SCIT Kind: Lokale systemische Reaktionen

Prof. Dr. med. Albrecht Bufe, Kinderarzt, Allergologe, Immunologe, Molekularbiologe und Leiter der Abteilung experimentelle Pneumologie an der Ruhr-Universität zu seiner Studie zu lokalen und systemischen Reaktionen der SCIT beim Kind!

SCIT beim Kind: Lokale und systemische Reaktionen

Wie schnell nach der Injektion können systemische Reaktionen auf die subkutane Immuntherapie auftreten?

Systemische Reaktionen vom Grad I und II können auch verzögert auftreten, auch in unserer Studie gab es diesen Fall. So kann es z.B. auch einen Tag nach der SCIT noch zu einer Urtikaria kommen, allerdings ist dies selten.

Systemische Grad III und Grad IV-Reaktionen treten, wenn überhaupt, nur in den ersten 30 Minuten nach der Injektion auf. Dies ist genau der Zeitraum, in dem der Patient nach der SCIT zur Sicherheit noch in der Praxis bleiben muss. Von einem schweren anaphylaktischen Schock, der später auftritt, habe ich noch nie gehört und dies ist auch in der Literatur nicht beschrieben.

 

Konnten Sie in Ihrer Studie Risikofaktoren für das Auftreten von lokalen oder systemischen Reaktionen identifizieren?

In unserer Beobachtungsstudie konnten wir lediglich einen Risikofaktor identifizieren: Wenn ein Kind im Prick-Test auf NACl , d.h. Natriumchlorid bzw. Kochsalz, mit einer deutlichen Lokalreaktion reagiert hatte, erhöht dies auch das Risiko einer deutlichen Lokalreaktion auf die subkutane Immuntherapie. Offensichtlich reagieren diese Kinder empfindlich auf die bloße Berührung, so dass es zu einer Urtikaria factitia kommt, einer Urtikaria, die durch mechanische Reize, ausgelöst wird. Die Injektion selbst ist dann also schon der Auslöser der lokalen Reaktion. Dies gilt allerdings nur für lokale Reaktionen, nicht für die systemischen.

Aus der Literatur ist bekannt, dass auch ein Kind mit mittelgradigem und schwerem Asthma ein erhöhtes Risiko trägt, systemische Reaktionen zu entwickeln. In unserer Studie konnten wir dies jedoch nicht nachweisen, weil der Anteil der an Asthma erkrankten Kinder nicht sehr hoch war.

Wann ist es angezeigt, Reaktionen auf eine SCIT zu therapieren?

Zur präventiven Behandlung lokaler Reaktionen kann ein Antihistaminikum gegeben werden. Möglich ist auch die präventive Kühlung der Einstichstelle mit einem Eisbeutel, wie dies bei der Hyposensibilisierung gegen Bienengift oder Wespengift häufig angewendet wird.

Wenn es zu einer systemischen Reaktion kommt, würde dies unverzüglich medikamentös behandelt, z.B. bei einem Asthmaanfall mit einem Asthmamedikament oder bei einer Urtikaria mit Kortison oder ebenfalls mit einem Antihistaminikum.

Kommt es zum anaphylaktischen Schock müssen natürlich, einer vorgegebenen Systematik folgend, lebensrettende Maßnahmen ergriffen werden. Dabei kommen heutzutage zu Anfang nicht selten Adrenalin Autoinjektoren zum Einsatz..

Eine Kontraindikation zur SCIT sind lokale oder systemische Reaktionen aber nicht?

Nein, wir gehen davon aus, dass diese Therapie sehr tolerabel ist, wenn sie von erfahrenen, allergologisch geschulten Pädiatern durchgeführt wird, die diese Behandlung auch häufig durchführen. Das Risiko für eine extrem schwere Reaktion ist dann extrem selten.

Herr Prof. Bufe, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Quelle:

Tophof MA, et al., Side effects during subcutaneous immunotherapy (SCIT) in children with allergic diseases. Ped Allergy Immunol; 2017; in press

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