SCIT Kind: Lokale systemische Reaktionen

Prof. Dr. med. Albrecht Bufe, Kinderarzt, Allergologe, Immunologe, Molekularbiologe und Leiter der Abteilung experimentelle Pneumologie an der Ruhr-Universität zu seiner Studie zu lokalen und systemischen Reaktionen der SCIT beim Kind!

SCIT beim Kind: Lokale und systemische Reaktionen

Wie häufig kam es in Ihrer Beobachtungsstudie zu lokalen oder systemischen Reaktionen auf die SCIT?

Zu lokalen Reaktion kam es sehr häufig. Zum Hintergrund: In unserer Studie haben wir die Patienten zwei Jahre beobachtet und alle, die mindestens eine Reaktion auf eine Injektion hatten, wurden gezählt. Dazu muss man wissen, dass bei einer subkutanen Immuntherapie pro Jahr durchschnittlich 12 Injektionen verabreicht werden. Bei einer dreijährigen Behandlungsdauer wären das bis zu 36 Injektionen. Hinzu kommen sechs bis acht Injektionen in der Induktionsphase, d.h. zu Beginn der Therapie, wenn die Dosis der Allergene aufgesättigt wird. So kommt man auf insgesamt 42 Injektionen in drei Jahren.

Die Studie lief jedoch nur über zwei Jahre, so dass wir bis zu 25 Injektionen pro Patient beobachten konnten. Dabei zeigte sich, dass bei 76 Prozent der Kinder zumindest einmal eine lokale Reaktion auftrat, das ist die harmloseste Form einer Reaktion. Durchschnittlich kam es zu fünf lokalen Reaktionen pro Kind, ohne dass eine Systematik erkennbar gewesen wäre und ohne dass dies das Auftreten systemischer Reaktionen in irgendeiner Weise beeinflusst hätte.

Wie gesagt, kann es sowohl sofort nach der Injektion als auch verzögert, d.h. erst dann, wenn die Kinder nach der Behandlung und der 30 minütigen Wartezeit wieder zu Hause waren, zu lokalen Reaktionen kommen. Interessanterweise haben wir durch unsere Studie festgestellt, dass es deutlich häufiger zu verzögerten Reaktionen kam, als gedacht und in der Literatur beschrieben.


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Wie kommt es dazu, dass in Ihrer Beobachtungsstudie verzögerte lokale Reaktionen auf die subkutane Immuntherapie häufiger als gedacht auftraten?

Dies könnte daran liegen, dass in der Studie auf den Zeitpunkt der Reaktion ein besonderes Augenmerk gelegt wurde. Die partizipierenden Kinderärzte wurden dazu angehalten, die Patienten bzw. die Eltern ausdrücklich nach Reaktionen jeglicher Art und auch nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens zu befragen. Dafür hatten wir einen Fragebogen entwickelt, in dem dies explizit abgefragt wurde. In anderen Studien wurde dieser Punkt nicht systematisch nachgefragt und dementsprechend auch nicht beobachtet bzw. erfasst.

Wenn diese Studienergebnisse vorgestellt werden, zeigen sich viele Kinderärzte sehr überrascht über die Häufigkeit verspäteter lokaler Reaktionen auf die SIT. Tatsächlich kann man vermuten, dass die Eltern diese Reaktionen häufig nicht thematisieren und der Arzt nicht nachfragt. Erst der explizite Fokus unserer Studie auf die Häufigkeit verzögerter lokaler Reaktionen nach der subkutanen Immuntherapie hat dieses Phänomen zu Tage gebracht.

 

Wie lange halten die verzögerten lokalen Reaktionen auf die subkutane Immuntherapie an?

Das ist unterschiedlich. Die verzögerten lokalen Reaktionen nach der SCIT können bereits nach einigen Stunden verschwunden sein oder auch erst nach zwei Tagen. In sehr, sehr seltenen Fällen können lokale Reaktionen auf die SCIT auch eine Woche oder länger anhalten. Am häufigsten halten sie zwischen 24 und 72 Stunden an.

Wie sehen Ihre Studienergebnisse im Hinblick auf die systemischen Reaktionen nach der SCIT aus?

Systemische Reaktionen nach der SCIT sind insgesamt selten und die gefährlichen Grad IV-Reaktionen sind extrem selten. In unsrer Studie hatte von 582 Patienten kein Patient eine Grad IV-Reaktion, das bedeutet es ist ein extrem seltener Vorgang.

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