die verschiedenen Arten innerartlich eine gewisse Synchronität auf, diese kann regional bis überregional beobachtet werden. Mastjahre treten nicht streng regelmäßig auf, jedoch in einer gewissen artspezifischen Periodizität. So gibt es in unseren Lagen Vollmasten bei Eichen in Abständen von 6 bis 12 Jahren, bei Fichte, Tanne und Buche in Abständen von 5 bis 6 Jahren und bei Ulme, Ahorngewächse, Esche und Linde in Abständen wiederum von 3 bis 4 Jahren. Weide, Pappel, Birke und Erle hingegen blühen fast jährlich. Für die Bäume selbst stellen Mastjahre eine große Anstrengung dar, in diesen Jahren wachsen die Bäume weniger gut als sonst und sind unter Umständen anfälliger für Schädlinge, Trockenheit und andere negative Einflüsse.


Treten Mastjahre nur bei Bäumen auf, oder auch bei Gräsern, Kräutern etc.?

Mastjahr als Begrifflichkeit gibt es nur bei Bäumen mit unregelmäßiger Fruktifikation (Fruchtbildung).
Während dieses Jahr die Birken ein Mastjahr haben, hat sich die Zahl der Gräserpollen kaum geändert.

Wie wirken sich Mastjahre auf Pollenallergiker aus?

Wie bereits erwähnt, steigt aufgrund der hohen Allergenkonzentration in Mastjahren die Zahl Pollenallergiegeplagter.

Ferner kann eine Zunahme der Schwere der Symptome beobachtet werden. So kann es häufiger bei Pollenallergikern zu akuter Atemnot kommen, aufgrund der hohen in der Luft sich befindenden Pollenkonzentration.

Allergikern bereiten so gut wie nur Pollen von Pflanzen Probleme, die vom Wind bestäubt werden, da es nur hierbei zu wirklich hohen Pollenkonzentrationen kommt. Pollen von Koniferen wie Kiefern spielen hier, trotz des hohen Bestandes, keine wesentliche Rolle, da die Pollen hierbei von einer Wachsschicht ummantelt sind, so dass die allergieauslösenden Bestandteile nicht hierdurch hervortreten können.

Welche Pollenallergiker sind besonders betroffen?

Das wohl bedeutendste Baumpollenhauptallergen ist das Bet v1 der Birkenpollen. Ca. 90 Prozent der Birkenpollenallergiker weisen eine Sensibilisierung gegen Bet v1 auf, daher wird dieses auch Majorallergen genannt. In ca. 20 Prozent der Fälle liegt eine Sensibilisierung gegen Bet v2 vor, einem sogenannten Profilin, welches sehr weit verbreitet ist.

Kreuzallergien können zwischen artverwandten Spezies auftreten wie den Fagales, so z.B. bei Birke, Erle, Hasel, Hainbuche, Eiche und Kastanie, aber auch zu entfernten Spezies wie Obst und Gemüse. Sie bilden hier meist über Bet v1–Homologe und Profiline, das heißt Bet v2 Homologe, die sogenannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien, was z. B. das orale Allergiesyndrom verursacht, wie z. B. beim Verzehr von Kirschen, Äpfeln, Bananen, Kiwis, Litschis, Nüssen, Paprika, Sellerie, Zucchini, Gewürzen etc..

Kommt es in Mastjahren dann häufiger zum Oralen Allergiesyndrom?

Hier sollte man sich noch einmal vor Augen führen, dass Kreuzallergien entstehen, wenn die Proteinstruktur der Pollen oder anderer Allergieauslöser mit derjenigen in bestimmten Nahrungsmitteln eine sehr starke Ähnlichkeit aufweisen, hier spricht man auch von homolog. Das Immunsystem reagiert dann nicht nur auf das Aeroallergen, sondern auch auf das in bestimmten Nahrungsmitteln enthaltene Allergen. Somit ist das orale Allergie-Syndrom eine Folge der Pollenallergie. Etwa jeder zweite Baumpollenallergiker entwickelt eine Allergie auf Stein– und Kernobst. Während noch vor 15 bis 20 Jahren nur etwa 17 Prozent der Pollinosis (Heuschnupfen) Patienten an einer Nahrungsmittelkreuzallergie litten, sind es heute mehr als 50 Prozent. Es kann durchaus bei steigender Allergenbelastung zu einer Zunahme der Symptomatik und somit auch des oralen Allergie-Syndroms kommen.

Was sollten Pollenallergiker beachten? Gibt es Vorsichtsmaßnahmen?

Wichtig zu wissen ist, dass bei Pollenallergikern bereits der erste Kontakt mit dem kreuzallergieauslösenden Nahrungsmittel ausreicht, um eine allergische Reaktion zu triggern. Diese kann sich von einem oralen Allergie-Syndrom bis bin zu einem anaphylaktischem Schock präsentieren.

Zu den Vorsichtsmaßnahmen zählt natürlich zuallererst eine Reduktion des allergenen Materials, meist ist eine völlige Karenz bei Pollen nicht zu erreichen. Allergiker sollten versuchen, Pollen gar nicht erst ins Haus zu tragen, d.h. Schuhe und Jacken am besten noch vor dem Betreten der Wohnung ausziehen. Die Kleidung sollte man gegebenenfalls direkt wechseln. Duschen und Haare waschen ergänzen diese Präventionsmaßnahmen. Die gewaschenen Kleider sollten nicht draußen getrocknet werden.

Um die lokale Pollenbelastung am Erfolgsorgan Nase zu minimieren, können hier isotonische Kochsalzspülungen erfolgen. Pollenschutzgitter und Staubsauger mit HEPA Filter, sowie feuchtes Wischen der Oberflächen können weiterhin zur Reduktion der Allergenbelastung führen. Eine weitere therapeutische Säule stellt die medikamentöse-/symptomatische Therapie dar mit systemischen und topischen Antihistaminika und Glukokortikoiden, dies verhindert jedoch nicht das Fortschreiten der allergischen Erkrankungen im Sinne einer Polysensibilisierung und eines Etagenwechsels hin zu einem allergischen Asthmas. Bei bekannten Nahrungsmittelkreuzallergien sollte auch gegebenenfalls auf die entsprechenden Lebensmittel verzichtet werden. Hier reicht manchmal auch nur eine Reduktion der Verzehrmenge bereits aus. Weiterhin gilt, dass zum Beispiel trotz einer Apfel Kreuzallergie, bestimmte Sorten vertragen werden können. Eine Zubereitung der Lebensmittel durch Kochen, Erhitzen, Einfrieren etc. kann manche Allergene zerstören, und Nahrungsmittel dadurch verträglich machen. Stress, Alkohol, körperliche Anstrengungen können sich negativ auf die Allergie auswirken. Manchmal lässt sich erst durch bestimmte Summationsfaktoren, wie Stress, Alkohol, NSAR, d.h. Schmerzmittel-Einnahme oder Sport eine allergische Reaktion triggern.

Die wichtigste und einzig kausale Therapie ist jedoch die allergenspezifische Immuntherapie (AIT), diese kann subkutan oder sublingual erfolgen über einen Zeitraum von 3 Jahren.

Prof. Hörmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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